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Economist: "Clean coal" eine Illusion

Das einflussreiche britische Magazin „The Economist“ hat in einem Leitartikel „Clean coal“ aka CCS (Carbon capture and storage) als Illusion bezeichnet. Hier ein Auszug:

(…) CCS is proving easier to talk up than to get going (see article). There are no big power plants using it, just a handful of small demonstration projects. Utilities refuse to make bigger investments because power plants with CCS would be much more expensive to build and run than the ordinary sort. They seem more inclined to invest in other low-carbon power sources, such as nuclear, solar and wind. Inventors and venture capitalists, in the meantime, are striving to create all manner of new technologies-bugs for biofuels, revolutionary solar panels, smart-grid applications-but it is hard to find anyone working on CCS in their garage (…). Several green pressure groups, and even some energy and power company bosses, think that the whole idea is unworkable.

With the private sector sitting on its hands, Western governments are lavishing subsidies on CCS. Some $3.4 billion earmarked for CCS found its way into America’s stimulus bill. The European Union, which already restricts greenhouse-gas emissions through a cap-and-trade scheme, unveiled further incentives for CCS last year. Britain, Australia and others have also vowed to help fund demonstration plants partly because they reckon the private sector is put off by the huge price-tag on a single CCS power plant, and also in the belief that the cost of CCS will fall with experience.
Burning cash

The private sector, however, is reluctant to fork out not just because of the upfront cost of power plants, but also because, tonne for tonne, CCS looks like an expensive way of cutting carbon. The cost of it may fall, but probably not by much, given the familiarity of the technologies it uses.

Mehr zur CCS Debatte u.a. bei Climate Progress.

Weil CCS sicher ein teurer Spass ist, scheint es mir sinnvoller, knappe oeffentliche Mittel in ein europaweites Hochspannungsnetz zu stecken (Super Smart Grid), um erneuerbare Energien im grossen Stil ins Netz einzuspeisen. Doch ausschliessen will ich es nicht, dass wir CCS als eine Option einmal brauchen werden.

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Diskussion

  1. Hallo Jörg,

    ich komm mal wieder mit ‚dezentral‘. Habe ich schon auf diese Unternehmensgrün-Potentialabschätzung für eine 100% erneuerbare Energieversorgung in der Region Rhein Main hingewiesen? http://unternehmensgruen.de/pdf/Potentialabschaetzung.pdf
    (Hier ist Wasserkraft noch bewusst ausser acht gelassen. Auch peinlich, dass Wasserkraft in Deutschland weniger diskutiert wird als Atom oder CCS…)

    Ansonsten bin ich gespannt, wieso Du zu der Meinung kommst, dass wir vielleicht ‚CCS einmal brauchen werden‘?

    Wie gefällt die neue Stelle?

    Schönen Gruß,
    Johan Steunenberg

  2. Johan,
    dass „wir“ vielleicht CCS brauchen war jetzt eher weltweit gemeint, und es ist nicht falsch wenn Europa hier bei der Entwicklung etwas Geld in die Hand nimmt.

    M.E. brauchen wir in Europa nicht nur dezentrale Loesungen, sondern auch die grossrauemige Vernetzung. Nur so koennen wir die Kohle aus der Grundlast verdraengen.

  3. Da liegst du, Jörg, ja ganz auf der Linie des neuen BT-Wahl-Programmentwurfs der Grünen: „Moratorium für den Bau neuer Kohlekraftwerke, solange die Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung nicht erprobt, langfristig sicher und ökonomisch einsetzbar ist.“ Wir wollen uns ja keine Tür verbauen.
    Persönlich halte ich die Tür zu CCS aber sehr wohl für geeignet sie zuzubauen – zumindest in Europa. Ich weiß, dass vielen das Wort „Notlösung“ im Kopf schwebt. Nur soviel: CCS benötigt Unsummen an Geldern, es dauert noch 15 Jahre bis die Technik (vielleicht) reif genug ist und selbst dann benötigt der Bau eines Kohlekraftwerkes noch einige Jahre – und dann steht das Teil da erstmal 40 Jahre und pustet ja immer noch Dreck in die Luft. und…und…und…

    CCS ist für mich nix anderes als der letzte Strohhalm der Energieriesen ihr zentrales System mit fetten Gewinnen zu retten. Ich will CCS in Einzelfällen („im Notfall“) in den BRIC-Staaten nicht ausschließen, aber in Europa (v.a. in Deutl.) muss die Technik gestoppt werden. Und das Argument, dann machen deutsche Unternehmen halt in China Gewinne mit CCS interessiert mich nicht und das Klima noch viel weniger… Das Problem sind doch nur teilweise die Emissionen in die Atmosphäre – viel grundlegender ist doch der Fakt, dass Kohle und Gas aus dem Boden geholt werden. Das muss gestoppt werden – jetzt.

    Beste Grüße,
    🙂 Georg

  4. Hallo Georg, hallo Jörg,

    CCS ist als Einzellösung nicht vorstellbar. Die Investitionen in neuen Technologien müssen auch amortisiert werden. Und ich gehe nicht davon aus, dass CCS eine Lösung für die Welt ist. Das Bergrecht wird geändert, leckende CO2-Speicher sind kein Problem (und damit weitaus gewinnbringender zu betreiben als nicht-leckende!) und damit ist CCS nur noch eine Lösung für Kraftwerksbetreiber.

    Ich weiss immer noch nicht, Jörg, wieso die Grünen an dem Supergrid festhalten. Ein Supergrid ist an sich schon ein Energieverschwender, so wie das heutige UCTE-Netz das auch schon ist. Ich finde Eurosolar da überzeugender als die Grünen. (Irgendwie wollt ihr die Kohle doch nicht richtig los lassen. Angs für ein neues 5DM-Desaster?)

    Vielleicht sollten wir auch mal schauen, was der Preis für unsere Versorgungssicherheit ist. Wenn wir den Preis explizit machen, vielleicht wollen wir sie gar nicht zahlen. Und hier meine ich sowohl den Euro- als auch den Umweltpreis.

    Schönen Gruß,
    Johan

  5. Hallo Allerseits,

    CCS könnte eine Option im Zusammenhang mit der Verbrennung von Biomasses in Kraftwerken sein.

    Auf diese Weise wird der Atmosphäre wieder Kohlendioxid entzogen, was dann gelagert werden könnte.

    Vielleicht brauchen wir diese Option mal, deshalb wäre ich auf jeden Fall dafür CCS weiterzuentwickeln, auch wenn ich dagegen bin, damit KoKW zu rechtfertigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Udo Schuldt

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