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Wo bleiben die Gentlemen?

10. Oktober 2008, von Lili Fuhr

Das unabhängige Kommittee, das eingesetzt wurde, um die britische Regierung in Sachen Klimapolitik zu beraten, hat nun eine Art Interimsreport abgegeben. Der Rat an den Umweltminister, Hillary Benn: Großbritannien sollte seine Emissionen bis 2050 um mindestens 80 % gegenüber 1990 reduzieren. Dieses Ziel sollte sich auf alle Sektoren erstrecken, inklusive den internationalen Luft- und Schiffverkehr. Die Kosten dafür werden auf 1 bis 2 % des britischen GDP geschätzt.

Interessant ist die Argumentation: Dies entspräche einem angemessenen Beitrag des Landes zum weltweiten Klimaschutz. Die Herleitung der Ziele ist dann ganz logisch. Folgende Überlegung hätten sie angestellt, so der Report: Erst ein globales Ziel festlegen, das dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht (Welches Maß an Erwärmung wollen wir vermeiden? Welche Emissionspfade halten uns darunter?), dann das angemessene britische Ziel festlegen.

Aber jetzt kommt der Clou: Was ist angemessen (“appropiate”)? In den Augen des Kommittees bedeutet das, dass Industrieländer in 2050 auf keinen Fall mehr pro Kopf emittieren dürfen als global verträglich ist (etwas über 2 Tonnen CO2 pro Jahr und Kopf). Ob andere das wohl ähnlich sehen? Was ist mit den historisch akkumulierten Emissionen? Sollen die einfach vergessen werden?

Das Englische Wort “appropiate” kann im Deutschen von harmonisch über passend bis vorteilhaft so ziemlich alles heißen. Ach, wären doch die Briten in der Klimapolitik wahre Gentlemen und würden sich ihrer wirklichen Verantwortung stellen! Dann würden sie die anderen Memmen von Europäern spielend ausstechen…

Foto: flickr.com von AndyWilson

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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