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100% Erneuerbare sind möglich – sagt jetzt selbst die Industrie

Die European Climate Foundation veröffentlichte eine Studie zur Stromversorgung der Zukunft. Die Studie verdeutlicht, dass bis Mitte des Jahrhunderts in Europa ein Umbau des Elektrizitätssystems auf 100% Erneuerbare Energien möglich, sicher und preiswert ist. Gerechnet werden auch noch Szenarien mit 40%, 60% und 80% Erneuerbaren Energien und einem entsprechenden Rest an Kohle- und Atomstrom.  Aber das Szenario mit 100% Erneuerbaren Energien liefert praktisch genauso verlässlich und kostengünstig Strom wie die Szenarien, die noch auf die alten Kumpel Kernkraft & Kohle setzen.

Die Studie wurde federführend von der industrienahen Unternehmensberatungsgesellschaft McKinsey erarbeitet. Zur Arbeitsgruppe, die für die Datenbasis und technischen Inputs verantwortlich zeichnete, gehörten aber unter anderem auch Vertreter großer deutscher und europäischer Stromversorger (darunter RWE, Vattenfall und E.on) sowie führende Netzbetreiber (Tennet, Energienet/DK, Entso-e), Hersteller von Kraftwerksanlagen (Siemens, Vestas). Insofern kann als „politisches“ Ergebnis der Studie festgehalten werden: Auch die Energieindustrie stimmt zu, dass in Zukunft ein großer Teil, wenn nicht die gesamte Stromversorgung erneuerbar erfolgen kann – ohne „Stromlücke“ und erhöhte Kosten, wie sonst von ihnen behauptet wird.

Eigentlich gibt es jetzt keinen vernünftigen Grund mehr, in Europa auf die Risikotechnologien Kohle, Gas, Atom zu setzen. Dabei rechnet die Studie mit sehr konservativen Zahlen der Energieindustrie und unterschätzt somit die Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren Energien eher. Einige Umweltgruppen, (siehe z.B.  hier) wie etwa Greenpeace und der BUND, befürchten aber, dass die Industrie die Ergebnisse der Studie für sich auslegen wird: 100% Erneuerbare sind auch nicht billiger als beispielsweise 60% oder 80% Erneuerbare, warum also Kohle und Atom abschalten? Schließlich weiß ja jeder, dass die Industrie von möglichst langen Laufzeiten am meisten profitiert. Und die erhöhten volkswirtschaftlichen Kosten der Pfade Kohle und Atom, die natürlich viel höher sind als bei Erneuerbaren Energien aber nicht voll in die Berechnungen der Studie einfließen, haben Marktakteure ja noch nie interessiert.

Wer gewinnt die Deutungshoheit über die Ergebnisse der Studie? Und wer gewinnt in den nächsten Jahren das politische Lobbying, wenn es darum geht, die Weichen für eine wirklich 100% Erneuerbare Zukunft zu stellen, oder eben doch einen Restanteil gefährlicher Kohle und sinnlosem Atom beizubehalten?

Quelle Foto: Von Martin Heinsius auf Flickr.de mit Creative Commons Lizenz

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