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Gute Argumente für 30 % in der EU

Climate Action Network Europe hat gestern einen neuen Report vorgestellt, in dem alle guten Argumente dafür aufgelistet werden, warum die EU ihr Emissionsreduktionsziel für 2020 von 20 auf 30 % erhöhen sollte – undzwar jetzt und ohne Konditionen. Diese Argumente genau jetzt zu platzieren ist wichtig, da nach dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen und genereller Unsicherheit, ob wir überhaupt noch bald mit einem verbindlichen globalen Abkommen rechnen können, genau die Stimmen lauter werden, die versuchen, die Ambitionen der EU zu mindern. Und die EU selber benutzt gerne die Ausrede, dass man ja die Erhöhung von 30 % an Konditionen geknüpft habe (andere ziehen mit), die nun nicht erfüllbar sind. Und wie stehe man denn jetzt da, wenn man es einfach trotzdem macht?

Die Antwort darauf fällt mir leicht: Als Anführerin einer mutigen und progressiven Klimapolitik. Aber realpolitische Bedenken scheinen innerhalb der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten derzeit zu überwiegen, was wiederum ein mutiges Voranschreiten noch weniger wahrscheinlich macht.

Dabei liegen die Argumente tatsächlich auf der Hand und die Zahlen auch. Im CAN Europe bericht kann man nachlesen, dass eine Zielerhöhung von 20 auf 30 % derzeit nur 0,2 bis 0,3 % des  BIP kosten würde. Und für 2050 ist gar mit einer BIP Erhöhung von 10 % zu rechnen, wenn die EU jetzt handelt. Wenn man außerdem die Auswirkungen eines solchen ambitionierteren Ziels auf das BIP der EU mit den BIP Auswirkungen geringerer Ziele in einigen Schwellen- und Entwicklungsländern vergleicht, dann wird klar, dass die EU nicht meckern darf. Ganz zu schweigen von den zu erwartenden neuen Arbeitsplätzen und den potentiellen Einnahmen für die Staatshaushalte der Mitgliedstaaten durch die Versteigerung einer größeren Menge von Emissionszertifikaten.

Wie gesagt: Ausreden gibt es schon längst keine mehr. Und hinter den USA kann man sich auch nicht mehr gut verstecken. Das wäre dann doch selbst der EU zu peinlich.

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Diskussion

  1. Schön getroffen. Nur an einer Stelle muss ich Einspruch erheben: Mit dem Adjektiv „realpolitisch“ würde ich die Widerstände gegen eine ambitionierte Zielsetzung nicht adeln. Das sind eher von Partikularinteressen geleitete Utopisten, die hier am Werke sind. Utopisten, die glauben, dass man verlorene Zeit im Klimaschutz später nachholen könnte. Utopisten, die sich an die irreale Hoffnung klammern, dass es mit dem Klimawandel doch alles nicht so schlimm sein wird. Utopisten, die glauben dass man mit „business as usual“ im Jahr 2020 noch „in business“ bleiben kann.
    Was für Träumer!

  2. Die Regierungen werden sich einen Dreck selbst um die bisherigen oder sogar noch ehrgeizigere Emissionsziele scheren. Länder, denen finanziell das Wasser bis zum Halse steht. Die Krise der Staatsfinanzen lässt das Emissionsthema gaaanz weit nach hinten auf die Agenda rutschen.
    Und Deutschland steht ja mit seiner Emissionsreduktion nur dehalb so vergleichsweise gut da, weil als Bezugsjahr 1990 gewählt wurde, das Jahr des Emissionsmaximums, kurz vor den Zusammenbruch und der Transition der braunkohlebasierten ostdeutschen Wirtschaft.
    Die Anstrengungen der USA in Sachen Emissionen selbst unter einem mit klimapolitischen Vorschusslorbeeren überhäuften Energieminister kann man glatt vergessen. Selbst als die Demokraten noch die Mehrheiten in beiden Parlamentskammern hatten, ist nicht viel geschehen. 17 Milliarden Dollar aus dem gewaltigen 800-Milliarden-Konjunkturpaket flossen in erneuerbare Energien. Das war weniger als Peanuts. Mit dem Sieg der Republikaner bei den Zwischenwahlen wird aus dem „sehr wenig“ nun „nichts“ werden.

    Wir werden also auch in Zukunft in immer größerer Häufigkeit Meldungen wie die Folgende lesen müssen:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,746340,00.html

    Und selbst die darin vertretene Prognose von 20 cm Anstieg der Weltmeere bis 2100 kann man vergessen. Die diversen Rückkopplungen und Beschleunigungen der Gletscherabflüsse in Grönland und der Westantaktis werden immer noch nicht ausreichend berücksichtigt. Es handelt sich um einen exponentiell verlaufenden Prozess.

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