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Merkel will nicht führen

Wollte Bundeskanzlerin Merkel nach Kopenhagen fahren, um sich als Klima-Kanzlerin zu zeigen? Ihre Antrittsrede heute nachmittag hat gezeigt, dass dies möglicher Weise gar nicht ihr Anliegen ist. Merkel hat stattdessen den Eindruck erweckt, dass die EU ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden möchte. Hat sie die Chance verpasst, zu führen?

MerkelErstens hat Frau Merkel die Gelegenheit verstreichen lassen, das viel diskutierte und von der EU seit zwei Jahren in Aussicht gestellte Reduktionsziel von minus 30% bis zum Jahr 2020 endlich ohne Bedingungen als Angebot der EU in die Verhandlungen einzubringen. Stattdessen hat sie das 30%-Ziel der EU erstmals an eine konkrete Bedingung geknüpft: nämlich dass alle Industrieländer ihre Emissionen in Summe bis 2020 um minus 25% senken werden. Damit legt Sie zwar eine Latte, die als Ergebnis der Konferenz ganz gut wäre. Aber hat Merkel für diese Latte einen angemessen Beitrag der EU angeboten? Wo doch jeder weiß, dass die USA für das Jahr 2020 nicht annähernd so viel anbieten könnnen? Derzeit liegen die Angebote für Emissionsreduktionen der Industrieländer in Summe bei minus 12-19% bis 2020 – und 19% nur dann, wenn alle Industrieländer ihre Bedingungen fallen lassen, darin eingerechnet also schon das EU-Ziel von 30%. Die EU würde also von den anderen Industrieländern – von den Klimabremsern Australien, Japan sowie von Kanada und den USA – erwarten, dass sie ihre Beiträge erhöhen und ihre Bedingungen fallen lassen. Währenddessen würde die EU nur ihre Bedingungen fallen lassen und bei den bereits zuvor eingebrachten 30% bleiben. Führen, so scheint mir, geht anders.

Zweitens hat Merkel, scheinbar im Vorbeigehen, die Summe verringert, die die EU in der langen Frist bereit ist zu zahlen. Denn bisher hat die EU stets davon gesprochen, dass im Jahr 2020 rund 100 Milliarden Euro nötig seien, um die Entwicklungsländer bei Anpassung und Klimaschutz-Maßnahmen zu unterstützten. Davon wolle die EU dann ihren fairen Anteil tragen. In ihrer Rede aber sprach Merkel nur noch von 100 Milliarden US-Dollar. Da hat sie sich offenbar gut mit Frau Clinton abgesprochen, die diese Zahl heute ebenfalls genannt hat (siehe hier). Oder hat Merkel Dollar mit Euro wie einst netto mit brutto verwechselt?

Schließlich hat sich Merkel offenbar dazu entschieden, lieber zusammen mit den USA die Schwellenländer zu mehr Zugeständnissen zu bewegen, als zusammen mit den Entwicklungsländer die anderen Industrieländer zu beherzterem Klimaschutz aufzufordern. Die Klimaschutz-Anstrengungen der Gruppe der Industrieländer werden in ihrer Rede nicht erwähnt. Vor allem werden sie nicht dazu aufgefordert, ein rechtlich verbindliches Abkommen einzugehen. Indessen ruft Merkel die Schwellenländer dazu auf, sie sollten ihre Klimaschuztanstrengungen international verbindlich machen.

Quelle Foto: www.flickr.com/…/worldeconomicforum/368875868/mit Creative Commons Lizenz

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Diskussion

  1. Wie denkt Ihr darueber

    Klimaänderung und Journalismus

    „Klimaerwärmung“ ich mag es nicht mehr hören.

    Nein, ich bin nicht gegen Umweltschutz; er ist wirklich wichtig. Nein, ich behaupte nicht, daß sich das Klima nicht erwärmt; hierzu fehlen mir sowohl die notwendigen Unterlagen, als auch die wissenschaftliche Ausbildung und die Möglichkeit, selbst Untersuchungen anzustellen.

    Eigentlich geht es mir auch nicht so sehr ums Klima. Ich sehe eine viel, viel schlimmere Krankheit!

    ‚Klimawandel‘ ist nur eines von vielen Beispielen für diese überaus gefährliche „Krankheit“ , die ich gleich kritisieren werde. Man könnte auch ‚Schweinegrippe‘ , ‚Vogelgrippe‘, ‚BSE‘ oder ‚Massenvernichtungswaffen in Afghanistan‘ sagen und vieles mehr.

    Verstehen Sie mich also bitte nicht falsch, wenn ich meine Kritik am aktuellen Beispiel ‚Klimawandel‘ aufzeige. Sie sind sicher problemlos im Stande, die Kritik auf andere Aspekte zu übertragen.

    ‚Klimaerwärmung‘, ich mag das Wort nicht mehr hören. In allen Medien wird das gleiche ‚Lied‘ gesungen. Immer tendenziell, immer mit negativem Aspekt, immer einseitig.

    Wir leben nicht in einer Diktatur. Wir haben Pressefreiheit. Warum sind die allermeisten Medienverantwortlichen nicht bereit, breit gefächert zu recherchieren? Warum sind Sie nicht willens, auch positive Merkmale der Klimaänderung darzustellen? Warum wird nur einseitig berichtet? Warum bildet man sich keine eigene Meinung? Warum wird nur alles ohne eigenes Nachdenken ’nachgebetet‘, was andere von anderen abgeschrieben haben?

    Es ist heute ein Trend, negativ über die Klimaveränderung zu berichten. Und wenn etwas Trend ist, so darf man seinen gesunden Menschenverstand abschalten. Wenn ‚alle‘ das sagen, so wird es schon stimmen.

    Kann man das noch als verantwortungsvollen Journalismus in einer freien Welt bezeichnen?

    Ich sprach vor kurzem mit einem Beamten aus dem Umweltministerium Bad.-Württ., der gerade im Begriff war, sich dienstlich nach Kopenhagen zu begeben. Es sagte sinngemäß, daß er dort eben zu vertreten habe, was die offizielle Landes- bzw. Bundespolitik sei, gegebenenfalls auch gegen seine eigene Überzeugung. Das ist ja noch verständlich. Aber wie sieht es bei den Medien aus? Werden diese zentral gesteuert, wie in einer Diktatur? Sind diese bereits alle ‚gekauft‘?

    Ein ehrlicher Journalismus könnte beispielsweise Vor- und Nachteile einer Klimaerwärmung in Deutschland einander gegenüberstellen.

    Sicherlich kennen Sie die jährlich zu Winterbeginn sich wiederholende Aussage:
    „Wenn die Heizung um 1° Celsius reduziert wird, kann man etwa 6% an Heizkosten und Energiekosten einsparen.“ [Die Grundlagen der Berechnung sind mir unbekannt]

    Haben Sie je irgendwo gelesen
    „Wenn sich das Klima um 1° Celsius erwärmt, so werden hierdurch etwa 6% an Heizkosten und Energiekosten eingespart. Dies ist weit über 1% aller in Deutschland von Gewerbe, Industrie, Verkehr und Haushalten zusammen verbrauchter Gesamtenergie! Entsprechend wird der Ausstoß an CO2 in Deutschland um viele Tonnen verringert.“ ??

    “ Wenn sich das Klima um 1° Celsius erwärmt, so wird es je nach geografischer Lage 30% – 80% weniger Frosttage geben [80% in Gegenden, in denen ohnehin selten Frost herrscht]. Entsprechend wird rund 50% weniger Streusalz benötigt, was zusätzlich geringere Belastung für die an Straßen grenzende Flora und Fauna sowie die Gewässer hat. Auch die Frostschäden an Straßen werden um rund 20% bis 50% abnehmen, ebensi die winterbedingten Verkehrsunfälle und die Zahl der Verkehrstoten,

    Man liest, daß mit der Klimaerwärmung, immer vorausgesetzt diese kommt wirklich, auch neue Schädlinge auftreten werden. Man liest NIE, daß auch neue Nützlinge ins Land kommen. Man hört, daß in Deutschland der Fichtenbestand zurückgehen könnte, man hört NIE, daß andere Bäume mit besserer Holzqualität Wachstumsvorteile haben werden.

    Man hört, daß das Polareis stark reduziert wird; man ließt nicht, daß durch eine auf rund 1/3 verkürzter Amerika-Fernost-Schiffspassage 2/3 des von der Schifffahrt produzierten „Treibhausgases CO2“ gar nicht erst erzeugt wird.

    Wenn Sie, als Mitwirkende bei den Medien, gewillt sind, selbst nachzudenken, so werden Sie leicht eine Vielzahl an weiteren Beispielen finden.

    Eine andere Gegenüberstellung wären die Argumente, die für die Existenz einer vom Menschen verursachten Erwärmung sprechen UND jener wissenschaftlichen Argumente, die eine Erwärmung als natürliche Schwankung einordnen oder überhaupt in Frage stellen.

    Doch halt! Wenn Sie tatsächlich bis hierher meinen Gedanken gefolgt sind, so möchte ich abschließend nochmals wiederholen: Nicht Ausgewogenheit bei Klimathemen ist mein wichtigster Wunsch sondern ein VERANTWORUNGSVOLLER Journalismus.

    Nützen Sie die Pressefreiheit, so lange Sie sie noch haben. Hören Sie auf, das „wiederzukäuen“, was aus ‚gewöhnlich gut informierten Kreisen‘ kommt. Hinterfragen Sie die zugelieferten Informationen, prüfen Sie die Quellen, gehen Sie nicht der Bequemlichkeit nach, gehen Sie zurück bis zu den Originalquellen ohne sich abwimmeln zu lassen. Und lassen Sie die Finger von jenen Informationen, bei denen Sie bemerken, daß diese von gewissen Gruppen lanciert wurden. Sie haben einen Auftrag der Gesellschaft !

    Ja, das ist nichts Neues. Aber zu viele scheinen es vergessen zu haben …

    In Abwandlung eines Zitates von Fr. Nietzsche könnte man sagen “ [Überzeugungen] TRENDS sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen“

    • Die Debatte darüber, ob der Klimawandel auch positive Effekte in Deutschland hat und deshalb gut ist, ist zynisch. Es geht um ein Phänomen, das bereits heute mehrere hundert Tausend Menschen im Jahr tötet und für das wir verantwortlich sind. Auch ein Krieg hat seine Profiteure. Ob man aber darüber disktuieren will, wie diese Profite zu vergrößern oder zu genießen sind, halte ich für eine Frage der Moral. Ich bitte dringlichst darum, diese Debatte hier nicht weiterzuführen.

  2. @ Wie denkt Ihr darueber
    Nicht zu vergessen die jungen Mädels, die in 50 Jahren dann an Weihnachten ohne zu frieren im Minirock und kurzem Top in die Disco gehen können. So ein Exemplar habe ich gestern Nacht gesichtet.
    So. Nun Spaß beiseite:
    Sei mir bitte nicht böse, aber so ziemlich alles, was du da aufzählst ist totaler Mist.

    Den paar Hundert Verkehrstoten, die wir zum Beispiel pro Jahr einsparen, stehen alleine in Deutschland 80 bis 100.000 Klimatote laut vorsichtigen Schätzungen im Jahr 2050 gegenüber.

    Weiteres absurdes Zitat:
    „Man hört, daß das Polareis stark reduziert wird; man ließt nicht, daß durch eine auf rund 1/3 verkürzter Amerika-Fernost-Schiffspassage 2/3 des von der Schifffahrt produzierten “Treibhausgases CO2″ gar nicht erst erzeugt wird.“

    Das Abschmelzen der Polkappen hat ein Ansteigen des Meeresspiegels und damit den Untergang niedrig gelegener Landstücke zur Folge. Was wiederrum Tote fordert.
    Von der Zunahme der Gefahr anderer Naturkatastrophen ganz zu schweigen. Außerdem ist die Regel bei einer Amerikareise doch mittlerweile das Flugzeug und nicht mehr das Schiff.

    Nächster Schmarrn:
    „Wenn sich das Klima um 1° Celsius erwärmt, so wird es je nach geografischer Lage 30% – 80% weniger Frosttage geben [80% in Gegenden, in denen ohnehin selten Frost herrscht]. Entsprechend wird rund 50% weniger Streusalz benötigt, was zusätzlich geringere Belastung für die an Straßen grenzende Flora und Fauna sowie die Gewässer hat.“
    Da das Wetter dann wärmer wäre, würde der Mensch noch mehr mit dem Auto fahren und sonstige Umwelt killende Aktivitäten vornehmen, so dass insgesamt die Verschmutzung und Belastung noch weiter steigen würde.

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