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US-Atomaufsicht: Der Fisch stinkt vom Kopf

Fischkopf
Fischkopf
In fast einem Drittel aller US-Atommeiler haben Inspektoren Schwachstellen bei den Ablaufplänen und der technischen Ausrüstung für Notfälle entdeckt. Stresstest trotzdem bestanden, sagt die US-Atombehörde NRC. Wie bitte? Zeit, dass die Behörde einem Stresstest unterzogen wird!

Die Klimaretter (und die New York Times im Original) berichten über neue neu entdeckte Mängel in mehr als 30 US-Atomkraftwerken. In jüngsten Inspektionen der NRC sei man auf ernsthafte Probleme etwa bei der Ausrüstung für Notfälle gestoßen. Diese sei im Ernstfall oft nicht nutzbar gewesen. Das stört die Atombehörde nicht, wie der Spiegel schreibt. Ihre Schlussfolgerung aus der Untersuchung ist zum auf der Zunge zergehen lassen. Im Original der Pressemitteilung heißt es

“Our inspectors found all the reactors would be kept safe even in the event their regular safety systems were affected by these events, although a few plants have to do a better job maintaining the necessary resources and procedures.”

Alle Reaktoren seien sicher. Ein paar müssten aber in bestimmten Abläufen besser werden. Ja was denn nun? Anscheinend tun nicht nur wir in Europa uns damit schwer, die Sicherheitsstandards von Atomkraftwerken zu überprüfen.

Die USA haben ein substanzielles Problem in der Sicherheitskultur ihrer Atomanlagen. Der Fisch stinkt vom Kopf. Das Problem ist die US-Atomaufsichtsbehörde. Die NRC steckt unter einer Decke mit der Atomindustrie. Das liegt auch in ihrer Geschichte. Denn die Behörde wurde Mitte der 1970er Jahre als Atomic Energy Commission gegründet, um den Bau von Atomkraftwerken voranzutreiben. Atomkraft ausbauen und gleichzeitig scharf kontrollieren? Ein unüberwindbarer Interessenkonflikt, wie die New York Times analysiert.

Kritiker wie der Abgeordnete Ed Markey halten das Vorgehen der NRC für indiskutabel und zu lasch. Die Atombehörde schaut an den Sicherheitsproblemen der alten Atommeiler gezielt vorbei. Der Abgeordnete aus Boston kritisiert vor allem den schlechten Zustand der Notstromversorgung der Anlagen. Sie ist die Achillesferse der Atomkraft. Allein in den letzten acht Jahren hat diese backup power nach Markeys Recherchen in 69 Fällen(!) nicht funktioniert. In sechs Fällen liefen Atommeiler mehr als einen Monat lang ohne gesicherte Notstromversorgung. Vielen Abklingbecken für alte Brennstäbe, die an den Reaktoren gelagert werden, fehlt komplett die Notstromversorgung.

US-Atomkraftwerke sind unsicher und die Behörden schauen dabei zu. Die NRC macht einen denkbar schlechten Job. Wenn das so weiter geht, steht der nächste Stresstest an: für die Atombehörde selbst!

Foto von Nate Steiner unter Creative Commons CC BY.

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