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Kohle ohne CCS: Ende einer Ära im UK

Wo vor etwas mehr als 200 Jahren die industrielle Revolution auf der Basis von Kohleverbrennung ihren Anfang nahm, in Grossbrittanien, wurde nun das Ende der „ungeschützten“ Kohlenutzung in Kraftwerken eingeläutet.

Der Minister für Energie und Klimaschutz (ja, das gibt es im UK!) Ed Miliband erklärte in einer Presseerklärung:

* No new coal without CCS demonstration from day one. Alongside the Government’s ongoing competition to build a post-combustion demonstrator, up to three further projects including pre-combustion technology, will be funded by a new levy mechanism.
* Full scale retrofit of CCS within five years of the technology being independently judged as technically and commercially proven. We envisage an important role for the Environment Agency in making an independent judgement of when the standard is met.

The Government will also seek views on whether it is possible to implement these conditions through an emissions performance standard.

Ein Artikel im Guardian erklärt die neue Politik weiter:

No new coal-fired power stations will be built in Britain from now on unless they capture and bury at least 25% of greenhouse gases immediately and 100% by 2025, the climate change secretary, Ed Miliband, announced today.

In a reversal of energy policy which represents a major victory for the new Department for Energy and Climate Change and green pressure groups, the government will direct the building of four energy „clusters“, generating a total of 2.5GW of electricity, on the east coast of Britain.

Each cluster will have at least one major new coal-fired power station able to collect carbon emissions and transport them out to sea, where they will be buried in redundant oil or gas fields.

The new power stations, the first to be built in over 30 years, are not expected to come onstream until 2015. They will be sited in the Thames Gateway, on the rivers Humber and Tees and in the Firth of Forth in Scotland, with a possible fifth on Merseyside. The government envisages oil and coal companies linking to reduce emissions from coal-powered electricity generation by up to 60% by 2025.

Zusammengefasst: In 4 Komplexen werden neue Kohlekraftwerke gebaut, aber sie müssen am 1. Tag mindestens 25%, und binnen weniger Jahre 100% ihrer CO2-Emissionen abtrennen und in geologischen Lagerstätten unter der Nordsee speichern. Das wird möglicherweise mit einem Grenzwert erzwungen, der die erlaubten CO2-Emissionen pro erzeugte kWh festlegt

Selbst Greenpeace UK begrüsst, wenn auch vorsichtig, die politische Wende der britischen Regierung:

It’s certainly far from everything we’ve been asking for, but when Ed Miliband announced his new consultation on coal policy in the House of Commons this lunchtime it was clear that something had changed. For starters, E.ON isn’t to get their way over Kingsnorth, at least not with their current plan.

Showing admirable signs of climate leadership in the face of resistance from Whitehall officials and his cabinet colleagues, the Energy and Climate Change secretary told MPs that no new coal-fired power stations would be built in Britain unless equipped with at least some carbon capture and storage (CCS) technology. In a key departure from previous policy, he said that from now on power companies planning to build new coal plants will be required to fit full CCS by 2025 at the latest, provided that the Environment Agency is convinced that the technology works.

Kingsnorth: Dieses massive E.ON-Projekt sollte den Beginn einer ganzen Serie von neuen Kohlekraftwerken in Großbrittanien markieren. Der massive Protest einer breiten Koalition hat den politischen Preis für die Regierung so hochgetrieben, dass Ed Miliband kaum eine andere Wahl blieb.

Diese Politik vermindert aber auch die Gefahr eines massives „Revival“ der Atomenergie in Großbrittannien. Denn als Ergebnis einer Mischung aus verfehlter Förderpolitik und massiven lokalen Widerständen von „Landschaftsschützern“ ist die Windenergie im UK bisher nicht wirklich in großem Stil in die Gänge gekommen. Die Sonnenenergie ist im wolkigen UK noch auf längere Sicht keine wirtschaftlich attraktive Option, Gas wird knapp, Biomasse ist begrenzt, und die Meeresenergie steht noch ganz am Anfang. Mit der absehbaren Abschaltung von zahlreichen in den 50er und 60er Jahren gebauten Atom- und Kohlekraftwerken tat sich im UK tatsächlich die Wahl zwischen Atom und Kohle, zwischen massiver Klimazerstörung und radioaktiven Risiken, auf.

Glückwunsch an die britische Klimabewegung – ein großer Erfolg!

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Diskussion

  1. Die Entwicklung in GB ist sicher ein Fortschritt, treibt es doch die Kosten der KoKW in die Höhe und macht sie damit zunehmend unwirtschaftlich. Da die erneuerbaren in Kürze nicht mehr auf Förderung angewiesen sein werden ergibt sich wahrscheinlich ein ökonomischer Vorteil. Damit bekommen sie auch bei den Briten größere Chancen. Das gilt auch für die Solarenergie die gerade in den letzten Monaten erheblich günstiger geworden ist. Somit könnte sie auch im wenig sonnenverwöhnten GB interessant werden.

    Denn ob sich die CCS-Option wirklich so umsetzen lässt wie die Regierenden auf der Insel sich das vorstellen wage ich zu bezweifeln. In Deutschland regt sich nämlich auch bereits der Widerstand gegen die CO2-Leitungen quer durch das Land. Mit einiger Berechtigung angesichts der unkalkulierbaren Risiken. Vermutlich reagieren die britischen Bürger nicht anders als die in D.

    Schaun wir mal.

    Mit freundlichen Grüßen

    Udo Schuldt

  2. Die Situation im UK ist insofern anders, da sie dort die alten Öl- und Gasfelder in der Nordsee zur Speicherung verwenden können. Die Kraftwerkscluster werden dann an der Küste platziert, so dass relativ wenig CO2-Pipeline über Land führt.

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