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Angela Merkel, Barack Obama und der deutsche Atomausstieg

Das Weiße Haus, mit Solaranlage auf dem Dach

Mit einer Mischung aus Erstaunen und Neid blickt das Ausland diese Tage nach Berlin. Dass eine Wirtschaftsmacht wie Deutschland in nur zehn Jahren aus der Atomkraft aussteigt, halten viele internationale Beobachter für ambitioniert, manche für unrealistisch. Die Washington Post spricht von panischer Überreaktion, der Economist warnt vor einer instabilen Energieversorgung. Doch in die Skepsis mischt sich auch Neugier. Denn die Deutschen haben sich zum globalen Marktführer in den erneuerbaren Energien gemausert. Noch dazu ist es eine konservative Regierung, die bei der Energiewende aufs Tempo drückt.

Und dann gibt es da noch diese Sicht auf das Land der bewundernswert zuverlässigen Technik made in Germany. Die Deutschen, so das Klischee, haben aus Ruinen ein Wirtschaftswunder geleistet, bauen hervorragende Autos, und scheinen das Ingenieurs-Gen irgendwie in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Wenn einem Land auf der Welt die Umsetzung einer so ambitionierten Technologiestrategie zugetraut wird, dann Deutschland. Die Deutschen, so der Christian Science Monitor, seien einfach can-do people:

Despite all of its likely costs, despite its political motivation, there’s also something exciting about this leap into the future. The Germans are a can-do people. They doubled their use of renewable energy in the past decade. A jump of this scope is not advisable, but now that it’s been decided, the world will be watching to see if it can be done – and what the consequences will be.

Und just heute reist die Bundeskanzlerin zu Besuch in die USA, dem Land, in dem die Mehrheit der Bevölkerung an der Atomkraft festhalten will und die Atomuhren doch ganz anders ticken. Kann Obama von der Kanzlerin lernen? fragt die taz im Streit der Woche. Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Zwar hält Präsident Obama an der Atomenergie aus politischen Zwängen fest. Doch wie Deutschland den Ausstieg aus der Atomkraft mit dem Einstieg ins Solarzeitalter verbindet, dürfte ihm imponieren. Denn das ist in seiner ersten Amtszeit nicht gelungen: Ein nationales Klimagesetz ist gescheitert, der Kongress blockiert alle zaghaften Ansätze einer energiepolitischen Modernisierung. Im Vorfeld des Merkel-Besuchs lobt Obama die Umwelt- und Energiepolitik Deutschlands als vorbildlich. „Von Deutschland können wir manches darüber lernen, wie mehr Umweltfreundlichkeit zugleich zu mehr Wachstum führen kann“, so Obama im Tagesspiegel.

Win the Future lautet ein möglicher Slogan der Obama-Kampagne für 2012. Beim Abendessen mit der Bundeskanzlerin kann der US-Präsident diesem Ziel einen Schritt näher kommen. Nämlich dann, wenn sie aus dem Nähkästchen plaudert, wie man Widerstände in den eigenen Reihen überwindet und den politischen Gegner Wind aus den Segeln nimmt.

Foto: Jungjohann

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