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Ein Supernetz für Europa

Unsere Kanzlerin pusht es, Nicolas Sarkozy scheint die Idee zu unterstützen, und auch Gordon Brown mag es: Ein „Supernetz“ soll Europa und Nordafrika mittels Hochspannungs-Gleichstromleitungen verbinden und die fluktuierenden Quellen Erneuerbarer Energien so zu einem verlässlichen, CO2-freien Strom bündeln. Wind von der Atlantikküste, Wasserkraft aus Skandinavien, Solarstrom aus der Sahara, all das soll zusammenkommen. Dank großer technologischer Fortschritte kann mit Hochspannungs-Gleichstromübertragung Strom über große Entfernungen mit minimalen Verlusten übertragen werden.

Als erste warb die irische Windenergiefirma „Airtricity“ mit der Schweizer ABB im Jahr 2006 für die Idee eines „Supergrids“, das Offshore-Windprojekte in Nordeuropa verbindet. Der Club of Rome Deutschland brachte diese Idee mit den solaren Potentialen Nordafrikas zum TREC/DESERTEC Projekt zusammen, der Vision der europaweiten Vernetzung erneuerbarer Energien (Abb. rechts).

Das am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung angesiedelte European Climate Forum hat die Idee des auf Hochspannungsgleichstromübertragung basierenden Supergrid mit der des „Smart Grid“, des Intelligenten Netzes das virtuelle Kraftwerke verknüpft, verbunden zum „Supersmartgrid„. Eine Autorengruppe aus PIK und European Climate Forum hat in einer Studie die Idee ausgeführt. Die Investitionen für solch ein Netz sollen sich auf 45 Mrd. EUR belaufen.

Und dann kam Sarkozy mit seiner Idee der „Mittelmeerunion“. Und da die große Union noch nach einem vernünftigen Inhalt suchte, und die Idee von Atomkraftwerken für Lybien im Rest der EU nicht durchgängig auf Begeisterung stiess, öffnete sich plötzlich die Tür für den „Plan Solaire“, den Solarplan für das Mittelmeer. Merkel scheint die Idee auf die Tagesordnung des Gipfels gesetzt zu haben und stiess dort sowohl bei Gastgeber Sarkozy als auch bei seinem britischen Pendant Brown auf Wohlgefallen.

Der britische Guardian widmet der Idee einen ganzseitigen Artikel in seiner Ausgabe vom 23. Juli, der selbst im fernen nukleartrunkenen Iran die Tehran Times zu einer Reproduktion auf ihrer Website bringt. Wer weiss, vielleicht kann man Ahmedinedschad irgendwann einmal erklären, dass das eine sehr viel entspanntere und intelligentere Weise ist Strom zu erzeugen, als verkrampft zu versuchen Atome zu spalten?

Das politische Konzept zum Supersmartgrid für Europa veröffentlichten Wochen zuvor die frühere EU-Kommissarin Michaele Schreyer und der Berliner Politikwissenschaftler Lutz Mez: ERENE – die europäische Gemeinschaft für Erneuerbare Energien. Ob Sarkozy, Merkel und Brown sich dieses Papier auch zu Herzen nehmen?

Die Zeit scheint reif für große Ideen. Ob sie jedoch zur Blaupause für tatkräftige Umsetzung werden, oder nur als Nebelwerfer missbraucht werden, ist noch nicht ausgemacht. In der gleichen Ausgabe des Guardian vom 23. Juli wurde berichtet, dass die britische Regierung in Brüssel den Vorrang erneuerbarer Energien bei der Einspeisung ins Netz unterminiert.

Ob Gordon Brown diese Taktik bei seiner deutschen Kollegin erlernt hat? Als Tiger springen, um dann als Bettvorleger zu landen? Ganz nach dem Motto: Auf Gipfeln die Klimakanzlerin geben, aber wenn es drauf ankommt dann zur „Kanzlerin der deutschen Industrie“ mutieren?

Foto: von Lutz-R. Frank auf flickr.

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