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Aschenputtel?

Kennen sie Aschenputtel? by mwboeckmann on flickr
Ja, das ist doch dieses arme, vernachlässigte Mädchen, das immer den Schmutz der anderen wegputzen musste. Jene so ungerecht behandelte Unschuld.

Prof. Dr. Georg Erdmann, seines Zeichens Leiter der Abteilung Energiesysteme, TU Berlin, lässt sich doch tatsächlich mit folgender Aussage in halbseitigen Anzeigen zitieren: „Die Braunkohle ist das Aschenputtel der Stromerzeugung: Fleissig und billig. Und genauso unterschätzt„.

Mit den Metaphern ist das so eine Sache, Herr Erdmann. Das kann ziemlich schiefgehen.

Denn Braunkohlekonzerne wie Rheinbraun, Vattenfall und RWE sind nun alles andere als Aschenputtel, die reinliche, arme, zu Unrecht verfolgte Unschuld. Sondern milliardenschwere Konzerne, die bisher gut davon gelebt haben, „Europas Top-Klimakiller“ (WWF) zu betreiben. Und bis 2012 auch noch zusätzlich dafür mit Mitnahmegewinnen aus verschenkten Emissionsrechten belohnt werden.

by WolfgangM on flick

Was Erdmann offenkundig noch nicht verstanden hat: Wenn wir den Klimawandel noch in auch nur halbwegs tragbaren Grenzen halten wollen, hat Kohle keine Zukunft. Darf sie nicht haben, und wird sie nicht haben. Zumindest solange CO2 nicht abgeschieden und sicher endgelagert wird. Bei uns in Europa, in den USA, und mit etwas Verzögerung auch anderswo. Weltweit.

Intellektuelle Zumutungen auch noch per ganzseitigen Anzeigen zu verkünden ist einfach nur peinlich. Doch wenigstens ist der Artikel in einer Hinsicht ehrlich. Nachdem noch die Vorgänger etwas um den heissen Brei herumgeredet haben, kommt Erdmann auf den Punkt, der hinter der ganzen millionenschweren Kampagne der Braunkohlelobby steht: Er fordert, dass die EU Kommission auch zukünftig wertvolle Emissionsrechte kostenlos an die Klimakiller verschenken soll. „Brennstoffspezifische Benchmarks“ heisst das Zauberwort, nach dem ein Kraftwerk um so mehr wertvolle Emissionsrechte geschenkt bekommen soll, je mehr es emittiert. Verkehrte Welt: Verschmutzer werden belohnt, Klimaschützer bestraft. Wie daraus ein „nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz“ werden soll, weiss Erdmann allein.

Hier noch ein paar Nachhilfestunden für Herrn Erdmann: Externe Effekte. Verursacherprinzip. Internalisierung. Wenn Sie das gelesen haben, nehmen Sie bitte noch folgende Stellungnahmen zur Kenntnis:

Sachverständigenrat für Umweltfragen: Die nationale Umsetzung des europäischen Emissionshandels: Marktwirtschaftlicher Klimaschutz oder Fortsetzung der energiepolitischen Subventionspolitik mit anderen Mitteln? Stellungnahme Nr. 11, Berlin, April 2006.

Deutsche Bank Research: Bei der Weiterentwicklung des Emissionshandels sollten u.a. Versteigerungen für die Zertifikate im Fokus stehen.

Otto Steinmetz, Chief Risk Officer Dresdner Bank: Die Zertifikate müssen künftig verknappt und auktioniert werden.

Ein Beitrag des ZDF-Magazins Frontal bringt den Sachverhalt wunderbar auf den Punkt.

Bottom Line: „Statt klimafreundlicher Innovation Energieerzeugung von vorgestern. So ist der Klimawandel nicht zu stoppen!„.
Dem wäre nichts hinzuzufügen.

Dieser Artikel wurde unter Emissionshandel, EU, Greenwash, Kohle kategorisiert und ist mit , , , verschlagwortet.

Diskussion

  1. Die Beiträge auf http://www.braunkohle-forum widersprechen sich sogar gegenseitig:

    Herr Socolow vertritt in seinem Beitrag eine Stabilisierung der weltweiten CO2-Emissionen auf dem Niveau von 2008. Dies soll das Klima retten, er zitiert „Umweltwissenschaftler“ – freilich ohne zu verraten, wen er damit namentlich meint. Im nächsten Text zitiert dann Herr Erdmann in seinem Beitrag das IPCC — demnach ist eine Reduktion der globalen CO2-Emissionen bis 2050 (Basis 1990) um 50 Prozent nötig.

    Wie, sehr geehrte Herren, passt denn das zusammen?

    Das IPCC ist übrigens auf der Seite nirgendwo verlinkt — auch im Glossar taucht es nicht auf.

    Auch schade: Eine Kommentarfunktion gibt es auf der Seite nicht.

  2. Danke! Schön, es nochmal zu lesen, mit so vielen Argumenten unterfüttert. Mein Verdacht ist ja, dass diese Erdmann-Menschen zu alt sind, und kinderlos.

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