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Japan hilft pazifischen Inselstaaten bei Klimaschutz und Anpassung – warum?

Eine Schlagzeile hat mich in den letzten Tagen aufhorchen lassen: Japan hat am Samstag beim fünften Treffen der Pacific Leaders einer Gruppe von 14 kleinen pazifischen Inselstaaten 528 Millionen US-Dollar als Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel und bei der Anpassung zugesagt. Das sind zwar im Vergleich zu den Milliarden der Konjunkturpakete Peanuts, aber es ist dennoch eine ganze Stange Geld von einem reichen Land an eine Handvoll auf den ersten Blick politisch unwichtiger Staaten. Aber halt…

Erstens: Ist Japan nicht das Land, dessen Chefunterhändler sich beim Klimagipfel in Posen im Dezember 2008 öffentlich rühmte, auch bereit zu sein, nur noch viermal täglich zu duschen, um das Klima zu schützen? Und ist es nicht auch das Land, das sich bisher mit eigenen Emissionsreduktionspflichten vornehm zurückhält und die UN-Verhandlungen taktisch blockiert? Welches Interesse hat Japan plötzlich daran, den armen Inselstaaten zu helfen?

Zweitens: Handelt es sich hier tatsächlich um unbedeutende Staaten? Es handelt sich konkret um die Cook Islands, Fiji, Kiribati, die Marshall Islands, Mikronesien, Nauru, Niue, Palau, Papua Neu Guinea, Samoa, die Solomon Islands, Tonga, Tuvalu und Vanuatu. Diese sind allesamt Mitglieder der Alliance of Small Island States (AOSIS), die als Block in den Klimaverhandlungen auftreten und sich dort bisher mit äußerst progressiven Positionen hervorgwagt haben.

Wenn man nun tiefer schaut, dann lässt sich das Verhalten Japans vielleicht folgendermaßen erklären:

Versuch A: 14 Staaten – das sind 14 Stimmen bei der UN. Dort strebt Japan einen Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Da gilt es, Unterstützer zu sammeln.

Versuch B: Den mächtigsten Emittenten dieser Welt, zu denen Japan gehört, ist inzwischen klar, dass sich die ärmsten Entwicklungsländer nicht mehr auf einen globalen Deal einlassen werden, wenn ihre Belange keine Berücksichtigung finden. Gestern und heute tagte in Paris wieder das Major Economies Forum (MEF). Ein passender Anlass, um öffentlichkeitswirksam ein paar Dollars springen zu lassen.

Versuch C: Japan hat auch weiterhin nicht vor, wesentliche internationale Verpflichtungen bei Emissionsreduzierungen einzugehen und betreibt nun politisches Greenwashing.

Vielleicht ist an allen Varianten etwas dran. Vielleicht gibt es noch ganz andere Erklärungen. Die Inselstaaten können die finanzielle Unterstützung aus Japan sicherlich gut gebrauchen. Das Wasser steht ihnen jedenfalls bis zum Hals. Gerade deshalb sollten sie aber nicht nach jedem Strohhalm greifen, sondern stur nach dem verlangen, was ihnen zusteht. Und das sind wirkliche Kompensationen, keine Wohltätigkeit.

P.S.: Man darf sich auch fragen, warum ein Land wie Norwegen Millionen in den internationalen Waldschutz steckt, während die eigenen Emissionen aus der Ölproduktion weiter ansteigen – alles Zufall?

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Diskussion

  1. Ich wusste gar nicht, dass die small island states ein solch großes Gewicht in der Generalversammlung haben. Mit Islands First hat sich sogar eine eigene NGO auf diese Staaten spezialisiert. Variante A ist wohl etwas weniger wahrscheinlich mit Blick auf den Weltsicherheitsrat – da geht ohne die fünf Veto-Mächte gar nichts. Im Hinblick auf die Walfangkommission oder andere, etwas weniger prominente Entscheidungsprozesse erklärt das aber vielleicht ein Teil der dahinter steckenden Motivation.

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