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Klima der Vergesslichkeit

16. Juli 2010, von Arne Jungjohann

Chile, Peru und Ecuador- das waren die Stationen, die Obamas oberster Klimadiplomat diese Woche abgereist hat. Der Besuch von Todd Stern zeigt, dass die US-Regierung im Vorfeld des nächsten Klimagipfels in Cancun ihre diplomatischen Beziehungen zur Region stärken will. Dabei werden Differenzen sichtbar. Allen voran bei der Klimagerechtigkeit scheiden sich die Geister.

Bei seinem Auftritt in Ecuadors Hauptstadt Quito an der Universidad Andina Simón Bolívar sprach Stern über die besondere Verantwortung der Industrieländer beim Kampf gegen den Klimawandel. Diese müssten schneller und schärfer Minderungsziele erreichen und die Entwicklungsländer unterstützen. Doch Stern verwies auch darauf, dass er keine historische Verantwortung der USA sehe (zitiert nach The Climatewire am 16. Juli):

I don’t think that there’s any question that equity is an important principle in climate change discussions. What I don’t agree with, though, is the notion of ecological debt or guilt… I don’t know if it’s legitimate, and I certainly don’t think it’s helpful. I see equity, yes. I see fairness, yes. Historic debt or guilt or culpability, no. I don’t see it that way. I don’t see that even the most progressive people in the United States see it that way, and I think … it’s the kind of concept that leads to rhetorical and ideological debate rather than how we can solve this problem.

Die schon heute sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels resultieren aus der Ansammlung von Treibhausgasen in der Atmosphäre aus den letzten Jahrzehnten. Und da ist die USA kräftig dabei. Gut nachzulesen im Konzept der Greenhouse Development Rights. Werden neben der historischen Verantwortung auch die wirtschaftlichen Fähigkeiten des Landes berücksichtigt, müssen die USA rund ein Drittel der globalen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel leisten, wie mein Böll-Kollegen Tilman Santarius hier aufzeigt:

Die USA haben zwar nur einen Anteil an der Weltbevölkerung von 4,5%. Weil sie aber 29,7% des weltweiten Einkommens über der Beteiligungsschwelle (Fähigkeit) und 36,4% der weltweiten kumulierten Emissionen über der Beteiligungsschwelle (Verantwortung) auf sich vereinigen, müssen sie alleine knapp ein Drittel der globalen Anstrengung tragen.

Abzustreiten, dass die USA keine historische Verantwortung beim Klimaschutz hätten, ist absurd. Das nennt man dann wohl ein Klima der Gerechtigkeit Vergesslichkeit.

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Tilman Santarius schreibt über Gerechtigkeit und Globalisierung. Er lebt mit seiner Familie auf einem Landgut außerhalb Berlins.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.

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