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Archiv: Februar 2010

Showdown in Abuja

24. Februar 2010, von Lili Fuhr, Kommentare (0)

Aktuell findet in Abuja, Nigeria, die größte Messe Westafrikas für Erdöl und Gas statt. Ausgerichtet wird das Mega-Event von der Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) und dem nigerianischen Energieministerium. Hier disktuiert man über die Lage auf den internationalen Ölmärkten, die Zukunftsaussichten für den westafrikanischen Ölsektor und spielt nebenbei ein bisschen Golf.

Das Thema Klimawandel steht nicht auf dem Programm – aber das war auch nicht wirklich zu erwarten, wenn sich der Ölsektor trifft, um sich selbst zu feiern. Spannend war aber wohl ein regelrechter Showdown zwischen dem frisch gekürten nigerianischen Präsidenten Jonathan Goodluck und den Ölgiganten, allen voran Shell.

Der Streit entzündet sich an dem sog. Petroleum Industry Bill (PIB), einem Gesetztesentwurf, an dem seit Jahren mit dem Ziel gearbeitet wird, die jahrzehntealten Beziehungen zwischen dem nigerianischen Staat und den internationalen Ölkonzernen neu zu definieren. (weiterlesen…)

Wie weiter mit der Klimabewegung?

22. Februar 2010, von Georg Koessler, Comments (3)

Nach Kopenhagen ist vor Cancun. Oder? Soll dem Desaster von Dänemark eine Wiederholung der beispielslosen Mobilisierung für eine gerechtere Klimapolitik folgen? Diesmal nach Mexiko? Woher soll das Geld kommen? Woher die Energie? Und woher der Optimismus, der doch eigentlich am militärisch bewachten Zaun des Kopenhagener Bella Centers dem letzten Öko-Aktivisten abhanden gekommen sein müsste?null

Die Klimabewegung (= die basisdemokratischer, aktionsorientierter und weniger institutionalisiert als typische NGOs) in Deutschland diskutiert. Das geschieht recht unauffällig und wurde bisher nur mal hier und da aufgegriffen. In den großen NGOs beraten die Vorstände mit Blick auf das Jahresbudget während die kleinen Bewegungsgruppen sich zu diversen Plena in Hinterhöfen treffen. Zusammen kommen sie nur selten und wenn, dann nicht über die gleichen Kanäle. Die Konflikte sind dabei eigentlich die gleichen geblieben. Ich umreiße die mal folgendermaßen:

Während sich eine Nichtregierungsorganisation in Deutschland im Durchschnitt mit Veranstaltungen für die “interessierte Öffentlichkeit”, Studien oder Lobbying beschäftigt, versucht die Klimabewegung ohne Fachwissen in der breite aber mit viel Aktivismus eine praktischere Lösung zu finden. (weiterlesen…)

Argumentationshilfe gegen die IPCC-Kritik – ein Lesetipp

18. Februar 2010, von Lili Fuhr, Comments (3)

Nicht zum ersten Mal steht der Weltklimarat IPCC aufgrund falsch verwendeter Zahlen in der Kritik. Aber noch nie zuvor war die Kritik so heftig und wurde mit derart präziser und effektiver Medienwirksamkeit betrieben. Das legt den Schluss nahe, dass hier mächtige Drahtzieher im Hintergrund stehen, denen eine Delegetimisierung des IPCC gelegen kommt.

Der englischsprachige Blog RealClimate, in dem Klimawissenschaftler wie Stefan Rahmsdorf und David Archer schreiben, bietet eine umfassende Argumentationshilfe für alle, die der Kritik etwas Substanzielles entgegensetzen wollen. Der Beitrag vom 14. Februar hat bereits jetzt an die 500 Kommentare.

New Kid on the Block

16. Februar 2010, von Arne Jungjohann, Kommentare (0)

Wenn man der Washingtoner Gerüchteküche trauen darf, gewinnt eine neue Idee rapide an Akzeptanz in der US Klimadebatte. Ein New Kid on the Block nennt man das hier. Cap and dividend lautet das Motto. Emissionsrechte sollen an Unternehmen versteigert werden, die Erlöse als Energiegeld an die Bevölkerung ausgezahlt werden, um höhere Energiepreise aufzufangen.

Maria Cantwell (eine Demokratin aus dem Bundesstaat Washington) und Susan Collins (eine Republikanerin aus Maine) haben einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Senat eingebracht. Die beiden Senatorinnen haben ausgerechnet, dass in ihrem Modell 80% aller Amerikaner unterm Strich mehr in der Tasche hätten. Eine vierköpfige Familie soll jährlich rund 1000$ an Energiegeld erhalten. Ein besonders schmackhaftes Detail ist aus meiner Sicht der Passus des Gesetzes, internationale offsets komplett auszuschließen.

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Klimakiller Kohlekraft – Film ab

15. Februar 2010, von Björn Ecklundt, Kommentare (0)

Grau und bedrohlich ragen die Schlote eines Kohlekraftwerks in den Himmel. Weiß und steril ist der Kontrollraum. Mit kühler Präzision bereiten die Ingenieure ein Manöver im Kraftwerksbetrieb vor. Ein Druck auf eine roten Knopf und die Schornsteine verwandeln sich in Geschützrohre, die den afrikanischen Kontinent ins Visier nehmen. Bilder wie aus einem Hollywood-Kriegsfilm. Sie laufen in einem Filmspot von Oxfam und der Heinrich-Böll-Stiftung ab Donnerstag in Kinos deutschlandweit und machen klar: Deutsche Kohlekraft bringt die Klimakatastrophe nach Afrika und andere arme Regionen dieser Welt.

Gestern wurde der Film auf der Gala der Green Me Lounge während der Berlinale vorgestellt und jetzt kann ihn jeder unter www.klima-schuetzen.org oder auf YouTube ansehen. Er macht den Zusammenhang zwischen Kohlekraft und Armut durch Klimawandel in den armen Ländern der Welt eindringlich deutlich und ist Teil der Kampagne: “Klima schützen, Armut verhindern”, die sich gegen den Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland wendet. 24 neue Kraftwerke sind hierzulande derzeit im Bau oder in Planung. So wird ein massiv erhöhter CO2-Ausstoß über Jahrzehnte zementiert.
Jede und jeder kann etwas zum Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom und damit zur Armutsbekämpfung beitragen, wenn sie und er zu Ökostromanbietern zu wechselt. Außerdem sollte der Film an möglichst viele Menschen weitergeleitet werden, um klarzumachen, wie problematisch die Kohlekraft ist. Bewertungen und Kommentare auf YouTube sind sehr willkommen.In vielen Kinos Deutschlands läuft ab Donnerstag ein Spot von Oxfam und der Heinrich-Böll-Stiftung gegen neue Kohlekraftwerke. Gestern wurde er auf der Berlinale vorgestellt und jetzt kann ihn jeder unter www.klima-schuetzen.org oder auf YouTube ansehen.
Wieder mal eine nachdrückliche Aufforderung zu Ökostromanbietern zu wechseln und dem Kohlestrom die rote Karte zu zeigen.
Der Film sollte an möglichst viele Menschen weitergeleitet werden, um die klarzumachen, wie problematisch die Kohlekraft ist. Bewertung und Kommentare auf YouTube sind sehr willkommen.

Sind wir nun alle Lolcs*?

9. Februar 2010, Kommentare (0)

*Lifestyle of low carbon and sustainability

Es ist nicht zu leugnen: Trotz Kopenhagen-Desaster und Verhandlungsmüdigkeit hat die große ökologische Wende längst begonnen. Sichtbar wird sie an ganz unterschiedlichen Stellen, z.B. auch an neuen Geschäftsmodellen, die aus der Klimakrise erwachsen. Zwei ganz unterschiedliche Beispiele:

Ganz legal: In Großbritannien hat der Konzern Tesco seinen ersten “zero carbon”-Supermarkt eröffnet und will bis 2050 ein CO2-neutrales Unternehmen werden. Die Filiale in Ramsey, Cambridgeshire, ist ganz aus Holz gebaut, wird mit Sonnenlicht erleuchtet, mit Bioenergie beheizt, und die Toilettenspülung funktioniert mit Regenwasser. Zusätzlich hat das Unternehmen Emissionen durch Investitionen in saubere Technologien “kompensiert”.

Unabhängig von der Frage, ob man überhaupt von CO2-Neutralität sprechen sollte, und abgesehen von den ganzen Problemen, die mit dem Konzept der Kompensation von Treibhausgasemissionen einhergehen, ist doch eindeutig, dass es hier um einen Lebensstilwandel geht, der als schicker Lifestyle getarnt auch neue Märkte öffnen soll. Sind wir alle statt Lohas nun Lolcs (“Lifestyle of low carbon and sustainability”)?

Illegal: Anfang Februar wurden im Rahmen einer sog. Phishing-Attacke Emissionszertifikate im Wert von mehreren Millionen Euro gestohlen und im Ausland weiterverkauft. (weiterlesen…)

USAtomkraft? Eine Renaissance sieht anders aus

9. Februar 2010, von Arne Jungjohann, Kommentare (1)

Die größte Renaissance, die wir in Sachen Atomkraft erleben, ist die politische Debatte darüber. Gut so, wenn wie in Deutschland die Argumente auf den Tisch kommen und Konservative (wie Umweltminister Norbert Röttgen) in der Atomkraft eine Sackgassen-Technologie sehen und selbst Zeitungen wie die FAZ offen über die katastrophalen Finanzkalkulationen von AKW-Neubauten berichten.

In der USA wird die Debatte leider nicht so offen geführt, sondern ist von ideologischen Halbwahrheiten, politischem Kalkül und einer uninformierten Oeffentlichkeit geprägt. Selbst Barrack Obama, bislang der oberste Klimaretter der Nation, spricht sich (zum Beispiel in seiner State-of-the-Union-Rede) für den Neubau von Atomkraftwerken aus. Konsequent sind im vom Weißen Haus vorgelegten Etatplan mehr als 50 Mrd. Dollar an Bürgschaften für den AKW-Neubau eingestellt. Stehen wir also in der USA vor einer Renaissance der Atomkraft?

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Alles klar für Klima-SDRs?

4. Februar 2010, von Liane Schalatek, Comments (4)

In der Vergangenheit ist dem Internationalen Währungsfonds (IWF) oft “mission grab” vorgeworfen worden – der Versuch, internationale Macht und Relevanz dadurch zu erhöhen, daβ der IWF Aufgaben zu übernehmen sucht, für die er eigentlich nie vorgesehen war. Well, it did it again….dieses Mal mit einem Vorstoβ in Sachen Klimafinanzierung.

Auch so ist zu erklären, warum IWF-Chef Dominique Strauβ-Kahn vor wenigen Tagen am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos mit dem Angebot an die Öffentlichkeit trat, hausintern Vorschläge für einen milliardenschweren “Grünen Fond” ausarbeiten zu lassen, dank dessen die Welt mit weniger Öl und Kohle aus der Weltwirtschaftskrise wachsen soll.

Die Idee eines “Green Fund” mit bis zu US$ 100 Milliarden in einigen Jahren klingt vage vertraut – war nicht auch im Kopenhagen Akkord,der politischen Absichtserklärung mit der die COP vor dem kompletten Versagen mit Müh’ und Not gerettet wurde, die Rede von einem “Copenhagen Green Climate Fund” in dieser Höhe? Tatsächlich hat der Vorschlag von Herrn Strauβ-Kahn ein bisschen etwas von einem “sales pitch”: Wenn die Welt schon einen neuen Green (Climate) Fund schaffen will, warum nicht bitte schön eine etablierte Institution wie den IWF mit den Details oder der Verwaltung der Gelder beauftragen? Zumal Herr Strauβ-Kahn ja auch eine Idee hat, wie zumindest Teile der US$ 100 Milliarden aufgebracht werden können. Bei diesem Thema blieb übrigens der Kopenhagen Akkord, wie die gesamten Verhandlungen in Kopenhagen, recht diffus: er sprach nur von einer “Vielzahl von Quellen, öffentlich und private, bi- und multilateral, inklusive alternativer Finanzierungsquellen.”

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Der Kopenhagen Akkord im Test

2. Februar 2010, von Tilman Santarius, Kommentare (1)

Die Abschlusserklärung vom Klimagipfel in Kopenhagen, der so genannte Kopenhagen Akkord, hat der Welt drei konkrete Zahlen beschert: die globale Erwärmung soll auf 2 Grad beschränkt werden; für die Jahre 2010 bis 2012 werden 30 Mrd. US-Dollar “Quick-Start-Finanzierung” bereit gestellt; bis 2020 sollen 100 Mrd. US-Dollar Finanzen für Klimaschutz und Anpassung in den Entwicklungsländern aufgebracht werden. Weiters hatte der Akkord vorgesehen, dass alle Länder bis 31. Janur 2010 eine Selbstverpflichtungserklärung für ihr nationales Emissionsreduktionsziel beim UNFCCC Sekretariat einreichen sollten.

Diese Deadline wurde zugleich als Test betrachtet. Denn der Kopenhagen Akkord wurde ja nicht einstimmig angenommen; es ist daher unklar, ob er von der Staatengemeinschaft überhaupt als Arbeitsgrundlage für die weiteren Verhandlungen behandelt wird. Hat der Kopenhagen Akkord den Test bestanden? Wenn ja, dann höchstens mit schlechter Note, ließe sich zusammenfassen. (weiterlesen…)

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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