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Riskante Hoffnungen

Environmental Capital, der Blog des Wallstreet Journal, sieht „Clean Coal“ aka CO2-Abtrennung und -Speicherung (CCS) als den großen Gewinner des G8-Gipfels. Während die erneuerbaren Energien und Atomenergie nur unverbindliche freundliche Worte bekommen hätten, sei die Erklärung zu CCS sehr spezifisch.

Ein Lotteriespiel („gamble“), meint Environmental Capital. Denn die technischen und ökonomischen Hindernisse seien noch enorm bevor CCS funktionieren werde. Auch in der Industrie gebe es viele skeptische Stimmen. Der Fortschritt bei der technologischen Entwicklung sei langsamer als erhofft. Und die Technologie bleibe absehbar teuer.

Die Umweltschützer sind gespalten. Während Greenpeace CCS in einem großen Report als „falsche Hoffnung“ bezeichnet, spricht sich der WWF zumindest für die rasche Prüfung der technischen Machbarkeit aus. Und besonders in Australien und den USA sind viele Umweltschützer überzeugt, dass nur CCS kohlereiche Länder davon abhalten wird, den ganzen Kohlenstoff ihres Kohlevorräte als CO2 in die Atmosphäre zu jagen.

Wie immer man diese Einschätzung teilt: Es bleibt ein riskantes Spiel. Denn während die Erneuerbaren Energien erprobt sind und enorm hohe Wachstumsraten aufweisen, wäre es vermessen die Zukunft des Klimaschutzes auf unerprobte Technologien zu setzen. (Weiterlesen zu CCS auf den Seiten des Wuppertal-Instituts).

Gleiches gilt übrigens auch für die vom Spiegel und anderen so eifrig herbeigeschriebene „nukleare Renaissance“. Die Atomindustrie ist nicht in der Lage, all die Reaktoren zu bauen die sie nun weltweit anpreist. Die Engpässe sind erheblich, sowohl an qualifiziertem Personal, als auch in technischer Hinsicht (siehe dazu den Nuclear Industry Status Report und diese Meldung von Bloomberg).

Die nukleare Lobby ist durchaus effektiv (siehe hierzu ein lesenswerter Bericht über die Situation in den USA). Doch sie schafft damit nicht nur nukleare Risiken (mehr hier und hier), sondern auch Klimarisiken: Wer Atomenergie als Lösung für den Klimawandel anpreist, dann aber nicht liefern kann, verschärft die Klimakrise.

Weiterlesen: Schluss mit der Atomlüge

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