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Archiv: Mai 2009

Kleine Welt – wo steht das BMU?

29. Mai 2009, von Lili Fuhr, Kommentare (0)

Anfang der Woche haben sich die Mitgliedsstaaten des Major Economies Forum (MEF) zu einem zweiten Vorbereitungstreffen für ihren im Juli in Italien geplanten Gipfel in Paris getroffen. Wenn ich mir nun die Pressemitteilung aus dem BMU anschaue, dann frage ich mich, ob ich da irgendwas übersehen habe. In was für einer Welt lebt unser Umweltminister? Ich zitiere aus der Mitteilung:

“Leider sind die Europäische Union und Deutschland immer noch allein auf weiter Flur im internationalen Klimaschutz.” Das ist das Resümee von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nach Abschluss des zweitätigen internationalen Treffens zu Klimaschutz in Paris. Unter dem Namen “Major Economies Forum” (MEF) hatte US-Präsident Barack Obama nach einem ersten Treffen Ende April zum zweiten Mal die 16 Industrie- und Schwellenländer mit den stärksten Volkswirtschaften und den höchsten Treibhausgasemissionen eingeladen.

Wenn sich die EU und Deutschland allein auf weiter Flur (bzw. “auf weiten Verhandkungsfluren…”) fühlen, dann liegt das daran, dass sich einige Schwellen- und Entwicklungsländer inzwischen an der klimapolitischen Front befinden und die ehemalige Vorreiterin EU abgehängt haben. Wenn diese aber nur nach hinten statt nach vorne schaut, sieht sie natürlich nur die anderen, die noch weiter hinterherhinken… (weiterlesen…)

Japan hilft pazifischen Inselstaaten bei Klimaschutz und Anpassung – warum?

26. Mai 2009, von Lili Fuhr, Comments (2)

Eine Schlagzeile hat mich in den letzten Tagen aufhorchen lassen: Japan hat am Samstag beim fünften Treffen der Pacific Leaders einer Gruppe von 14 kleinen pazifischen Inselstaaten 528 Millionen US-Dollar als Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel und bei der Anpassung zugesagt. Das sind zwar im Vergleich zu den Milliarden der Konjunkturpakete Peanuts, aber es ist dennoch eine ganze Stange Geld von einem reichen Land an eine Handvoll auf den ersten Blick politisch unwichtiger Staaten. Aber halt…

Erstens: Ist Japan nicht das Land, dessen Chefunterhändler sich beim Klimagipfel in Posen im Dezember 2008 öffentlich rühmte, auch bereit zu sein, nur noch viermal täglich zu duschen, um das Klima zu schützen? Und ist es nicht auch das Land, das sich bisher mit eigenen Emissionsreduktionspflichten vornehm zurückhält und die UN-Verhandlungen taktisch blockiert? Welches Interesse hat Japan plötzlich daran, den armen Inselstaaten zu helfen? (weiterlesen…)

Ameisen als Klimaretter

25. Mai 2009, von Lili Fuhr, Kommentare (0)

Jetzt weiß ich endlich, warum ich diese putzigen kleinen Tiere schon immer gemocht und als Kind trotz Protest meiner Eltern auf der Terrasse (Nähe Küche!) mit Brotkrümeln gefüttert habe: Die Biomasse aller Ameisen auf der Welt ist um ein Vielfaches höher als die Biomasse der Menschen; sie verbrauchen in etwa so viele Kalorien wie 30 Milliarden Menschen. Im Unterschied zum Menschen aber produzieren sie keinen Abfall. Alles, was sie ausscheiden, ist für andere wiederum nützlich und kann wiederverwertet werden. Und sie selber leben auch von den Ausscheidungen anderer Lebewesen. Ein Kreislauf. Keine Klimakrise, kein Umweltkollaps. Echte Nachhaltigkeit eben. (Gelernt aus: Michael Braungart, “Das Kirschbaumprinzip” in der Sonderausgabe von National Geographic “Energie – Wege in die Zukunft“)

ant-portraitAnt Portrait von binux (Quelle: www.flickr.com. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.)

Endspurt für Kopenhagen beginnt

20. Mai 2009, Comments (5)

In der vergangenen Nacht ist nun der Verhandlungstext für das Kopenhagen-Abkommen auf die Website des Klimasekretariats gestellt worden.

Genauer gesagt sind es zwei Texte:

Der Verhandlungstext über die Ergänzungen zum Kyoto-Protokoll.

Der Verhandlungstext der “Arbeitsgruppe über langfristige Zusammenarbeit” im Rahmen des Klimarahmenkonvention.

Das ist nun ziemlich “technisch” und für den Laien kaum zu durchdringen. Ich kann aus Zeitmangel kurzfristig keine Interpretation leisten und muss es hier beim Hinweis belassen. Wer sich selbst dranwagen will, sollte ggf. die Hintergrundpapiere von Germanwatch vorab dazu lesen.

Damit ist nun das Endspiel um ein Kopenhagen-Abkommen eröffnet. Die Verhandlungstexte zeigen aber auch, wie weit die Positionen noch auseinanderliegen. Es muss ein Langstrecken-Spurt werden, damit Kopenhagen ein gutes Ergebniss liefert. Ab dem 1. Juni beginnt in Bonn die nächste Verhandlungsrunde.

Easyjet – Alles Easy mit dem Klimaschutz?

19. Mai 2009, von Lili Fuhr, Comments (2)

Easyjet

“Did you know you’re taxed 5 times more for the CO2 that your flight emits when you fly short haul from London to Malaga than a long haul flight from London to Melbourne?” Easyjet

Ja, ich bin auch mit dem Billigflieger quer durch Europa geflogen, habe brav meinen CO2-Ablass gezahlt und trotzdem ein schlechtes Gewissen. Zu Recht, denn Fliegen erhöht die persönliche CO2-Bilanz dermaßen, dass man von global nachhaltigen 2 Tonnen pro Person und Jahr nur noch träumen kann.

Nun habe ich also selber massiv zum Klimawandel beigetragen und kein Recht, mich über die Billigflieger aufzuregen. Und trotzdem tue ich das. Anlass ist eine Werbekampagne von Easyjet, die die Billig-Vielfliegenden von der Rückseite der Vordersitze aus zumüllt – so viel zum Thema Volksverdummung und Dreistigkeit…

Interessant ist hierbei, dass das Thema Klimaschutz inzwischen auch von Fluggesellschaften als so bedeutsam wahrgenommen wird, dass sie davon ausgehen, dass ihre Kunden gerne einen Beitrag leisten würden. (weiterlesen…)

Norwegen gibt Startschuss zur Öl-Ausbeutung in der Arktis

12. Mai 2009, von Lili Fuhr, Comments (3)

Homeless Santa

Homeless Santa by azrainman. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.
Quelle: www.flickr.com.

Ausgerechnet Norwegen hat Ende letzter Woche den Startschuss zur Ausbeutung der Ölvorkommen in der Arktis gegeben. Die taz berichtete gestern:

“Wie die Regierung am Freitag bekannt gab, erteilte sie dem italienischen Ölkonzern ENI und der norwegischen Statoil die Erlaubnis zur Aufnahme dieser Ölförderung. Gleichzeitig kündigte Norwegen die Freigabe der Ölsuche im Gebiet der zwischen Grönland und Norwegen liegenden Arktisinsel Jan Mayen an.”

Nicht nur Norwegen erhebt Ansprüche auf arktische Rohstoffvorkommen, auch andere Arktisanrainer wie Russland, Kanada und die USA machen Pläne, zögern jedoch noch bei der Umsetzung – nicht zuletzt da es massiven Widerstand von Umweltschützern, Forschungsinstituten und Fischern gibt. Jetzt prescht ausgerechnet Norwegen unter einer rot-rot-grünen Regierung vor. (weiterlesen…)

Lesetipp: Joschka Fischer über das Megaprojekt Klimawandel und schwarze Schwäne

12. Mai 2009, von Lili Fuhr, Comments (2)

Sehr lesenswert ist die Außenansicht von Ex-Außenminister Joschka Fischer in der Süddeutschen vom 11.5.09:

“Wer an einem See sitzt und das Wasser betrachtet, der rechnet womöglich mit vielem, aber sicher nicht mit dem Vorbeiziehen eines schwarzen Schwans. So verhält es sich auch mit der aktuellen Krise: Wenn der schwarze Schwan das Symbol für das völlig Unerwartete ist, für das Unmögliche, das aber dann doch eintrifft und das Weltbild oder gar die Welt auf den Kopf stellt – dann wird es in diesem Jahr reichlich Anlässe geben, schwarzer Schwäne zu gedenken und sich auf die Ankunft weiterer vorzubereiten.”

Solche schwarzen Schwäne waren für Fischer beispielsweise das Ende des Ostblocks und die aktuelle Weltwirtschaftskrise…

“Und während eine verstörte Welt noch versucht, die Konsequenzen dieses globalen Absturzes zu verstehen und dessen Folgen zu begrenzen, sind bereits die Schreie des nächsten schwarzen Schwanes zu vernehmen, der sich nähert – denn um nichts anderes handelt es sich bei der Weltklimakrise.” (weiterlesen…)

“Greenhouse Mafia” Down Under

7. Mai 2009, von Lili Fuhr, Comments (7)

Outback

Foto: flickr.com; 1982 - 126 Slide Scan von Rock Portrait Photography. Das Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Vom anderen Ende der Welt erreichen uns derzeit sehr gemischte Nachrichten.

Zunächst die Guten: Nachdem sich Australien kurz nach Abschluss des Klimagipfels in Poznan im Dezember 2008 mit einem peinlichen Reduktionsziel von 5 % bis 2020 vor der Weltgemeinschaft bloß gestellt hat, hat Premierminister Rudd nun im Falle eines internationalen Abkommens eine Erhöhung auf 25 % angekündigt.

Dann die Schlechten: Die nationale Menschenrechtskommission warnt in ihrem jährlichen Native Title Report, dass der Klimawandel für die Aborigines einen kulturellen Genozid bedeutet, da ihr Land unbewohnbar wird.

Und dann die sehr Schlechten: Premierminister Rudd scheint in Fragen nachhaltiger Energiepolitik in der Tat kaum besser zu sein als sein Vorgänger Howard… Australien – bereits jetzt der weltgrößte Kohleexporteur – will seine Exporte bis 2030 verdoppeln. (weiterlesen…)

Wieviel CO2 dürfen wir noch emittieren?

7. Mai 2009, von Lili Fuhr, Kommentare (0)

Letzte Woche erschienen in der Zeitschrift Nature zwei neue Artikel zu einer der wichtigsten klimapolitischen Fragen: Wieviel CO2-Emissionen darf es noch geben, damit wir die globale Erwärmung auf maximal 2 °C über vorindustriellem Niveau begrenzen können? Stefan Rahmstorf stellt die Studien und ihre Ergebnisse gut verständlich im Blog KlimaLounge vor:

Die eine Studie von Malte Meinshausen vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und anderen kommt zum Schluss:

“Wollen wir das Risiko, über die 2 Grad hinaus zu schießen, auf 25% begrenzen, können wir uns im Zeitraum 2000-2050 noch die Emission von 1000 Milliarden Tonnen CO2 erlauben (entsprechend rund 1500 Milliarden Tonnen an Treibhausgasen insgesamt, wenn man die anderen Treibhausgase als CO2-äquivalent ausdrückt). Klingt viel? Ein Drittel dieser Menge haben wir bereits von 2000-2008 emittiert. Bleiben die Emissionen ab jetzt konstant (bislang wachsen sie von Jahr zu Jahr) haben wir das restliche Kontingent schon in 20 Jahren verbraucht – doch es soll ja für über 40 Jahre reichen!” (weiterlesen…)

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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