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Deutschland, Schaufenster der globalen Energiewende

Deutsches Schaufenster mit 20% Rabatt auf alles, yes we can
Deutsche Energiewende im globalen Schaufenster: Yes, we can?

Letzte Woche hat der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Früher und sichtbarer als andere Länder macht sich Deutschland auf den Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien. „Wenn jemand das schafft, dann ihr Deutsche“ sagen mir viele amerikanischen Freunde. Als im Ausland lebender Grüner werde ich da glatt ein wenig patriotisch.

Die USA hinkt weit zurück- sowohl in der Atompolitik, als auch generell beim Umbau der Energieversorgung. Die Abhängigkeit von vermeintlich billiger fossiler und nuklearer Energie schwächt die Vereinigten Staaten in ihrer wirtschaftlichen Wettbewerbsfähgikeit, wie Geschäftsführer Jürgen Maier treffend in der jüngsten Ausgabe des Rundbriefs im Forum Umwelt & Entwicklung beschreibt:

Nach der Logik des US-Senats, der das Kyoto-Protokoll mit der Begründung ablehnt, es sei eine zu große wirtschaftliche Belastung, müssten die Deutschen längst bankrott sein und die USA die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft. Tatsächlich ist es genau umgekehrt. Für die USA entwickelt sich die Ideologie der billigen Energie und der Verteufelung von Energiesteuern immer mehr zur veritablen Innovationsbremse – Energieeffizienz lohnt sich einfach nicht. Stattdessen gibt die US-Volkswirtschaft immer mehr Dollars für immer teurere Energieimporte aus, amerikanische Industrieprodukte sind kaum noch konkurrenzfähig.

Die deutsche Entwicklung wird nicht nur mit Wohlwollen begleitet. Die Beharrungskräfte in den USA und rund um die Welt schauen mit Argusaugen nach Deutschland. Sie lauern darauf, dass der Umbau ins Stottern gerät und werden jede noch so kleine Panne oder Engpass in der deutschen Stromversorgung nutzen, die erneuerbaren Energien als unzuverlässig, kostspielig und überflüssig darzustellen. Der Atomausstieg ist in dieser Hinsicht bedeutender, als den meisten in Deutschland bewusst sein dürfte.

Deutschland wird zum globalen Schaufenster der Energiewende. Damit wird die Abkehr von der Atomkraft beides, zur Chance und Gefahr. Rückschläge beim deutschen Atomausstieg werden weltweit dazu genutzt werden, um die erneuerbaren Energien auszubremsen und am alten fossil-nuklearen Energiesystem festzuhalten. Wenn hingegen Wasser, Wind, Sonne, Biomasse und intelligente Netze schon bald zum unersetzbaren Pfeiler der deutschen Wirtschaftskraft, wird Deutschland für Länder weltweit zum Vorbild der Energiewende.

Foto von TauSo unter CC BY-NC-ND 2.0

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Diskussion

  1. Kann nur zustimmen. Das entscheidende ist nicht das Datum des Ausstiegs, sondern das Gelingen des Einstiegs in eine auf Erneuerbaren beruhende Stromwirtschaft. Ein Rückfall in die Kohle, ein steiler Preisanstieg, gar ein Blackout – das wären alles Szenarien die uns die weltweite Ausstrahlung kaputtmachen würden.
    Wir sind zum Erfolg verdammt…

  2. Naja, ob Deutschland mit diesem Fahrplan zur Energiewende weltweit zum Vorbild avancieren kann, wage ich ja noch zu bezweifeln…erste Stromausfälle in Süddeutschland, (Atom-)Stromimporte aus dem Ausland und steigende Energiekosten sind die Kehrseite der Medaille. Schon jetzt haben wir, nach Dänemark, die zweithöchsten Strompreise in Europa, wie teuer soll der Strom denn noch werden, der tagtäglich aus der Steckdose fließt?

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