China und USA auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner « Klima der Gerechtigkeit

China und USA auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner

29. November 2009, von Tilman Santarius

China versus USABarack Obama hat seiner Ankündigung, er wolle mit einem konkreten Reduktionsangebot nach Kopenhagen reisen, vorauseilend Taten folgen lassen: die USA haben nun offenbart, bis 2020 ihre Emissionen um 17% gegenüber dem Niveau von 2005 verringern zu wollen. Die Zahl überrascht nicht, auch wenn sie ernücherternd ist: die 17% entsprechen genau der Reduktionsleistung, die jener Entwurf des nationalen Klimaschutzgesetzt vorsieht, der bereits im Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Und weil der andere Entwurf, der gerade im Senat verhandelt wird, derzeit sogar noch geringfügig höhere Ziele vorschlägt, scheint Obama mit seiner Ankündigung auf der sicheren Seite zu sein.

Ernüchternd ist die Ankündigung trotzdem. Na klar auch, weil es klimapolitisch nicht ausreicht, wenn die USA nur so wenig machen. Denn 17% weniger als 2005 entsprechen bloß 3% weniger als 1990 – während die Klimawissenschaftler 40% weniger als 1990 fordern. Aber mehr noch ernüchtert die Ankündigung, weil sie so gar keinen Plan der Administration nahe legt, wie die schlappen Klimaschutzziele auf nationaler Ebene durch zusätzliche Zusagen seitens der Administration auf internationaler Ebene ergänzt, sprich verbessert, werden könnten. Keine Wunder dann, dass Obama dies lieber schon jetzt sagt, und nicht erst vor Ort in Kopenhagen enttäuschen will.

Auf Seiten Chinas sind die Nachrichten nicht erfreulicher. Offenbar hervorragend vorbereitet hat China sofort das Angebot der USA mit einem eigenen Angebot pariert. Die Regierung hatte nur darauf gewartet, dass die USA den ersten Schritt machen. Oder es war gar abgesprochen. Schließlich muss Ordnung sein, und nach wie vor gilt, dass die Industrieländer beim Klimaschutz vorangehen sollen. Das timing von Chinas Ankündigung überrascht also nicht.

Das Reduktionsziel des Angebots aber ist ähnlich ernüchternd: Der Staatsrat hat beschlossen, die Emissionsintensität der chinesischen Wirtschaft bis 2020 gegenüber dem Niveau von 2005 um 40 bis 45% senken zu wollen. Das hört sich doch zunächst toll an. Schließlich hatte China erst 2007 angekündigt, die Emissionsintensität um 20% bis 2020 abzusenken. Das neue Ziel ist also eine Verdoppelung!

Doch ein Blick auf die Emissionsszenarien der Internationalen Energie Agentur (IEA) zeigt, dass für China sowieso mit einer Effizienzsteigerung von mindestens 37% gerechnet wird; andere Szenarien rechnen sogar mit einer Steigerung um rund 40%. Da verblasst doch das groß angekündigte Ziel von 40-45% zur bloßen Worthülse.

Tja, die USA sind halt in Vielerlei Hinsicht das Maß aller Dinge. Dumm gelaufen nur, dass der kleinste gemeinsame Nenner die größte mögliche Klimakatastrophe bedeutet.

Quelle Foto: www.dragonventure.com/En/china_info.shtml mit Creative Commons Lizenz

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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