Klimaschutz mal explosiv

Ein blutiges Video mit explodierenden Kindern sorgt für Aufregung in der Blogosphäre. Im kontroversen Spot sprengt eine Lehrerin zwei ihrer SchülerInnen in die Luft, weil diese Desinteresse am persönlichen Klimaschutz zeigen. Hier das Video (Warnung, mit expliziter Gewaltdarstellung):
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Freunde des klassischen britischen Humors wie Monty Python oder der US-Serie Southpark dürften beim hinschauen auf ihre Kosten kommen. Doch für die meisten Zuschauer ist der Film menschenverachtend und hat die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Der Film, der für die Klimakampagne 10:10 produziert wurde, ist inzwischen von den Initiatoren zurückgezogen (siehe The Guardian).

Die klimapolitischen Blogger in der USA distanzieren sich vom Spot (z.B. The Grist und Climate Progress). Klimaskeptiker freuen sich über die Steilvorlage und stürzen sich (z.B. hier und hier) auf den Film, um Klimaschützern Nazimethoden, einen Angriff auf die Freiheit und eine Verletzung der Menschenrechte vorzuwerfen. Bin gespannt, wie der Film in Deutschland aufgenommen wird.

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Diskussion

  1. radikaler Klimaschützer

    Der Humor ist sicher sehr kulturspezifisch. Eigentlich wäre der Film näher an der Realität, wenn die Klimaschutzverweigerer einen Knopf drücken würden, der alle in die Luft sprengen würde. Oder?

  2. Bin ja eher ein Freund von derbem Humor à la Monty Python, aber Sinn erschließt sich mir hier nicht.

    Dürfte der Sache eher schaden.

  3. Geschmacklos, kontraproduktiv. Beispielloser Schwachsinn. Liefert nur paranoiden Fantasien von Klima“leugnern“ Futter.
    So was sollte man nicht auf „Klima der Gerechtigkeit“ reposten.

  4. Tilman Santarius

    Niederträchtig. Absolut übeles Blogspot. Keine Ahnung, was die ansonsten ganz einfallsreiche Kampagne 10:10 da geritten hat, so ein Ding zu produzieren.
    Wir reposten das Video trotzdem, weil wir genau darüber Kommentare und eine Diskussion haben wollen.
    Sieht das irgendwer anders?

  5. In Anbetracht der Tatsache, dass in dem Spot auch britische Promis mitspielen – und der Humor auf der Insel nachweislich etwas spezieller ist – sollten wir vielleicht mit negativen Adjektiven ein wenig vorsichtiger sein. Ich halte den Spot auch für 0% lustig und ziemlich daneben – aber Humor ist verschieden. Allerdings geht es beim Klimawandel ja wirklich um Leben und Tod. Dabei habe ich prinzipiell auch nichts gegen eine drastische Darstellung im Rahmen der künstlerischen Freiheit. Allerdings verstehe ich selbst vor den mörderischen Nord-Süd Gefällen beim Klimwandel diesen Spot nicht. Any British here to explain?

  6. @Jörg Haas: Natürlich darf man das auf Klima der Gerechtigkeit stellen. Und zwar mit kritischer Anmerkung. Zur Debatte. Das ist hier geschehen.

    Der Clip ist meiner Meinung nach übrigens auch kontraproduktiv.

  7. Dürfen darf man alles. Aber nicht alles was man darf macht auch politisch Sinn.
    Insofern darf die Umweltbewegung einen völlig geschmacklosen, unsinnigen Videospot natürlich bis zum gehtnichtmehr in allen Foren reproduzieren und diskutieren. Ob man sich damit allerdings einen Gefallen tut, darf doch getrost bezweifelt werden.

  8. Vorab: Ich finde den Spot geschmacklos und ungeschickt. Es ist gut, dass er wieder zurückgezogen wurde. Der britische Humor (mir wohlbekannt und auch sehr geschätzt von Monty Python, z.B. The Meaning of Life, wo ein gefräßiger Restaurantkunde mit dem Verzehr der Nachspeise explodiert) verliert sich beim Thema Klimaschutz, wo es um Leben und Tod, aber auch um persönliche Verhaltensweisen geht. Zudem spielt der Spot den Gegnern von Klimaschutz (gerade in den USA) in die Hände, ist also auch ein strategischer Fehler. Warum habe ich dann auf KGL dazu gebloggt?

    Zwei Gründe: zum einen, weil die Debatte dazu in den Klima-Communities in UK und den USA hochläuft, in Deutschland das Video aber anscheinend noch unbekannt war. Ich blogge aus Washington auch deshalb auf KGL, um die deutsche Debatte zu internationalisieren.

    Zum anderen bringt der Film (und sein wieder-Eindampfen nach nur einem Tag) ein Dilemma von uns Klimaschützern hervor, das es lohnt zu diskutieren. Jede/r, der die Prognosen der Klimawissenschaft kennt, weiß, dass wir sehenden Auges auf eine Welt zusteuern, zu der unsere heutige im Vergleich geradezu friedlich und harmonisch ist. Allein um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, was schon eine unwirtliche Welt bedeutet, ist ein global-gesellschaftliches Umsteuern in wenigen Jahren nötig, von dem wir noch weit entfernt sind. Als Klimaschützer muss man ja schon Meister des Verdrängens sein, um angesichts der Größe der Herausforderung nicht um den Schlaf gebracht zu werden. Wir – ich persönlich und vermutlich auch andere auf diesem Blog – stellen uns regelmäßig die Frage: welchen Weckruf bedarf es, damit unsere Gesellschaften endlich angemessen auf die Krise reagieren?

    Die meisten Zuschauer werden sich vom Film ekelnd abwenden und im Hinterkopf behalten, dass Umweltschützer im Ernstfall über Leichen gingen, um ihre Ziele zu erreichen. Das ist eine falsche Darstellung bzw. Unterstellung und schadet dem Ansinnen. Ich kenne auch keinen Umwelt- oder Klimaschützer, der diese Position vertritt. Alles in allem: Dieser Film ist ein misslungener Versuch, unsere Gesellschaften aufzurütteln. Wir brauchen bessere! Aber welche?

    @Tilman: der Film wurde nicht von der 10:10 Kampagne entworfen, sondern auf deren Homepage eingestellt und dann wieder entfernt, was die Kampagne selbst begrüßt hat.

  9. Niemand denkt ehrlich, dass Klimaschützer_innen über Leichen gehen. Das ist Quatsch!!! Die, die das sagen, tun das aus politischem Kalkül (Tea Party, Lobbyisten von Washington bis Brüssel usw.). Das ist diffamierend und fies. Das hier zu wiederholen hilft da genauso wenig, wie kulturell spezifische Filmchen für ein internationales Publikum zu generieren.

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