-80% bis 2020? « Klima der Gerechtigkeit

-80% bis 2020?

7. Juli 2008,

Aktuell wird auf dem G8-Gipfel in Tokayo noch um Formulierungen gerungen, die eine Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 vorsehen (das Basisjahr ist dabei hart umstritten). Lester Brown, der “große alte Mann” der amerikanischen Umweltbewegung und Begründer des Worldwatch Institute, hat am Vorabend des G8-Gipfels etwas Ambitionierteres vorgelegt: Um 80% bis 2020 will er die Emissionen kürzen mit seinem “Plan B”.

Mit ambitionierten Effizienzmaßnahmen will er das projizierte Emissionswachstum bis 2020 auf Null führen. Und den “Rest” will er wie folgt reduzieren:

Knapp die Hälfte der verbleibenden Emissionen soll im fossilen Sektor eingespart werden, durch Erneuerbare Energien und ein umstrukturiertes Transportsystem. Etwas mehr als die Hälfte im Bereich des organischen Kohlenstoffs, durch Beendigung der Entwaldung, Wiederaufforstung, und verstärkte Humusbildung in Böden.

Ist Lester Brown ernstzunehmen? Sein Ausgangspunkt ist nicht das, was man gemeinhin als politischen Realismus definiert, eng umgrenzt durch das, was man für politisch durchsetzbar hält. Sein Ausgangspunkt ist ein anderer Realismus:

When political leaders look at the need to cut carbon dioxide emissions to curb global warming, they ask the question: How much of a cut is politically feasible? At the Earth Policy Institute we ask a different question: How much of a cut is necessary to avoid the most dangerous effects of climate change?

Die politische Denkfigur mit der dies bewerkstelligt werden soll, ist die “wartime mobilization“. Eine große Mobilisierung unserer Kräfte wie zu Kriegszeiten. In großer Gefahr werden dann Leistungen möglich, die normalerweise undenkbar sind.

Lester Browns Realismus strapaziert unsere Imagination. Aber der bisherige politische Realismus droht in die Klimakatastrophe zu führen. Zeit für einen neuen Realismus in der Ökologiepolitik?

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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