--> -->

Der Reinfall von Kopenhagen – woran lag es?

Der Rheinfall bei SchafhausenWie kam es, dass Kopenhagen so ein Reinfall geworden ist? Das liegt daran, dass bei den Verhandlungen alle Staaten an einem Strang ziehen – bloß dummer Weise in unterschiedliche Richtungen. Hier eine Analyse der Gemengelage.

Für die USA – das wurde durch Obamas Rede mehr als klar – ist die einzige Agenda derzeit, ihr nationales Klimaschutzgesetz verabschiedet zu bekommen. US FlagSie wollten Kopenhagen als Instrument nutzen, um damit zu Hause Mehrheiten für ein nationales Anliegen herzustellen. Ihr wichtiges Ziel: sie müssen den konservativen Kräften in den USA verkaufen können, dass sie China richtig hart rangenommen und ihnen Konzessionen abverhandelt haben. Damit können sie punkten. Ansonsten wollen sie so viel wie möglich offen lassen. Und bloß keine weiteren Forderungen der Welt an die USA, und bloß keine rechtliche Verbindlichkeit hören. USA in einem Satz: wir interessieren uns für uns selbst, nicht für die Welt.

China FlagDie Schwellenländer, darunter vor allem China, Indien, wollen wachsen. Sie sprechen vom Recht auf Entwicklung, das ihnen zustehe. Und dieses Recht denken sie als nachholende, fossile Entwicklung, bei der konventionelles Wirtschaftswachstum das alles bestimmende Ziel ist. Daher wollen Sie alles dransetzen, um keine unnötigen Lasten auferlegt zu bekommen, die das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen könnten. Hinzu kommt, dass der Hunger nach Wirtschaftsmacht von je mit dem Durst nach politischem Geltungsbewusstsein verbunden ist: China will Weltmacht sein. Dazu gehört, dass man das power play auf der internationalen Ebene voll mitspielt. Schon aus Prinzip. Da können da keine Konzessionen gemacht werden, die vielleicht der Mehrheit dienen könnten. Es gilt, sich mit den USA zu duellieren – allein des Showdown wegens. Die Schwellenländer in einem Satz: wir wollen wachsen, und sitzen immer noch der falschen Vorstellung auf, das ginge am besten mit Kohle, Gas und Öl.

EU FlagsDie Europäische Union weiß nicht mehr, was sie will. 27 Mitgliedsstaaten haben keine gemeinsame Stimme mehr. Brauchen wir einen „Hohen Vertreter der EU für Klima- und Umweltpolitik“? Jedenfalls hat die Klimakonferenz in Kopenhagen nur den Schlusspunkt unter die Erfahrung der letzten zwei Jahre gesetzt: die EU ist nicht mehr in der Lage, mit einer Vorreiterrolle die Klimaverhandlungen zu führen. Einige Mitgliedsstaaten würden dies vielleicht gerne tun, andere aber auf keinen Fall. Insgesamt ist die Agenda zerfleddert. In den letzten Stunden von Kopenhagen war die EU eher Zuschauerin, als Akteurin. In einem Satz: wir brauchen erst mal eine Supervision, bevor wir handeln können.

Africa FlagBleiben die Inselstaaten und die am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries), inklusive der Gruppe der Afrikanischen Länder. Sie waren eine unermüdliche, treibende Kraft in diesen Klimaverhandlungen. Aber letztlich sind sie nicht durchsetzungsmächtig. Tuvalu und andere Instelstaaten waren diejenigen, die die gesamten zwei Wochen die Verhandlungen in Atem gehalten haben. Die Gruppe der Afrikanischen Länder waren die einzigen, die am Beginn des high-level-Segments der Konferenz ein wirkliches Kompromiss-Angebot gemacht hatten – sie hatten einige ihrer lang gehegten Forderungen aufgegeben, um hier einen guten Deal hinzubekommen. Viele von ihnen haben hart gekämpft. Aber am Ende dann doch nicht den Mumm besessen, das ganze Ding mal platzen zu lassen. Oder tragen sie die Meinung im Herzen, ein schlechter Deal sei besser als gar keiner? In einem Satz: wir haben bei der WTO und hier in Kopenhagen gelernt, unsere Stimme zu erheben. Beim nächsten Mal werden wir noch mutiger sein!

Quellen Fotos – alle mit Creative Commons Lizenz: US Flagge und Flagge der Afrikanischen Union: commons.wikimedia.org; China und EU Flaggen: beide flickr.com.

Dieser Artikel wurde unter Klimawandel kategorisiert und ist mit verschlagwortet.

Diskussion

  1. Dass so wenig als Ergebnis vorzuweisen ist, ist enttäuschend und macht zornig.
    Natürlich sind die Interessen der einzelnen Akteure nicht zu vereinbaren – natürlich wollen die „Schwellenländer“ wachsen und ebenfalls die westliche hochtechnisierte und energiefressende „Komfortgesellschaft“ erreichen.
    Was mich ärgert ist, dass nicht mal das geringste Konzept dazu engegacht wird wie diese Wünsche irgendwie erfüllt werden könnten. Eigentlich sollten alle wissen, dass das größte Potential bei Energieeinsparungen liegt. Also müsste die Diskussion eigentlich darüber stattfinden wie der bisherige energiefressende Westen seinen Komfort und seine Wirtschaftskraft auch mit weniger Energieverbrauche hinkriegen kann (und ich bin überzeugt das dies möglich ist) und wie man eben den Schwellenländer ein „energieschonendes“ Wachstum vermitteln kann.
    Verzichet auf etwas will niemand – was mir fehlt sind die Aussagen wie auch ohne Verzicht dder Lebenstandard zu halten / verbessern ist.
    Nur um diese Gadankenrichtung zu verdeutlcchen und wahrscheinlich nicht so einfach wie ich es darstelle: Wenn die bisherigen Autoländer klarstellen, dass man auch mit 4 l/ 100 km komfortabel genug mobil sein kann, dann könnte sich der Autobestand auf dieser Welt sicher verdoppeln ohne dass dadurch mehr schädliche Klimagase ausgestossen würden als bisher. Würde wahrscheinlich auch den Moment wo uns das Öl endgültig ausgehen würde sicher um einige Jahr nach hinten verschieben.

  2. Vielleicht sollte der Verfasser sich mal die Frage stellen, ob denn der Kontext, in welchem er hier die Analyse betreibt, überhaupt geeignet ist, das Problem in seiner Gänze zu erfassen? Oder ob er vielleicht nur Nabelbeschau treibt.

    Dazu könnte die Lektüre dieses Artikels eventuell hilfreich sein: http://www.readers-edition.de/2009/12/20/kopenhagen-politik-klima-und-eurozentrismus/

  3. Eine interessante Perspektive auf das „Warum“ bietet auf folgender Artikel der BBC:
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/8426835.stm

  4. Also der Klimawandel ist wirklich total dramatisch und schlimm. Daher sollte man eine richtig starke, weltweite Organisation bilden, die allen Staaten mal so richtig bescheid sagen kann, wie sie sich im Klimaschutz verhalten sollen. Also so eine Art gute Welt-Zentralregierung, die nur das beste für alle will.
    In Deutschland kann man auch schon einiges tun, sofort ein Tempolimit auf allen Autobahnen, auf z.B. 100 Kilometer, und alle Importe aus China und Indien verbieten, die sich nicht an den Klimaschutz halten. Ausserdem sollten alle Eigenheimbesitzer nur noch ein Zimmer im Winter heizen. Wenn das Klima so in Gefahr ist, dann ist doch so ein Opfer angebracht. Deutschland sollte auch keine grossen Automedelle mehr bauen, die schädigen bloss das Klima. Weg damit

Kommentieren