Die Internationale Energieagentur (IRENA) zieht nach Abu Dhabi um und wird dort ihren vorläufig endgültigen Sitz beziehen. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten sich gegen die Mitbewerber-Länder vor allem durchsetzen können, weil sie großzügige finanzielle Unterstützung für IRENA in Aussicht gestellt hatten. Sie wollen die Startkosten von 136 Millionen Dollar übernehmen und jährlich IRENA-Projekte in Höhe von 50 Millionen Dollar fördern. Da konnte Deutschland mit der Stadt Bonn, zweiter Favorit unter den Bewerbern, schlicht nicht mithalten.
Für Manche sah das wie eine “erkaufte” Abstimmung aus. Doch die Kritik alleine reicht nicht. Verschiedene Menschenrechts- und Umweltschuztgruppen hatten noch bis zuletzt versucht, die Entscheidung zu verhinden. (weiterlesen…)
Atomkraftwerke abschalten? Neubau von Kohlekraftwerken? Gentechnikfreie Landwirtschaft? Was sagen die Kandidatinnen und Kandidaten der Bundestagswahl zu diesen wichtigen Fragen? Der BUND hat knapp 1.500 potentielle künftige Parlamentsabgeordnete per Fragebogen einem Check unterworfen. Die Ergebnisse sind online abrufbar. Eine wunderbare Idee für mehr Transparenz…
“Klimawissenschaftler bei Protest gegen Kohleabbau festgenommen” – so lautet die ungewöhnliche Schlagzeile in den USA. Dabei handelt es sich um den bekannten NASA-Wissenschaftler James Hansen, der sich an Protesten in West-Virginia, beteiligt hatte. Zum genauen Vorgang und dem Kohleprojekt siehe hier und hier. Seine Motivation für den Protest erläutert Hansen hier. Ungewöhnlich ist die Schlagzeile, weil die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse weitergeben (wenn auch oft auf eindringliche und kreative Weise), z.B. beratend für Regierungen tätig werden oder sich meinungsmachend in den Medien äußern. Aber die wenigsten wagen diese Art von Vermischung aus wissenschaftlicher Erkenntnis und persönlichem Einsatz, also bürgerschaftlichem Engagement. Jedenfalls ist mir kein anderes so prominentes Beispiel bekannt. Das ist schade. Denn es sind genau diese Menschen, auf die die Politik gerade hören muss. Und auch die Bürgerinnen und Bürger brauchen die klimawissenschaftlichen Erkenntnisse, um den notwendigen Druck auf ihre Regierungen zu erzeugen. Wissen allein genügt längst nicht mehr.
“Mountaintop Mining” – dagegen protestierte Hansen.
Quelle: www.flickr.com (von nrdc_media), Creative Commons Lizenz
Glücksmomente beim WWF-Russland, Staunen bei russischen Journalisten. Präsident Dmitri Medwedew, so sickerte am Abend des 19. Juni durch, hatte dem ersten staatlichen Fernsehkanal gesagt, Russland werde seine Treibhausgasemissionen bis 2020 um 10 bis 15 Prozent senken. Ausgehend von heutigem Niveau. Das, so rechnete der WWF-Russland sofort in einer Pressemitteilung vor, würde bedeuten, Russland verpflichtet sich zu Emissionsreduktionen von 40 bis 45 Prozent unter das Niveau von 1990.
War das der Durchbruch bei den aktuellen Klimaverhandlungen? Russland sei damit zum führenden Land im Ringen um ein Post-Kyoto-Klimaabkommen geworden, zitierten russische Internetmedien einen euphorischen WWF-Russland-Direktor Igor Tschestin. Noch am Montag schrieb die angesehene Wirtschaftszeitung Wedomosti von einer „tatsächlichen grünen Revolution”. Wedomosti erklärte den mutigen Schritt auch mit den zurückgehenden CO2-Emissionen aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise.
Doch als das Medwedew-Interview am Sonntag ausgestrahlt wurde, war bereits Katerstimmung eingetreten. (weiterlesen…)
400 Milliarden! 400 Milliarden wollen Unternehmen in die Wüste Nordafrikas investieren, um Europa mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Da müssen Politiker und Medien monatelang über Konjunkturpakete von geringeren Summen debattieren, und die Privatwirtschaft kann, wenn sie will, das mit einer bloßen Presseeklärung ankündigen.
Doch solche Investitionen braucht es. Eine solare Vollversorgung der Länder der EU binnen weniger Jahrzehnte wird nur erreichbar sein, wenn ein Teil der Energie aus den sonnenreichen Regionen beispielsweise des südlichen Mittelmeers importiert wird. Endlich gibt es eine Initiative, die große Summen Kapital für klimafreundliche Investitionen locker macht – und das, ohne die Steuerzahlerinnnen zu belasten.
Die Investitionen sollen nicht nur erneuerbaren Strom nach Europa bringen, sondern auch Armutsreduzierung und eine zukunftsfähige Entwicklung nach Nordafrika. Doch es reicht nicht, dies nur zu betonen.
Eines der größten Probleme für einen Durchbruch bei den internationalen Klimaverhandlungen ist meiner Meinung nach die fehlende Krisenwahrnehmung in der Öffentlichkeit. Wen würde es jucken, wenn wir morgen in der Zeitung lesen “Klimaverhandlungen gescheitert”? Welche Chance für einen Neuanfang gäbe es dann? Vermutlich derzeit kaum eine.
Auch an der Reaktion der Politik – nämlich der Abwesenheit des Klimathemas imWettbewerb um die besten Positionen im Wahlkampf – zeugt von dieser fehlenden Krisenwahrnehmung. Hintergrund dafür dürfte zu einem großen Teil ein Mangel an Aufklärung sein. Zwar wissen die meisten inzwischen, dass es so etwas wie Klimawandel gibt und dass das ein Problem ist. Aber nur sehr wenige wissen, wie ernst die Lage wirklich ist und was auf dem Spiel steht.
Umso begrüßenswerter ist es, dass es nun endlich einen allgemein verständlichen Text gibt, der die aktuellsten klimawissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenträgt und zusammenfasst. Es handelt sich um den lang angekündigten Synthese-Report der internationalen Konferenz der KlimawissenschaftlerInnen, die im März diesen Jahres in Kopenhagen stattfand (siehe hier). (weiterlesen…)
Ein neuer Bericht der US-Regierung zeichnet ein drastisches Bild vom zu erwartenden Klimawandel in den USA. Steigende Temperaturen werden den Südwesten des Landes in einen glutheißen Backofen verwandeln, Touristengebiete wie Key West in Florida sind vom Anstieg des Meeresspiegel bedroht und Stürme, vor allem im Nordwesten und an den großen Seen, werden häufiger und intensiver. Das alles ist nochmal regional unterteilt auf einer gut gemachten Homepage der Obama-Administration.
Die Botschaft des Reports ist deutlich: Wird nichts gegen den Klimawandel unternommen, kommt das die USA teuer zu stehen. Vielleicht eine triviale Erkenntnis für uns Deutsche, aber in den USA gibt es nach acht Jahren George W. Bush einen enormen Aufholbedarf. Und schließlich kommt der Bericht genau zur richtigen Zeit: Nächste Woche wird das Repräsentantenhaus über den Gesetzentwurf zum Klimaschutz abstimmen. Noch immer sehen etliche Abgeordnete im Gesetz eine Gefahr für die Wirtschaft. Das Gegenteil ist der Fall.
Gerade bin ich auf einen Spiegel-Online Artikel gestoßen, der in meinen Augen das Vertrauen zwischen bzw. Wissen über den “Westen” und China weiter verringert.
“Für den Abschluss eines Weltklima-Abkommens stellt die chinesische Regierung nach SPIEGEL-Informationen neue Bedingungen. So fordert Peking, dass die Kohlendioxidemissionen des Landes teilweise den Abnehmerländern seiner Exportgüter zugerechnet werden.”
Dass China somit vielleicht seine Verhandlungsmasse in Kopenhagen auszudehen versucht, indem eine weitere Variable eingeführt wird, könnte die ohnehin schon sehr komplexen Klimaverhandlungen weiter verkomplizieren. Die Frage des ‘ökologischen Rucksacks’ und CO2-Konsums (im Gegensatz zu den reinen Emissionen) aufzuwerfen, ist jedoch durchaus gerechtfertigt. (weiterlesen…)
Wenn die globale Abnahme der Emissionen nicht bis 2015 oder allerspätestens bis 2020 eingeleitet wurde, kann ein 450 ppm-Pfad nicht mehr erreicht werden. Das hieße, dass der Weg in eine Welt mit mehr als 2 Grad globaler Mitteltemperatur über vorindustriellem Niveau vorgezeichnet wäre. Daraus ergibt sich ein enormer zeitlicher Handlungsdruck. Die Konferenz „The Great Transformation“, die vom 8. bis 10. Juni in Essen stattgefunden hat, nahm einen ersten Anlauf, diese Aufgabe auf ihre politischen und soziokulturellen Konsequenzen hin abzuklopfen. Wie muss unserer Gesellschaft umgestaltet werden, damit die schlimmsten Folgen vermieden werden können?
Eine illustre Expertenriege, darunter Anthony Giddens, John Podesta, Klaus Töpfer und Thomas Homer-Dixon, markierte im Kernland des Kohlebergbaus den Beginn einer überfälligen Debatte. Claus Leggewie, Direktor des kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, legt im Videointerview den Finger auf die Wunde: die Politik handelt zu langsam.
Das Interessante an den zweieinhalb Tage dauernden Diskussionen war, dass man sich nicht scheute, den Klimawandel als die große Herausforderung eines politisch-kulturellen Zivilisationswandels der Weltgesellschaft zu charakterisieren. (weiterlesen…)
Als eines der letzten Industrieländer hat Japan gestern sein Angebot für ein Emissionsreduktionsziel bekanntgegeben. Die Vorstellung löste eine Mischung aus Erstaunen und Entrüstung aus: Bis zum Jahr 2020 möchte Japan lediglich 8% gegenüber dem Emissionsniveau von 1990 vermeiden – das sind gerade mal 2% mehr als die 6%, zu denen sich Japan im Kyoto Protokoll verpflichtet hatte. Selbst der Generalsekretär des UN-Klimaprogramms, Yvo de Boer, hat daraufhin für einen Moment vergessen, dass er Diplomat ist: “Dies ist das erste Mal in meinen zwei Amtsjahren, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll”.
Mit dem Emissionsziel würde sich Japan sogar weniger anstrengen, als die Regierung Obamas angekündigt hat. Der japanische Präsident Aso hat offenbar den Zeitenwechsel noch nicht mitbekommen. Die Jugend-Aktivistenorganisation AVAAZ brachte das mit einer treffenden Fotomontage auf den Punkt (www.avaaz.org):
Liebe Leser_innen, die Verbreitung unser Beiträge ist mit den Nutzungsfreiheiten einer Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) gestattet. Bitte verlinken Sie bei einer Nutzung immer auf den Originalartikel.