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Unternehmer, nicht Lobbyisten braucht das Land!

Vor dem Energiegipfel geht es hoch her: „Wirtschaftsstalinisten“ teilt Gabriel an die Adresse der Energiewirtschaft aus, „Ökobolschewist“ schallt es von Michael Fuchs, Chef der Mittelstandspolitiker von CDU und CSU, zurück.

Die Energiekonzerne zeigen sich dabei wieder einmal von ihrer schlechtesten Seite: Als Lobbyisten und Besitzstandswahrer treten Sie auf, nicht als Unternehmer. Der Atomkonsens, der 1998-2000 in mühsamen Runden den langsamen Ausstieg aus der Atomenergie besiegelte und der von den Chefs der mächtigsten deutschen Energiekonzerne unterzeichnet worden war, soll nun plötzlich nicht mehr das Papier wert sein, auf dem er damals ausgedruckt wurde.

Ehrenmänner und wie sie das Wörtchen ‚dauerhaft‘ interpretieren“ überschrieb Gerd Rosenkranz (DUH) seine Kolumne zum Wortbruch der Energiekonzerne schon vor einem Jahr. Auch heute noch lesenswert.

Statt die vor uns stehende Umgestaltung unseres Energiesystems als Herausforderung für die Innovationsfähigkeit unseres Wirtschaftssystems und seiner Akteure zu verstehen, wird gemauert und lobbyiert was das Zeug hält. Während die Wirtschaft immer wieder klare und verläßliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz fordert, blockieren Besitzstandswahrer genau diese klaren und verläßlichen Rahmenbedingungen, wenn es ernst wird. Denn wieviel mehr Klarheit braucht es denn noch, als dass die Politik einerseits ambitionierte Zielsetzungen vorgibt (minus 40% Treibhausgasemissionen bis 2020) und gleichzeitig am Atomausstieg festhält. Da öffnet sich doch ein Scheunentor für Investoren und Innovatoren. Schumpeter, übernehmen Sie – Zeit für schöpferische Zerstörung.

Vielleicht sollte Bundeskanzlerin Merkel eher Ursula und Michael Sladek zum Energiegipfel einladen. Die beiden Stromrebellen aus dem Südschwarzwald haben für die Gründung der Elektrizitätswerke Schönau jüngst den Deutschen Gründerpreis 2007 erhalten. Vor zehn Jahren haben sie das Stromnetz der Gemeinde Schönau übernommen, um nach Tschernobyl den Atomausstieg selbst umzusetzen. Seitdem sind die EWS Schönau zu einem bundesweiten Ökostromanbieter geworden.

Schreibt’s an jede Wand: UnternehmerInnen, nicht Lobbyisten braucht das Land!

Zum Weiterlesen:

Mythos Atomkraft: Über die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Von Felix Chr. Matthes
Und ein schöner Artikel von Wolfram König, Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz auf fr-online

Dieser Artikel wurde unter Atom, Energiewende, Kohle, Konzerne abgelegt.

Diskussion

  1. In einer Diskussionsveranstaltung sagte vor kurzem ein Vertreter eines kleinen Solarunternehmens: Die Aufgabe von Unternehmen wäre es nicht, Forderungen an die Politik zu stellen, sondern Angebote zu entwickeln. Genau das ist das Problem der großen Energieversorger. Sie versäumen es, die notwendigen Angebote an die Gesellschaft und den sich verändernden Markt zu entwickeln , die den Anforderungen des Klimawandels gerecht werden. So gerät man zurecht in die Defensive.

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