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Wirklich in Durban?: The United States of Absence

Wie es sein sollte: Todd Stern und Xie Zhenhua reden mit- nicht nur übereinander.
Wie es sein sollte: Todd Stern und Xie Zhenhua reden mit- nicht nur übereinander.

Es ist wirklich komisch. Täglich wird die Pressekonferenz der USA auf allen Monitoren rund um das ICC in Durban übertragen. Das Gesicht von Todd Stern, Obamas „Special Envoy on Climate Change“ bzw. Jonathan Pershing, dem US-Chefverhandler kennen alle. Und dennoch sind die USA irgendwie abseits, weit weg, egal. Die Debatte hier auf der COP-17 und in den deutschen Medien ist offensichtlich sehr viel stärker auf China und Indien konzentriert. Der Patt zwischen den USA und China? Fast vergessen! Die EU hat harte Konditionen aufgestellt als sie sagte, eine zweite Kyoto-Verpflichtungsperiode gibt es nur, wenn es gleichzeitig eine „roadmap“ für ein verbindliches und alle einbeziehendes Abkommen gibt. Dem letzten Teil will sich Indien noch widersetzen und China erst später (nach 2020) sich verpflichten. Die USA sind dagegen (Abkommen für sie vor 2020) oder es ist ihnen egal (Kyoto-2). Vielleicht sind sie aber wirklich garnicht hier, in Durban, sondern streamen ihre Pressekonferenzen aus irgend einem Bunker in den USA? Hier drei Gründe, warum es sich eigentlich um die „United States of Absence“ (Vereinigte Staaten der Abwesenheit) handelt.

1. Das 2° Ziel wird fallen gelassen – oder sind die USA gar nicht auf der Höhe der Debatte?

Todd Stern hat plötzlich vergessen, dass der von ihm so hoch gehaltene „Kopenhagen Accord“ erstmals das 2-Grad Ziel erwähnte und dieses ein Jahr später in Cancun verbindlich festgeschrieben wurde. Dieser beinah heilige Grenzwert wird nun von Stern lediglich als „Wegweise“ (guidepost) gesehen.

I think that we look at two degrees as an important and serious goal which ought to guide what we do, which ought to guide the action that we take in order to try and attain it. That is — so it’s important, it’s serious, and it’s a guidepost I would say. That is still different from looking at it as an operational cap (Quelle: hier)

2. Die Wissenschaft wird ignoriert – oder sind die USA noch im letzten Jahrhundert?

Pershing war selber IPCC-Wissenschaftler und ist dennoch der Meinung, dass es gar nicht so schwer ist, mit den derzeitigen (viel zu geringen) Reduktionszusagen unter 2° zu bleiben. Schließlich gebe es ja unendlich viele Möglichkeiten, das zu erreichen.

Many, and essentially an infinite number of pathways, get you there. (Quelle: hier)

3. Schlechte Ohren – oder sind die USA gar nicht wirklich hier?

Gefragt, ob China mit seinem Vorstoß vom Montag der USA-Kondition [dass auch die Schwellenländer (trotz sehr viel geringeren Pro-Kopf Emissionen!) Verpflichtungen eingehen sollen, bevor die USA überhaupt drüber nachdenken] nun annähert, antwortet Stern, er verstehe die Frage nicht. Später antwortet er, dass er den Chinesen diesen Schritt eh nicht zutraut.

If China were to agree to some kind of binding action after 2020, would that satisfy the U.S.’s insistence that large developing countries take on some kind of a binding commitment, or is that still too late for the U.S.’s taste?

MR. STERN:  I’m not positive I understand the question.  If after 2020 they agree, would we after 2020 be [changes thought]… I’m not getting the sequence in your question.

QUESTION: 

MR. STERN:  If they now agree that they would do a legally binding agreement post-2020?  Yeah, I think that’s the thing that I don’t think they’re going to do, as best as I can understand it.

(Quelle: hier)

4. Jet-lag? – oder Zeitverschiebung weil die USA gar nicht hier sind?

In Durban soll über ein „Post-2012“ Regime verhandelt werden, doch die USA reden nur über ein „post-2020 agreement“. Damit sind sie leider nicht alleine, Indien und China haben wohl auch noch jet-lag. Lediglich die Europäer (1h Zeitverschiebung zwischen Brüssel und Durban) sind halbwegs auf der Höhe der Zeit. Hoffentlich verschwinden Sie mental nicht auch noch (wie einst in Kopenhagen).

 

PS: Natürlich weiß ich um die innenpolitischen Problemchen der „climate hawks“ in the USA. Dieser leicht ironische Beitrag sollte daher eher als Ansporn gesehen werden.

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Diskussion

  1. Fast ist es ein Trost, dass der american way of life (den wir Europäer und immer mehr andere kopieren möchten) innerhalb der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts vor die Hunde gehen wird. Ganz einfach aus Gründen der demnächst einsetzenden Verknappung essentieller Ressourcen. Von Öl und etwas später Gas, über Phosphor und Kobalt bis hin zu Meeresfischen.
    Das System frisst sich selber auf.

    „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

    Das stimmte schon zu Zeiten Gandhis mit den damals lebenden 2 Milliarden Menschen und das stimmt bei 7 Milliarden Menschen erst recht.
    Die Manifestierung von Gandhis Aussage in der unerbittlichen Realität wird leider vermutlich viele Menschen das Leben kosten, aber sie wird hoffentlich dafür sorgen, dass menschliches Leben auch in der ferneren Zukunft auf der Erde möglich sein wird.

    Wir sind wirklich Glückspilze, dass es nicht noch mehr Öl, Gas und Kohle auf der Welt gibt, als ohnehin schon. Wir würden ansonsten mit unserer Gier die Welt zu einem Ort machen, wie er vor 55 Mio oder 250 Mio Jahren beschaffen war. Mit krachsauren Ozeanen und mit globalen Mitteltemperaturen, die um 9 Grad (vor 55 Mio Jahren) oder 13 Grad (vor 250 Mio Jahren) über dem heutigen Niveau lagen.

    Hoffentlich kommt das Zeitalter der Gier noch rechtzeitig zu einem Ende. Dafür werden dann aber nicht klima“real“politische Formelkompromisse sorgen, sondern die begrenzten Ressourcen unseres gastgebenden Planeten.
    Der american way of life ist nicht von dieser Welt und ist das Gegenteil von Menschenrecht.

  2. Die USA begreifen noch nicht, dass auch sie erkennbar zu einem hot spot des Klimawandels werden.
    Der Südwesten der USA war in den letzten Jahrzehnten die Boomregion von der Bevölkerungswanderung her. Jetzt leben etwa 70 Millionen Menschen in dieser extrem trockenen und immer trockener werdenden Region.
    Wenn in 10 bis 20 Jahren das einst riesige Ogalla-Aquifer sowie die Stauseen des Colardo leergesoffen sind, wird es einen Exodus von wohl mindestens 50% der Bewohner aus dieser Region geben.
    Auch der westliche Teil der Great Plains, der Kornkammer der USA, ist von dieser fortschreitenden Aridisierung betroffen. Die landwirtschaftliche Produktion wird nach beendeter Plünderung der dortigen Wasserressourcen zum Erliegen kommen.

    Aber klar: Klimawandel gibt es ja nicht, zumindest nicht in Gottes eigenem Land.
    Ruhet sanft.

  3. Korrektur: der Aquifer trägt natürlich den Namen Ogallala

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ogallala-Aquifer

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