“Greenhouse Mafia” Down Under « Klima der Gerechtigkeit

“Greenhouse Mafia” Down Under

7. Mai 2009, von Lili Fuhr

Outback

Foto: flickr.com; 1982 - 126 Slide Scan von Rock Portrait Photography. Das Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Vom anderen Ende der Welt erreichen uns derzeit sehr gemischte Nachrichten.

Zunächst die Guten: Nachdem sich Australien kurz nach Abschluss des Klimagipfels in Poznan im Dezember 2008 mit einem peinlichen Reduktionsziel von 5 % bis 2020 vor der Weltgemeinschaft bloß gestellt hat, hat Premierminister Rudd nun im Falle eines internationalen Abkommens eine Erhöhung auf 25 % angekündigt.

Dann die Schlechten: Die nationale Menschenrechtskommission warnt in ihrem jährlichen Native Title Report, dass der Klimawandel für die Aborigines einen kulturellen Genozid bedeutet, da ihr Land unbewohnbar wird.

Und dann die sehr Schlechten: Premierminister Rudd scheint in Fragen nachhaltiger Energiepolitik in der Tat kaum besser zu sein als sein Vorgänger Howard… Australien – bereits jetzt der weltgrößte Kohleexporteur – will seine Exporte bis 2030 verdoppeln. Die australischen Kohlelobbyisten nennen sich selbst gern “greenhouse mafia“. Guy Pearse beschreibt ihre Strategie treffend in “Quarry Vision: Coal, Climate Change and the end of the Resources Boom” (Rezension von Simon Butler):

“Their strategy was to prevent action by Australia, and if that failed, to delay action, and if delay failed, to shift the burden of emission cuts elsewhere.”

So ganz fremd scheint mir diese absurde Mischung von progressiver Klimarhethorik aus RegierungschefInnenmündern und absolut erbärmlichem Einknicken vor nationalen Industrielobbyinteressen aus deutscher Perspektive leider nicht…

Tags: , ,

Weitere Artikel

7 Kommentare

  1. Hallo Frau Fuhr — könnten Sie mir und vermutlich auch vielen anderen Lesern bitte erläutern, was man unter einem “kulturellen Genozid” versteht?

    Vielen Dank!

  2. Zitat aus dem Native Title Report: “Key climate change issues for Australia’s Indigenous Peoples’: people being forced to leave their lands particularly in coastal areas. Dispossession and a loss of access to traditional lands, waters, and natural resources may be described as cultural genocide; a loss of our ancestral, spiritual, totemic and language connections to lands and associated areas.” Aber ich stimme zu, dass der Begriff “Genozid” hier ein sehr starker ist und vielleicht nicht passend.

  3. [...] Gepostet von: Amy   ( Alle Beiträge )Veröffentlicht: 10. Mai 2009 – 0:09Quelle: http://www.klima-der-gerechtigkeit.de Vom anderen Ende der Welt erreichen uns derzeit sehr gemischte Nachrichten. Australische [...]

  4. [...] Klima der Gerechtigkeit-Blog wurde ich auf den aktuellen Bericht der Australian Human Rights Commission aufmerksam, den “2008 Native Title Report”. Eigentlich wollte ich nur einen “kurzen” Kommentar zum Thema [...]

  5. @ Martin:
    Ich habe einen Kommentar begonnen, der dann doch zum eigenständigen Artikel mutiert ist, und die “Genozid-Problematik” diskutiert: Australien: Klimawandel, die indigene Bevölkerung & “kultureller Genozid”

    Kurz & knapp: Genozid ist die falsche Beschreibungskategorie für den dargestellten Fall, weil es sich dabei um eine juristische Legaldefinition handelt.

    Zum eigentlich Problem: Zusammenhänge und Bedrohungen öffentlich zu machen ist wichtig, dann konkret Ursachen des Problems (Klimawandel, Gleichberechtigung von Minderheiten, …) anzugehen allerdings auch. Daher arbeiten wir an Projekten, die nachhaltig die Lebensumstände von Menschen verbessern. D.h. nicht, dass man die “unangenehmen” Situationen „politisch-korrekt“ totschweigen sollte. Aber hier mit dem polarisierenden Genozid-Begriff Situationen zu beschreiben, die auf so vielen anderen Ebenen (als der juristischen und der faktischen, das Verschwinden einer Kultur und Gruppe,) dramatisch sind, scheint mir in diesem Zusammenhang unangebracht.

  6. Zitat aus dem Native Title Report: “Key climate change issues for Australia’s Indigenous Peoples’: people being forced to leave their lands particularly in coastal areas. Dispossession and a loss of access to traditional lands, waters, and natural resources may be described as cultural genocide; a loss of our ancestral, spiritual, totemic and language connections to lands and associated areas.” Aber ich stimme zu, dass der Begriff “Genozid” hier ein sehr starker ist und vielleicht nicht passend.

  7. [...] mit Verkündung seiner Klimaziele im Dezember 2008 alle Ehre gemacht (siehe z.B. hier und hier). Dennoch ist es mehr als frustrierend, wenige Monate vor Kopenhagen ein weiteres Beispiel [...]

Einen Kommentar hinterlassen

Das Blog von

Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
Tilman SantariusTilman Santarius
Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
Arne JungjohannArne Jungjohann
Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

Video

English Version

Kategorien

Unterstützt von der



Nutzung unserer Texte

Liebe Leser_innen, die Verbreitung unser Beiträge ist mit den Nutzungsfreiheiten einer Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) gestattet. Bitte verlinken Sie bei einer Nutzung immer auf den Originalartikel.