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Spiegel Online, China und gerechter Klimaschutz

16. Juni 2009, von Georg Koessler

Gerade bin ich auf einen Spiegel-Online Artikel gestoßen, der in meinen Augen das Vertrauen zwischen bzw. Wissen über den “Westen” und China weiter verringert.

“Für den Abschluss eines Weltklima-Abkommens stellt die chinesische Regierung nach SPIEGEL-Informationen neue Bedingungen. So fordert Peking, dass die Kohlendioxidemissionen des Landes teilweise den Abnehmerländern seiner Exportgüter zugerechnet werden.”

Dass China somit vielleicht seine Verhandlungsmasse in Kopenhagen auszudehen versucht, indem eine weitere Variable eingeführt wird, könnte die ohnehin schon sehr komplexen Klimaverhandlungen weiter verkomplizieren. Die Frage des ‘ökologischen Rucksacks’ und CO2-Konsums (im Gegensatz zu den reinen Emissionen) aufzuwerfen, ist jedoch durchaus gerechtfertigt.

Fraglich finde ich, dass “SpOn” diesen Artikel pünktlich nach dem “Scheitern” der Zweiten Bonner Verhandlungsrunde (= kein Fortschritt und Kopenhagen rückt immer näher) publiziert. Somit wird der Eindruck erweckt, China wäre Schuld an der Misere. Eine Sicht, die ohnehin schon viel zu verbreitet ist. Dabei hat China in seinem Konjunkturpaket weit mehr “Green New Deal” als die westliche Welt (nur Südkorea ist besser, siehe hier). China will zudem 20% seiner Energie 2020 aus Erneuerbaren erzeugen, genau wie das “entwickelte” Europa. Das SpOn den Zeitpunkt bewusst so gelegt hat und dies nicht von aktuellen “Spiegel-Informationen” abhängt, zeigt der Umstand, dass die BBC von dieser Forderung Chinas schon im März berichtete.

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3 Kommentare

  1. Nicht dumm von China, vor allem weil die Auslagerung schmutziger Industrien beispielsweise für Großbritannien eine erkleckliche Reduktion seiner Treibhausgas-Emissionen bedeutete – logischerweise verbunden mit deutlichen steigendem Ausstoß anderswo, darunter China. Ich tippe, im Zweifelsfall wird China die Forderung fallen lassen und im Gegenzug den weiteren Anstieg seiner Emissionen etwas weniger einschränken müssen (von einer Stabilisierung, geschweige denn einer Reduktion ist China wohl noch weit entfernt).

  2. Sicher kann man immer alles als Verhandlungstaktik abtun. Und weil die USA China zu drastischeren Emissionsreduktionen drängen, ist es nur folgerichtig, dass China darauf hinweist, dass ein Drittel von Chinas Emissionen im Exportsektor auf Exporte in die USA entfallen.

    Andererseits ist der Umgang mit exportbedingten Emissionen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine Frage der Gerechtigkeit: die Industrieländer wandeln sich zu Service-Ökonomien und lagern immer mehr ihrer Produktion in den Süden aus. Logisch dass diese Länder in der Zukunft nicht einfach in das Regime verbindlicher Reduktionsverpflichtungen eingebunden werden möchten, so lange nicht geklärt ist, wie mit den Emissionen für Exporte in den Norden umgegangen wird.

  3. Bei Spiegel Online ist außerdem zu erfahren, dass 2/3 der Exporte Chinas nach Europa, die USA und Japan gehen.

    Außerdem:

    Güter, die China exportiert, sind viermal so klimaschädlich wie jene, die das Land einführt. Japan nutzt Energie sogar neunmal so effizient als China.

    Im Falle von Brasiliens CO2 Bilanz dürfte das Problem ähnlich liegen. (Futtermittelproblematik)

    Deshalb halte ich es schon für eine Frage der Klimagerechtigkeit, dort zu messen, wo konsumiert, wird.

    Man könnte gleichzeitig die für den Export gewonnenen Devisen als Verschmutzungspotenziale einer Nation werten. Ist aber nicht so leicht fassbar.

    Grundsätzlich sollte m.E. davon ausgegangen werden, was – wo auch immer – für den Konsum innerhalb einer Nation an CO2 Äquvalenten ausgestoßen wird.

    Gruß hh

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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