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Wieviel Radioaktivität tritt aus? Wir brauchen unabhängige Messungen!

Ich wünschte, es wäre nicht wahr. Aber eine kleine Recherche bestätigt die Tatsache schnell: Wir wissen nicht, wieviel Radioaktivität derzeit tatsächlich in Fukushima austritt und wo sie spürbar wird. Es gibt dazu keine unabhängigen, objektiven und verlässlichen Daten. Das war auch schon zu Tschernobyl-Zeiten so. Und anscheinend haben wir seitdem wenig dazugelernt. Dieselben Regierungen, die uns jahrzehntelang von der Sicherheit der Atomtechnologie zu überzeugen versucht haben, haben wenig Interesse daran, die nun tatsächliche austretende Strahlung transparent und öffentlich zu machen. Und wer hat schon seinen eigenen Geigerzähler im Haus?

Vielleicht und hoffentlich bald viel mehr Leute als bisher. Es gibt wohl einige kluge und engagierte Leute, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und außerdem die positiven Vernetzungsmomente von Globalisierung und Internet zu nutzen wissen, um ihre Bürgerrechte aktiv und global wahrzunehmen. Bei meiner Recherche bin ich nämlich unter anderem auch auf diese Website gestoßen. Hier werden Messdaten öffentlich und interaktiv zur Verfügung gestellt und Leute dazu aufgerufen, weitere Daten beizutragen.

Und diese Seite ist kein Einzelfall. In Japan und anderswo in der Welt investieren viele Menschen gerade darein, dass wir unabhängig von der Trägheit, Verschwiegenheit und Falschheit von Regierungen und Konzernen erfahren können, welche Auswirkungen die Atom-Katastophe in Fukushima hat und haben wird. „Independent radiation monitoring“ heißt. Und es ist essentiell. Aber es zeigt auch wieder einmal mehr, dass zivilgesellschaftliches Engagement und Transparenz zentrale Elemente unserer Demokratie sein müssen. Und dass wir als Bürgerinnen und Bürger global zusammen arbeiten können und müssen, um unsere Regierungen und Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen.

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Diskussion

  1. Dr. Dorothea Böhm

    Prima Seite, werde ich twittern.

    Bundeswirtschaftsminister Brüderle sagte, dass man erst den Netzausbau bräuchte, dann könne man die erneuerbaren Energien ausweiten. Das ist Unsinn. Mein Vorschlag: Förderung der Dezentralisierung: Photovoltaik, Photothermie, Geothermie, Biogas, Windkraft, Gezeitenkraftwerk, usw. – je nach Standort. Es geht überall, wir müssen es wollen. (Und dann können uns Despoten mit Resterdölbeständen mal den Buckel runter rutschen…)

    Alles Gute für diesen Netzauftritt, Doro Böhm

  2. Es ist schon bedrückend, dass eine Firma, die aus der Vergangenheit für Täuschungen und Schlamperei bekannt ist, jetzt das Informationsmonopol für die Situation in Reaktornähe hat.
    So ist es auch kein Wunder, dass die Erfolgsmeldungen sich überschlagen:
    Rauch- und Dampfaustritt: unbedenklich,
    Stromanschluss ist hergestellt (was natürlich in den Blöcken 1 bis 4 die Temperatur in den Reaktoren und Abklingbecken nicht um ein Grad vermindert),
    Wasserwerfereinsatz, bei dem selbst ein Laie erkennt, dass nur das vordere, meerzugewandte Drittel der Reaktorgebäuderuinen vom Wasserstrahl erreicht wird (was insofern sehr witzig ist, weil die Abklingbecken von den Wasserwerfern aus sich hinter den Reaktoren und auch noch im oberen Bereich des Gebäudes befinden, während sich die Stromaggregate und Pumpen für den internen Kühlkreislauf im meerzugewandten Teil des Reaktorgebäudes befinden – also die Dusche von oben abbekommen. Das Vorhaben, die Elektrik für die Pumpen wieder in Gang zu bringen bei gleichzeitiger Beregnung mit Salzwasser schließen sich ja wohl gegenseitig aus. Was ein bezeichnendes Licht auf die Ankündigung wirft, bald die internen Kühlkreisläufe wieder in Gang zu bringen…)

    Ich verstehe nicht, dass dem Skandalkonzern nicht von Seiten der internationalen Atomenergiebehörde kritisch auf die Finger geschaut wird. Es ist bezeichnend, dass Herr Amano zwar von Europa nach Japan jettet, aber als Chef der IAEA es nicht für nötig hält, mal selbst in Fukushima vorbeizuschauen. Er hätte ja nur einen Bruchteil der Dosis abbkommen, wie die armen Teufel, die dort für die Management-Schlamper die Kastanien aus dem Feuer holen.
    Lug, Trug und Vertuschung – darin scheinen sich die Chefs der Betreiberfirma, der japanischen Regierung und sogar der IAEA einig zu sein.
    Bei den ersten beiden könnte man es ja noch nachvollziehen auf Grund der Interessenlage (was kein Freispruch sein soll), aber die Rolle der IAEA ist äußerst enttäuschend.

    • http://www.woweather.com/weather/news/fukushima?VAR=nilujapan131

      surface heiss flaeche

      auf diese URL kann man bestimmen wann wo und wieviel Caesium und Jod (iodine) aus Japan kommt.

      Radioaktivitaet auf irgendendeine Menge sind Gesundheitschaedlich ich schlag vor dass wenn man einen Gemuesebeete hat, glass darauf machen vor allem beim Ruebengemuesse.

      Trau den Regierung nicht alle medienquellen behauptet niedrige Gefahr aber die redet nicht ueber die Einzelheiten, grenzwerte usw. alles nur „sehr gering“ gegenueberwas bitte schoen?

  3. Wie zur Bestätigung meines Beitrags gerade bei SPON entdeckt:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,752419,00.html

  4. Die Gesellschaft für Strahlenschutz gibt eine höchst alarmierende Einschätzung der Lage auf Grund der Messergebnisse in 16 bis 58 Kilometer Entfernung vom Reaktor ab:

    http://www.gfstrahlenschutz.de/pm110323.htm

    Mit bis zu 900000 Bq Pro Quadratmeter liegen selbst in diesen Entfernungen die Kontaminationen so hoch, wie in den am meisten vertrahlten Gebieten in der Nähe von Tschernobyl.
    Die GfS spricht eindutig von einem Super-Gau in Fukushima.
    Und die Lage ist bei Weitem noch nicht unter Kontrolle, so dass die Kontaminationen noch deutlich zunehmen könnten (letzter Satz persönliche Einschätzung).

    Der einzige Trost: der Wind hat wieder in Richtung Pzifik gedreht.
    Ich vermute, weite Gebiete in Nordhonshu werden auf lange Sicht unbewohnbar werden.

  5. Da ja nun selbst die Verharmloser von Tepco zugeben, dass der Druckbehälter von Block 3 beschädigt sein muss, ist der worst case offiziell zu Protokoll gegeben.
    Und gerade bei dem Reaktor, der als einziger im AKW Fukushima 1 mit Mischoxid-Brennstäben betreiben wird, was den Austritt von Plutonium höchst wahrscheinlich macht.
    Plutonium ist ein Alpha-Strahler (anders als Cäsium- und Jod-Isotope) hat eine Halbwertzeit von 24000 Jahren und ist der giftigste Stoff auf der Erde.
    Da nun die Umgebung des Kernkraftwerkes immer mehr verstrahlt wird, gibt es kaum noch Möglichkeiten, irgendwelche Arbeiten in der unmittelbaren Nähe durchzuführen, ohne die eingesetzten Arbeiter innerhlab sehr kurzer Zeit schon einer lebensgefährlichen Strahlung auszusetzen.
    Man wird also die Reaktoren und die Abklingbecken sozusagen dem Selbstlauf überlassen müssen, mit der Konsequenz jahrelanger Freisetzung radioaktiver Isotope. Je nach Verteilung bei wechselnden Windrichtungen werden immer größere Teile Nordjapans eine immer höhere Kontamination abbekommen – wahrscheinlich bis in den Großraum Tokio.
    Ich kann nur hoffen, dass ein Wunder geschieht und den Verantwortlichen doch noch irgendeine rettende Idee kommt

  6. „12.05 Uhr: Die im weiten Umfeld der havarierten Nuklearanlage Fukushima-Daiichi gemessenen Strahlenwerte nehmen immer Besorgnis erregendere Ausmaße an. Nach Veröffentlichungen auf den Internetseiten der japanischen Atomaufsicht NISA wird in 40 Kilometer Entfernung zu den Reaktoren eine Caesium137-Belastung von 163.000 Bequerel je Kilogramm Erde gemessen. Dieser Wert ist nach Einschätzung des Münchner Otto-Hug-Strahleninstituts hoch.“

    Zitat Ende

    Alleine von Cäsium-Isotopen eine Kontamination von 163000 Bq in 40 KM Entfernung in einem Kilogramm Erde.
    Das ist ein Wahnsinns-Wert, zumal ja Cäsium mit seiner Halbwertzeit von 30 Jahren dafür sorgen wird, dass dieser Boden für 300 Jahre (10 Halbwertzeiten) nicht zu gebrauchen ist.
    Und ein Ende der Neueinträge von Cäsium-Isotopen ist noch garnicht abzusehen und könnte bei weiterer Zuspitzung der Lage an den Reaktoren noch intensiver werden.

    Und das alles, obwohl mit Ausnahme von 3 Tagen die Windrichtung bisher auf den Pazifik hinausging.

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