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Südafrika 2010 – die Chance, es allen zu zeigen

Der Ball ist Rund, auch in Südafrika
Der Ball ist Rund, auch in Südafrika.

Was wurde nicht alles geschrieben, geblökt und gestritten im Vorfeld der WM. Südafrika kann weder fußballerisch noch logistisch mit Deutschland mithalten. Zwischendurch wurde sogar berichtet, dass die WM statt in Südafrika wieder hier bei uns ausgetragen werden könnte. Jetzt ist es endlich so weit und Südafrika wird mit tollem Fußball, Sicherheit und einem reibungslosem Ablauf der Welt ihre Vorurteile vor Augen halten – da bin ich mir sicher.

Jedoch wird die WM von 2006 wohl in einer Kategorie, in der sie selbst nicht besonders glänzte, vom diesjährigen Turnier nicht überrundet werden: dem Klimaschutz.

Ein CNN-Report hat kürzlich darauf verwiesen, dass der fossile Fußabdruck der WM in Südafrika sechs mal größer sein wird als jener der WM vor vier Jahren. Zwar soll es Ausgleichsprojekte geben, doch einmal ausgestoßenes CO2 kann auch durch junge Bäume nicht zurück in den Boden gebracht werden. Anton Cartwright von Carbon Equity sagte CNN, dass mit nur $25 Millionen vom Staat die Spiele eine Klima-Legende werden könnten. Das wurde aber verpatzt. Komisch, denn Deutschland hat alleine EUR 50 Mio. über die KfW für eine Vergrünung der Spiele zugesichert.

Vielleicht wird aber wieder versucht, Südafrika schlechter zu rechnen, als es ist?

  1. Das Land musste zum Teil neue Stadien bauen. Das brauchte viel Zement – der in der Herstellung viel CO2 verursacht. (Generell ist es natürlich kritisch, für 30 Tage riesige Stadien zu bauen.)
  2. Friends of the Earth Südafrika sagten CNN, dass der ökologische Fußabdruck der WM schwer noch kleiner zu machen ist. Das liegt zum Teil auch an den schlechten Transportsystemen im Land und der Abhängigkeit von Braunkohle. Im südafrikanischen Kontext ist die WM also „normal“. Eine Studie Norwegens (die PDF hier) bestätigte dies (“Proposed greening measures and environmental standards can reduce the carbon footprint, but will only affect the smaller components of the carbon footprint.”)
  3. Die WM ist am südlichen Ende von Afrika und nicht im Zentrum Europas. Da sind die Reisewege länger und das Flugzeug als Transportmittel nötiger. Der norwegischen Studie zufolge werden die internationalen Reisen zur WM allein 1,8 mio Tonnen CO2eq. verursachen – das wären fast 70% aller WM-bezogenen Emissionen.
  4. Die WM in Deutschland schmückte sich medienwirksam mit dem “Green Goal”, doch auch das war eher Show wie bereits hier gezeigt wurde.

Wer wirklichen Klimaschutz will, sollte nicht mit Vorurteilen wie „die können es halt nicht“ daher kommen, sondern hat zwei Optionen. Gar keine Fußball-Weltmeisterschaften bzw. keine in eher abgelegenen Gegenden ohne ausreichende Infrastruktur oder selber mehr tun. Da erstere Option als Gerechtigkeitsgründen fragwürdig ist, schlage ich vor, dass Länder wie Norwegen mehr als die vorgeschlagenen EUR 1,15 Mio. an WM-Klimahilfe zahlen und Länder wie Deutschland ihre zugesagten Klimagelder nicht mit der Entwicklungshilfe verrechnen. Zudem müssen wir ja nicht nach Südafrika fliegen, sondern können uns Fussball – wenn überhaupt – auch im TV ansehen. Natürlich mit Ökostrom.

Foto von mikkelz unter der Creative Commons Lizenz

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