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Akteure vor Durban: die Pessimist/innen und die Fatalist/innen

Welche Road-Map hilft den Verhandlungen noch? (Bild von flickr-user "Yahya Natanzi")"
Welche Road-Map hilft den Verhandlungen noch? (Bild von flickr-user "Yahya Natanzi")"

Ein Abkommen in Durban würde der Triumph der Schwachen über die Starken sein, so der britische Guardian. Und das bedeutet im Klartext: ein Abkommen wird es nicht geben. Längst sind Pessimismus und Realismus in den Klimaverhandlungen nicht mehr zu unterscheiden. Die neue Gefahr sind aber die Fatalist/innen, welche aus Frust über kleine Schritte bockig stehen bleiben wollen. Wie schön ist es also, dass im UNFCCC-Prozess (wenn schon nicht an die untergehenden Inseln usw.) zumindest noch an die nächsten COPs gedacht wird. Die Klimaretter fassen das Ergebnis von Durban daher schon jetzt zusammen: “Wieder eine Klimakonferenz, bei der die nächste Konferenz vorbereitet wird.” Fast alle beteiligten Akteure swingen unterschwellig noch den Kopenhagen Blues (außer natürlich die Klima-NGO Germanwatch) und aus dem hehren Plan von Bali (2007), innerhalb von 2, 3, 4 Jahren ein verbindliches Klimaabkommen zu zimmern wurde eine neue „road map“ – doch selbst die existiert bisher nur im Kopf der EU Klimakommissarin:

A binding global agreement that would aim to deal with up to 85% of the world’s carbon dioxide (CO²)emissions would then be drawn up by the first COP meeting after 2015, in December 2016, and would take effect in 2020. The proposal „would give countries more time, until 2015, to comply with international climate protection obligations and to introduce the corresponding monitoring“, Hedegaard said. (Quelle: Mail&Guardian Online)

Was das bedeutet, bringt der – nicht gerade als Klimaschützer bekannte – Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, auf den Punkt: „If we do not have an international agreement whose effect is put in place by 2017 then the door [to holding temperatures below 2°C] will be closed forever“ (Quelle: ibid.). Mit Blick auf Technologien wie CCS würden gleichzeitig OPEC-Staaten nur ein Abkommen akzeptieren, welches m.E. den Namen nicht wert wäre (Quelle: Bloomberg). Dirk Messner warnt konsequenterweise davor, dass die UNFCCC-Verhandlungen „in ziellose Routine abzugleiten“ drohen (Quelle: Klimaretter.info). Eine Routine, aus der sich schon heute einige nicht heraus denken wollen können. Zu sehr sind sie in den kleinen Details des Prozesses gefangen; dort, wo sie noch kleine Erfolge feiern können. Sie freuen sich wie kleine Jungen über den Aufbau ihrer neuen Modelleisenbahn, während im Nachbarzimmer der Weihnachtsbaum brennt. Das wird wieder ein frohes Fest 2011!

Schuld daran hat auch die EU, welche sich nicht mehr (zu)traut. In der Hoffnung, ihr schrumpfendes Gewicht am Verhandlungstisch der Weltmächte halten zu können, wir der letzte „Poker-Chip“ namens Kyoto-Protokoll wie heilig in der Faust festgehalten. Statt dem nötigen „all in“ gilt das „play it safe“. Wer Poker kann, der weiß dass diese Strategie nicht funktionieren kann.

“Let’s be frank: At best we could only get the EU, Norway and maybe two or three more countries to sign up for a second Kyoto period,” Hedegaard said this week in Oslo. “That will not make any difference whatsoever for the overall trend in global emissions. It would also take away pressure from other countries, both developed and developing, to engage in more ambitious climate action.” (Quelle: bloomberg)

Sie liegt damit falsch, den die Verlängerung des einzig rechtlich bindenden Abkommen zur CO2-Reduzierung würde den Druck erhöhen und gleichzeitig Vertrauen wieder herstellen. Auf grund solcher Positionen geben Experten wie Niklas Höhne von Ecofy Kyoto “a very low chance“ (Quelle: ibid.). Diese pessimistische Sicht wird dann noch mal untermauert, wenn man darauf schaut, was die USA gemeinsam mit ihrem Partnerland Saudi Arabien beim Green Climate Fund abziehen: Klimafinanzierung sieht anders aus (siehe dazu u.a. The Telegraph)!

Doch die Gefahr für das Klima sind nicht die Pessimist/innen, sondern die Fatalist/innen. Dazu gehört einer Umfrage von WELT Online zu Folge (immerhin mit über 10.000 Stimmen) auch die Mehrheit der angeblichen Klimaschutznation Deutschland.

Welcher Aussage stimmen Sie am ehesten zu?
Ergebnis
Antwort 1: Jede Chance zur CO2-Reduzierung weiterhin nutzen. 12%
Antwort 2: Jeder sollte tun, was in seiner Macht steht. 7%
Antwort 3: Der Mensch muss sich dem Klimawandel anpassen. 29%
Antwort 4: Die Erderwärmung aufzuhalten, ist illusorisch. 52%
11131 abgegebene Stimmen

Wir bei der Stiftung versuchen diesem Extrem zumindest etwas Realismus entgegen zu setzen: Statt einem alleinigen Festbeißen am UNFCCC-Prozess fordert das neueste Strategiepapier unseres Referates eine “ klare Ausrichtung von Kampagnen gegen die eigentlichen Störkräfte und Blockierer in Wirtschaft und Politik – und zwar lokal, regional und weltweit ” (Die Zusammenfassung und zum Download geht es hier, die englische Version mit weiteren Beiträgen zur Zukunft der Internationalen Klimaverhandlungen findet Ihr hier).

In Durban wird es laut PIK-Chef Hans Joachim Schellnhube das „Endspiel für den Klimaschutz“ geben (auch bei WELT Online). Und SPIEGEL Online fragte (hier) unsere Klimakommissarin: Mit welchem Gefühlt reisen Sie zu den Verhandlungen nach Durban? Hedegaards Antwort: „Ich bin besorgt, dass wir die Umwelt ruinieren.“ Ist das nun Pessimismus oder schon Fatalsimus?

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Diskussion

  1. „Hedegaards Antwort: „Ich bin besorgt, dass wir die Umwelt ruinieren.“ Ist das nun Pessimismus oder schon Fatalsimus?“

    Das ist leider Realismus.
    Was hat der Erfolgs-Klimagipfel seinerzeit in Kyoto gebracht? Jahr für Jahr steigende Emissionen weltweit. Kumulativ runde 50%. Die wären ohne und mit Kyoto vermutlich in gleicher Weise so angestiegen. Der Erfolg von Kyoto war ein Erfolg auf dem Papier.
    Und einige Länder, die schon in der Selbstverpflichung des Kyoto-Abkommens integriert waren (Beispiel: Spanien), konnten völlig folgenlos ihre selbstgesteckten Ziele erheblich verfehlen.
    Deutschland war nur deshalb so relativ erfolgreich, weil zufälligerweise das Bezugsjahr 1990 war. Bei einem Bezugsjahr 1995 wäre auch unsere Emissionsbilanz jämmerlich.

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