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War on Global Warming?

TimeWie wir den Krieg gegen die Globale Erwärmung gewinnen“ titelte das TIME-Magazin in der vergangenen Woche. TIME färbte dafür seinen berühmten, markenrechtlich geschützten roten Rand in Grün.

Krieg gegen den Klimawandel? Eine Metapher, die in den USA schneller von den Lippen geht als hierzulande. War on Cancer, War on Poverty, War on Drugs, War on Terror, War on Want – es wird schnell ein Krieg ausgerufen jenseits des Atlantiks. Google listet 23 Mio. Treffer für die Kombination „War on“, 175.000 für „War on Global Warming“, 204.000 für „War on Climate Change“.

Bei uns in Deutschland hingegen ist „Krieg“ mit den traumatischen Erfahrungen der Generation unserer Eltern und Großeltern besetzt. Diese haben die Deutschen glücklicherweise zu einer recht pazifistischen Nation gemacht. Und sicherlich ist relativer Frieden, nicht Krieg, eine der Grundvoraussetzungen, damit wir die Klimakrise bewältigen können [Das ist, by the way, der Grund warum ich John McCain als US-Präsident für eine klimapolitische Katastrophe halte – seine neokonservative Aussenpolitik wird Konflikte verschärfen, nicht lösen, und als „Kollateralschaden“ jegliche Zusammenarbeit im Klimaschutz zerstören].

Und doch macht die Metapher vom „War on Global Warming“ Sinn. Als Metapher für die notwendige Mobilisierung unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ressourcen, um katastrophalen Klimawandel noch zu vermeiden. Als Metapher für die unbedingte Entschlossenheit, diese Auseinandersetzung zu gewinnen. Kein geringerer als Lester Brown, der „Altmeister“ der amerikanischen Umweltpolitik, Gründer und langjähriger Präsident des Worldwatch Institute, bringt dies in folgendem Videointerview sehr gut auf den Punkt:

Lester Brown: The Man With the Eco Plan von alex king. Ansehen!

Lester macht zu Beginn eine wichtige Unterscheidung:

We don’t start with the political question how much is it politically feasible to cut carbon emissions. We ask the question how fast do we have to cut carbon emissions if you want to have a chance to save the Greenland Ice Sheet or the Himalaya glaciers on the Tibetan Plateau, that feed the major river systems of Asia during the dry season.

Es ist eine Unterscheidung zwischen zwei Arten von klimapolitischem Realismus. Der eine nimmt die politische Durchsetzbarkeit als Faktum und zieht daraus die Konsequenzen, welchen Klimawandel wir fatalistischerweise akzeptieren müssen. Der andere nimmt die um fast jeden Preis zu verhindernden Konsequenzen katastrophalen Klimawandels als Faktum, und fragt nach den Möglichkeiten, die notwendige Wende politisch durchsetzbar zu machen.

Wenn wir katastrophalen Klimawandel (hierzu zähle ich mit Lester Brown das Abschmelzen des Grönland-Eisschilds oder der Gletscher des Himalayas) verhindern wollen, dann tut sich erst einmal eine gewaltige Lücke auf zwischen dem, was aktuell für machbar und politisch durchsetzbar gehalten wird und dem, was notwendig ist. Eine Lücke, die schon manchen in die Resignation getrieben hat – die bequeme Ausrede, es sei ja sowieso nichts mehr zu machen.

Lester Brown gibt sich damit nicht zufrieden, und erinnert an die USA während des 2. Weltkriegs, nach Pearl Harbour. Präsident Roosevelt rief die CEOs der US Automobilkonzerne zu sich, die damals die größte Konzentration industrieller Kapazität repräsentierten. Vor die Herausforderung der gewaltigen Steigerung der Rüstungsproduktion gestellt, erwähnten die CEOs, wie schwierig es sei, zusätzlich zu Automobilen auch noch Panzer, Flugzeuge und Kanonen zu bauen. Roosevelt antwortete: Sie verstehen mich falsch: Wir werden den Verkauf privater Automobile in den USA verbieten. Und von April 1942 bis Ende 1944 wurden in den USA keine Autos verkauft. Roosevelts Rüstungsproduktionsziele, die als reichlich utopisch galten, wurden sogar übertroffen. (Mehr dazu hier).

In diesen Jahren wird sich die Umweltbewegung entscheiden müssen, welchem Realismus man anhängen will. Die bisherige Definition von politischem Realismus wird bald zur Schlussfolgerung führen: Das Ziel, den globalen Klimawandel auf unter 2 Grad globaler Erwärmung gegenüber dem vorindustriellem Niveau zu begrenzen, ist „realistischerweise“ nicht mehr zu halten. Jedenfalls unter der gängigen Annahme einer Klimasensitivität von rund drei Grad je Verdoppelung der Treibhausgaskonzentration. Da bleibt uns nur die Hoffnung, dass sich der Planet überraschend tolerant zeigt, die Klimasensitivität niedrig ist.

Und es gibt ja deutliche Bestrebungen, auch in der EU, die das 2-Grad-Ziel wieder relativieren und in Frage stellen wollen.

Doch wenn wir die Frage andersherum stellen, wie Lester Brown es tat, dann werden wir um so etwas wie „War on Global Warming“ bald nicht mehr herumkommen. Dann wird es, auch dank der bisher recht erfolgreichen Verzögerungsstrategie von Klimaskeptikern, von Exxon bis RWE&Co., bald um den Einsatz sehr viel durchgreifenderer Maßnahmen gehen. US Klimaforscher James Hansen spricht dann hinsichtlich der Kohlekraftwerke von „cap and bulldoze“ anstelle von „cap and trade“.

Wer wie viele Wirtschaftsakteure Sorge hat um die Kosten des Klimaschutzes, sollte ein massives Interesse an der Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen haben, um zu vermeiden, dass später in einer Notbremsreaktion sehr teure, kapitalvernichtende Maßnahmen ergriffen werden müssen. Ich warte auf den Tag, an dem sich der BDI gegen die peinlichen Anzeigenkampagnen der Braunkohlelobby stellt und die EU Kommission auffordert, ihr Energie- und Klimapaket noch zu verschärfen. Doch so viel Voraussicht ist wohl (noch?) zuviel verlangt.

Auf den nächsten US-Präsidenten wird aber die Herausforderung zukommen, einen „War on Global Warming“ anzuführen. Dieser wird jedoch nur gemeinsam, kooperativ zu führen sein. Und „something like Greenhouse Development Rights„, unser Konzept für globale Klimagerechtigkeit, wird dann aus den Sphäre der politischen Utopien rasch in die Sphäre des Realistischen rücken.

Im obigen Interview wird Lester Brown gefragt, welchem der drei US Präsidentschaftskandidaten er denn das Notwendige zutraue. Seine Antwort:

All three are pretty good. But when I look at the time we’re in and the challenges to be faced, I see both Senator Clinton or John McCain as being incrementalists. I think we need some quantum jumps now. I think the only candidate that has the potential to develop a vision, to lead with big changes is Obama.

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Diskussion

  1. Lieber Jörg,
    Ich bin zur Dir und zum Wald gekommen über die Linken Grünen.
    Ich würde gern Deine Meinung wissen zu dem Projekt Wiederaufforstung des Regenswaldes in Borneo (BOS) – http://www.schafft-lebenswald.de
    Ist es unterstützenswert? Hat es Zukunft? Kennst Du andere unterstützungswürdige Aufforstungsprojekte z.B. in Lateinamerika??
    Dank im Voraus.
    Mit freundlich-solidarischem Gruß
    Harald Vieth (Autor von „Klimawandel mal anders. Was tun?“)

  2. Horst Schiermeyer

    Lieber Jörg,

    danke für diesen Anstoß. Ich hoffe, dass er mehr Wirkung zeigen wird als mein (vielleicht zu früher und zu unvermittelter) Vorstoß auf der grünen BDK im vergangenen Nov. in Nürnberg, dies Thema auf die politische Tagesordnung zu setzen. Ich wollte per Änderungsantrag eine Präambel vor den Klimaantrag des grünen BuVo setzen. Daraus wurde nur ein Nebensatz übernommen und ansonsten der Antrag nicht befasst.
    Da er inhaltlich nach wie vor aktuell ist, füge ich ihn hier ein. Über Resonanz würde ich mich freuen.

    MfG
    Horst Schiermeyer, Zittau
    Mitglied der BAG Energie der Grünen

    http://www.gruene.de/cms/partei/dok/206/206131.aenderungsantrag_zu_u01.htm

    27. Ordentliche Bundesdelegiertenkonferenz
    23.-25. November 2007
    CongressCenter Nürnberg
    PDF-Version
    U-01-000Klima- und Umweltpolitik Antragsteller/innen: Horst Schiermeyer u.a.
    Gegenstand: Klima- und Umweltpolitik

    Änderungsantrag zu U-01
    Dem Antrag wird folgender Text vorangesetzt, wobei die bisherige Überschrift: „Klimaschutz ohne wenn und aber …“ entfällt:

    „(Wo)man to the earth!“

    Wir brauchen die Große Transformation

    „Man to the moon!“ – bis zum Ende des Jahrzehnts auf den Mond – beschlossen die USA zu Anfang der 60er Jahre mit dem „Apollo-Projekt“. Die US-Regierung setzte enorme finanzielle, technische und wirtschaftliche Mittel ein, um innerhalb kürzester Zeit eine Raumfahrtindustrie aus dem Boden zu stampfen. Das dies gelang, ist ein Beispiel dafür, dass moderne Industriegesellschaften in der Lage sind, in Zeiten großer realer oder auch nur empfundener Bedrohung (hier der „Sputnik-Schock“) enorme Ressourcen zur Abwendung der Gefahr zu mobilisieren.

    Der Klimawandel, verstärkt noch durch die absehbare Verknappung fossiler Energieträger, zählt zu den ernstesten Bedrohungen, denen die Menschheit je gegenübergestanden hat. Zunehmend mehr führende Kräfte in Politik und Wirtschaft beginnen eine Ahnung von dessen Auswirkungen zu bekommen. In vielen Ländern sind daher Programme angelaufen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Nutzung Erneuerbarer Energien. Die damit bewirkbare Umstellung der Gesellschaften würde ausreichen, wenn der Klimawandel erst in 50 Jahren beginnen würde – er hat aber schon begonnen.

    Al Gore und der IPCC bekommen den Friedensnobelpreis. Das ist richtig, weil die Folgen von Klimawandel und Energieverknappung den Frieden stärker bedrohen werden als alle heute aktuellen Gefahren. Die Alliierten haben im Zweiten Weltkrieg ihre Ressourcen mobilisiert, um gleich zwei Gefahren für den Weltfrieden zu meistern. Jetzt ist eine entsprechende Mobilisierung der technischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Ressourcen notwendig, um die Erde für die Spezies Mensch lebenswert zu erhalten. „(Wo)man to the earth“ statt „Man to the moon“ brauchen wir, ein neues „Apollo-Projekt“.

    In Zeiten großer Friedensbedrohung durch Militär wird ein Großteil der Industrie von Zivil- auf Kriegsproduktion umgestellt, werden notwendige Infrastrukturen aus dem Boden gestampft. Was passiert dagegen in Zeiten großer Friedensbedrohung durch den Klimawandel? Einige mittelständische Unternehmen, denen es zu verdanken ist, dass es überhaupt die Entwicklung von Wind- und Solarenergie gibt, haben große Wachstumsraten. Hier und da werden Stromnetze verstärkt, Bauvorschriften verschärft und ähnliches mehr. Aber was macht die „Crème de la crème“ der europäischen und der weltweiten Industrie? „Business as usual“, baut Autos, Maschinen, Flugzeuge, Waffen, als wäre nichts geschehen.

    Sorgen wir dafür, dass sich dies ändert. Sorgen wir dafür, dass die „Große Transformation“ der Weltwirtschaft auf den Weg kommt, die 15 NobelpreisträgerInnen und viele andere WissenschaftlerInnen auf einem Treffen in Potsdam vom 08. – 10.10.2007 mit dem „Potsdam Memorandum“ gefordert haben.

    Begründung:

    Der Antrag von Bundesvorstand und ökologischer Kommission ist – ergänzt durch die weiteren vorliegenden Änderungsanträge – weitestgehend in Ordnung und entspricht auch den bisherigen Beschlusslagen von Wahlprogramm und den Beschlüssen der BDK in Köln und des Länderrates in Bremen. Wenn wir uns aber nun schon wieder mit dem Klimaschutz befassen, sollte angesichts der Dringlichkeit dies auch stärker herausgestellt werden.

    Die Überschrift wollen wir ändern, weil „Klimaschutz ohne wenn und aber“ wörtlich genommen so radikal ist, dass sofort jede Treibhausgasemission eingestellt werden müsste ohne Abwägung mit anderen sozialen und wirtschaftlichen Interessen. Dem entspricht der eigentliche Antrag inhaltlich natürlich nicht. Die radikale Botschaft wird daher auch nicht ernst sondern nur als Floskel wahrgenommen werden. Da ist die hier vorgeschlagene Forderung nach einer großen Transformation radikal-realistischer.

    Das Wortspiel „(Wo)man to the earth“ statt „Man to the moon“ erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschluss von den Medien wahrgenommen wird. Der Satz bezieht sich auf den Ansatz der neuen “Apollo Alliance” in den USA, die sich an der Idee des Apollo-Projekts zur Mondlandung orientieren (http://www.apolloalliance.org/about_the_alliance/) und die Botschaft aus der Kongressrede John F. Kennedys vom 25. Mai 1961 auf das viel größere Projekt einer Klimaschutzpolitik übertragen:

    „Ich glaube, dass dieses Land sich dem Ziel widmen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurück zu bringen. Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken, oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein.“

    (zitiert nach http://de.wikipedia.org/wiki/Apollo-Programm)

    Ansonsten versteht der Änderungsantrag sich als Präambel zum eigentlichen Antrag. Er orientiert sich an der Botschaft, die von der Nobelpreisträgerkonferenz in Potsdam ausgegangen ist, in der es heißt:

    „Humanity is standing at a moment in history when a Great Transformation is needed to respond to the immense threat to the Earth.“

    (s. http://www.nobel-cause.de/)

    In der deutschen Zusammenfassung des Memorandums heißt es:

    „Die Menschheit steht an einem Punkt ihrer Geschichte, an dem einer großen Bedrohung nur mit einer Großen Transformation begegnet werden kann. Die vom Menschen durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursachte globale Erwärmung ist nur die erste einer Reihe zu erwartender Entwicklungs-, Sicherheits- und Umweltkrisen. Nobelpreisträger aller Kategorien, hochrangige Politiker und weltweit führende Experten fordern einen sofortigen Beginn dieser Transformation. Durch umfassende Maßnahmen muss wirtschaftliches Wachstum an die ökologischen Kapazitäten des Erdsystems angepasst werden, so dass menschliches Gemeinwohl gesichert wird. Während die wohlhabenden Länder ihren Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduzieren müssen, muss das Recht auf Entwicklung der ärmeren Länder, in denen der größte Teil der Weltbevölkerung lebt, Berücksichtigung finden. Dazu müssen alle Menschen gleichermaßen mit Energie versorgt werden – bezahlbar, nachhaltig und zuverlässig.

    Diese Große Transformation können Wissenschaft und Gesellschaft nur gemeinsam verwirklichen. Der Erfindungsgeist der Menschheit muss dazu gebündelt und alle Möglichkeiten zur Zusammenarbeit müssen dazu genutzt werden. Die wissenschaftliche Gemeinschaft muss mit den Führungskräften, Institutionen und Bewegungen, die die Welt-Gesellschaft repräsentieren, ein strategisches Bündnis eingehen. Zentraler Bestandteil dieses Bündnisses ist ein multinationales Innovations-Programm, beispielsweise von der Dimension eines globalen Apollo-Programms, das die Versorgung der Grundbedürfnisse der Menschheit sichert. Zudem müssen die fortbestehenden Bildungsgrenzen weltweit abgebaut und eine globale Initiative zur Stärkung der Nachhaltigkeitsforschung gestartet werden. Es gilt die klügsten jungen Menschen dafür zu gewinnen, das Wissensfundament für das Wohlergehen zukünftiger Generationen zu legen.“

  3. Horst Schiermeyer

    Tja, war wohl nix mit „Anstoß einer Debatte“. Außer mir hat weder hier noch auf den Listen der grünen Linken und der grünen BAG Energie jemand inhaltlich auf die Frage nach einem „war on global warming“ reagiert. Warum sollten wir auch etwas anderes als unser „Business as usal“ machen?
    Na ja, vielleicht wird’s ja auch nicht so schlimm mit den Folgen des Klimawandels, insbesondere für uns in Mitteleuropa. Und mit „Katastrophen“ wie dem Elbhochwasser oder der Dürre 2003 werden wir ja anscheinend ganz gut fertig (vorausgesetzt, man ist nicht alt und schwach).
    Die in Birma haben halt Pech: Leben in der falschen Weltgegend und unter dem falschen System …

  4. Bleibt im Lande!

    Es muss doch nicht immer URWALD sein! Lasst uns doch zunächst hier zuhause was TUN: Jeder, wie er/sie kann und mag….

    Die Aktion:

    Viele KLEINE schaffen GROSSES!

    oder : Aktion Eichhörnchen – Kinder machen Wald

    Hört sich zunächst vielleicht merkwürdig an, ist aber der HIT.

    Bitte kein Vorurteil, sondern weiterlesen und dann……

    Zur Sache:

    Die Aktion wurde entwickelt, um quasi mit einer Klappe sehr viele Fliegen zu schlagen. Es ging darum, 1.) im Rahmen einer Waldpädagogik-Aktion Kinder für die Umwelt, hier : den Wald zu interessieren. Und 2.) über die Kinder die Erwachsenen. Weiter sollten 3) in Nadelholzäcker Laubbäume GESÄT werden. Und das in einer Anzahl, die Erfolg garantiert. Die gesäten Bäume sollten 4.) aus heimischer Saat entstehen. Keine Rumänienimporte aus Baumschrott. Durch die Saat sollte der Wald 5.) in multifunktionalen, gesunden Laubmischwirtschaftswald mit nachhaltigen Funktionen umgewandelt werden. Und nicht zuletzt sollte 6.) Umweltbewusstsein und -verantwortung bei allen Teilnehmern geweckt werden. Ganz nebenbei entstand natürlich 7.) eine durchaus relevante Co²-Bindung in volkswirtschaftlich bedeutsamer Dimension.

    Alles das hat so funktioniert.

    Das Bundesumweltministerium hat deswegen seinerzeit die Aktion im Rahmen von „Biologische-Vielfalt“ ausgezeichnet. Die Schulen und der Wald waren begeistert. Die Kinder haben eine Beziehung zu „ihrem“ Wald entwickelt und beobachten noch heute dessen Entwicklung aufmerksam.

    In einem Landkreis hat damals eine ganze Grundschulgeneration (rd. 10.000 Kinder) einen Bezug zum Wald entwickelt. Daraus kann man die Hoffnung ableiten, dass diese Kinder, sind sie einmal erwachsen, in ihren Gesellschaftspositionen etwas besser handeln, als ihre Eltern es taten.

    Allein diese Hoffnung reizt, die Aktion zu wiederholen.

    Nachdem also nicht nur diverse Waldfreunde um eine „Anleitung“ für die Aktion wegen einer Durchführung in der jeweiligen Region erbeten haben, jetzt diese hier für alle:

    Grunddaten und Perspektive :
    In Deutschland gibt es rd. 11 Mio ha Wald. Davon sind rd. 3 Millionen ha sogenannte „Nadelholzäcker“. Unterstellt man, dass es möglich sein müsste, in jedem Wald nur 10% der Fläche mit „Aktion Eichhörnchen“ umzuwandeln, hieße das, dass 300.000 ha Wald mit Hilfe von unseren Kindern zu Super- CO2 –Speichern werden könnten.
    Hochgerechnet ergäbe das eine zusätzliche CO2 – Bindung von ca. 500.000 to im Wert von über 400 Millionen Euro.
    Und dies quasi zum NULLTARIF mit endlosen positiven Nebenwirkungen.
    Würde man dann noch, wie hier praktiziert und aufgrund des Waldzustandes möglich und nötig, alle zwei Jahre die Aktion wiederholen, wären in nur 20 Jahren 100% der Holzäcker WALD und damit 5 Millionen to CO2 zusätzlich gebunden und ein volkswirtschaftlicher Effekt, allein CO2 –bezogen, von mindestens Euro 4 MRD. erzielt.
    Ganz nebenbei wären noch die Wirkungen auf eingangs genannte Bereiche zu erwähnen.

    Man stelle sich nur mal vor ……
    und gehe bei Interesse auf: http://mitglied.lycos.de/Waldsaat/navi.html

    Kurzanleitung für Interessierte

    1.)
    Du wendest Dich an das Schulamt für Grundschulen. Stellst dort die Aktion anhand der Unterlagen vor. Man wird i.d.R. mit fliegenden Fahnen „HURRA“-Schreien, denn man hat einen super „Wandertag“ ohne Arbeit = Lehrerfreizeit.
    2.)
    Du gehst zum zuständigen Forstamt, Forstverwaltung oder dergl., ausgerüstet wie oben und erreichst dasselbe. Die mögen Dir nun Flächen geben, auf denen man Eicheln oder Bucheckern (nichts anderes) sammeln darf. Und weiterhin mögen Sie Dir Flächen geben, auf denen altes Nadelholz steht, dass „unterbaut“ werden soll. D.h.: Nadelholzäcker à la Horst Stern sollen Mischwald werden. Diese Flächen gibt es in Massen.
    3.)
    Du suchst Dir einen Sponsor = das Busunternehmen, dass sowieso die Kinder zur Schule fährt, damit die Kinder in den Wald kommen.
    4.)
    Du bittest die Forstleute für ein wenig „Beiprogramm“ =Lagerfeuer zu sorgen.
    5.)
    Du bittest einen Sponsor =Bauer, der Dir pro Kind eine große Kartoffel schenkt für das Kartoffelrösten am Lagerfeuer. Oder denkst Dir sonstwas nettes aus (Stockbrot, Würtstchen, etc.)
    6.)
    Du bittest eine Milch/Sahne/Sonstwas- Firma, Dir einige hunderte 5L-Eimerchen zu schenken. (Darin sollen die Kinder die Baumsamen sammeln)
    7.)
    Du findest den Sponsor, der Dir 200-300 kleine Gartenschaufelchen zum Eingraben der Samen schenkt.
    8.)
    Dann manchst Du einen Zeitplan, koordinierst alles und LOS geht’s.

    Natürlich hast Du Presse, Radio, Fernsehreporter en masse dabei…

    1.) bis 8.) hören sich gewaltig schwierig und aufwendig an. Ist aber NICHT so. Geht eigentlich fast von alleine.

    Der Wald wird Baumsamen haben, dass ist jetzt schon sicher. Die Schulen haben garantiert auch noch Luft im Herbst. Fange also noch vor den Sommerferien die Orga an und gehe davon aus, dass die Aktion von Mitte Oktober bis Anfang Dezember laufen könnte. Aber bitte : Nimm nie mehr als 200 Kinder pro Tag in den Wald. Es sei denn : Du hast mindestens 3 Helfer.

    Ablaufreihenfolge:
    1.) eigene Information auf http://mitglied.lycos.de/Waldsaat/navi.html
    2.) Schulamt gewinnen, Teilnehmerzahl ermitteln
    3.) Wald informieren
    4.) Sponsoren sichern
    5.) Helfer organisieren
    6.) Ablaufplan der Aktion erstellen
    7.) Medien informieren
    8.) Dokumentation
    9.) Freuen

    Und : LOS!

    noch Fragen??? mail an weide05@t-online.de genügt.

  5. Heinrich Triebstein

    Als Organisator der Arbeitsgruppe „Projekt Eine andere Welt – wie denn? / Ein anderes Kassel – wie denn?“ habe ich das Ergebnis unseres Briefwechsels mit den vier Konzernen auf diese Formulierung gebracht: Die Konzerne handeln nach dem Grundsatz: „Erst wenn wir den letzten Tropfen Öl aus dem Schiefer gekratzt, das letzte Gramm Kohle verbrannt, die letzte Unze Uran in Plutonium verwandelt, den letzten Quadratmeter Regenwald in Anbaufläche für Soja und Ölpalmen umgewidmet haben, werden wir uns herbeilassen, über erneuerbare Energien ernsthaft nachzudenken.“
    Die Stromkampagne von Attac sucht nach einer Strategie und wird allein deshalb nicht fündig, weil sie sich nicht ernsthaft in Konflikt mit den Konzernen begibt, indem sie ihnen z.B. deren Hauptargument streitig macht, sie allein seien in der Lage, die Grundlast abzudecken. Die vorhandenen technischen Lösungen (z.B. Gregor Czischs Konzept) werden als „blauäugig“ abgetan oder mit dem GANZ GROßEN SCHWEIGEN bedacht. Und noch hilfloser: Die Schreiber dieser und ähnlicher Zeilen werden zu „Tastaturgelehrten“ ernannt.
    Adorno sagt: „Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, welchen Scharfsinn noch der Stumpfeste entwickelt, wenn es gilt, eine schlechte Sache zu verteidigen.“
    Ich füge hinzu: „Um wieviel scharfsinniger wird erst der Intelligente!“ Und ich sage außerdem: „Wie groß ist das Versäumnis des Intelligenten, wenn er nicht einmal eine interne Debatte führt?“
    Vielleicht ist alles aber noch viel einfacher und William Clintons Wort gilt auch für die Mehrheits-Attacies in der Stromkampagne: „It’s the economy, stupid.“ Es ist die ökonomische Interessenlage der Dezentralisten, die sich der Erkenntnis verschließen: Um die auf fossile und atomare Rohstoffe angewiesene Energieversorgung abzulösen, sind ALLE erneuerbaren Energiequellen erforderlich.
    Und ich sehe noch einen Grund dafür, dass es so schwierig ist, zu einer Strategie zu kommen: Wenn ich „konzernfrei“, „demokratisch“, „ökologisch“ und „sozial“ als meine zentralen Begriffe wähle und den Kampagnentitel in einer Fremdsprache abfasse, habe ich mich von vorherein als abgehoben oder als „player on the village green“ definiert. Wie will ich „DAS VOLK“ erreichen, wenn ich ihm mit „Power to the people“ komme? Die globalen Spieler können sich die Hände reiben und brauchen ihren edelsten Körperteil nicht einmal aus dem Sessel zu heben. Ich finde es schön, dass unser deutsches Wort „Spieler“ auch die zweite Bedeutung mitschwingen lässt, für die das Englische das Wort „gambler“ hat. Die Jungs verspielen die Zukunft dieses Planeten. Und diejenigen, die Gerhard Knies (TREC) „Dezentralisierungstheologen“ nennt, schauen ungerührt zu.

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