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New York will abschalten

Angesichts der Atomkatastrophe in Japan drängt der Gouverneur des Bundesstaates New York darauf, das Atomkraftwerk Indian Point abzuschalten. Kein Wunder, der Uraltmeiler liegt keine 60 Kilometer von New York City entfernt und gilt als erdbebengefährdet.

Über die Laufzeitverlängerung der Reaktorblöcke des AKWs Indian Point sollte die nationale Atomaufsichtsbehörde NRC ursprünglich in 2012 und 2015 entscheiden. Jetzt macht Gouverneur Andrew Cuomo Druck, dass die NRC eine frühere Entscheidung trifft. Cuomo hat seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 für das Abschalten der Reaktoren gekämpft, weil sie eine Gefahr für New York City darstellen.

Noch ist unklar, wie die Sache ausgehen wird. Weder Gouverneur noch Parlament haben das Recht, dem Betreiber die Lizenz zu entziehen. Die sicherheitstechnische Überprüfung unterliegt einzig der (atomfreundlich gesinnten) NRC. Die ist in ihrer Geschichte noch nie dadurch aufgefallen, besonders strenge Kriterien an den AKW-Betrieb zu knüpfen. Allerdings kann die Umweltbehörde des Bundesstaates Auflagen zum Betrieb erteilen, zum Beispiel zum Schutz von Gewässern.

Das Unglück in Japan bietet Anlass genug, jedes einzelne Atomkraftwerk der Welt vom Netz zu nehmen. Egal, ob der Auslöser ein Erdbeben, ein Tsunami, ein Hochwasser, ein Flugzeugabsturz, ein Terrorangriff oder einfach nur menschliches Versagen ist, die Folgen sind nicht mehr beherrschbar. Für eine schnellstmögliche Abschaltung der Reaktorblöcke in Indian Point sprechen zusätzlich drei Faktoren:

1. Die Lage des AKWs. Die Anlage wird 42 Meilen von Downtown Manhattan betrieben (Google Maps). Im Ernstfall müssten Millionen von Menschen schnell evakuiert werden. Wie schlecht selbst – oder vielleicht gerade – ein Land wie die USA darauf vorbereitet ist, hat man am Wirbelsturm Katrina gesehen. Die großflächige Evakuation der Stadt New Orleans war ein Desaster – unter anderem deshalb, weil im Autoland USA öffentliche Transportmittel Mangelware sind. Neben einer schnellen Evakuierung würde eine radioaktive Verseuchung New York City praktisch unbewohnbar machen. Eine apokalyptische Vorstellung.

2. Die Erdbebengefahr. Das AKW liegt in einem erdbebengefährdeten Gebiet. Das Earth Institute der Columbia University warnt davor und verweist auf die Geschichte. Das bislang stärkste Erdbeben in der Region in den 1880er Jahren erreichte auf der Richterskala einen Ausschlag von 5,2. Das AKW Indian Point sei, so der Betreiber Entergy, für ein Erdbeben der Stärke 6,1 ausgelegt. Der Risikoforscher Klaus Jacob erklärt, dass die Region um New York sogar erdbebengefährdeter als Kalifornien ist.

3. Die fehlenden Kühltürme: Dem Atomkraftwerk Oyster Creek im benachbarten New Jersey wurde eine Laufzeitverlängerung um 20 Jahre nur gewährt, wenn die Betreiber die Anlage mit Kühltürmen nachrüsten würden. Aus Kostengründen wurde abgelehnt, abgeschaltet wird in 2019. Ähnliches steht für Indian Point an, wenn die Umweltbehörde entsprechende Auflagen zum Schutz der Gewässer einfordert. Der Gesundheitsexperte Joseph Mangano erwartet, dass der Betreiber Entergy die Anlage aus Kostengründen nicht nachrüsten wird, was eine Abschaltung des AKWs unumkehrbar machen würde.

New York will abschalten, Vermont diskutiert den Atomausstieg und Kalifornien hinterfragt die Zukunft der Atomkraft: So langsam bröckelt die pro-Atomstimmung in den USA. Gut so!

Foto: Atomkraftwerk Indian Point im Bundesstaat New York von robanhk unter CCL.

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