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Bundestag sagt jein zu Teersanden

Große Enttäuschung herrscht heute unter den Klimaschützer/innen im Bundestag: Ein Antrag der Grünen wurde abgelehnt, mit dem sie die Bundesregierung dazu auffordern wollten, sich in Brüssel dazu einzusetzen, den Import von Öl aus kanadischen Teersanden in die EU zu verhindern. Die Europäische Kommission hat den Mitgliedsregierungen im Herbst 2011 im Rahmen ihrer Fuel Quality Directive einen Vorschlag vorgelegt, wie man die Emissionen verschiedener fossiler Treibstoffe im Lebenszyklus berechnet. Nach diesem Vorschlag bekommen Treibstoffe aus Teersanden einen höheren Wert – was einem Importverbot gleich käme. Dazu müssen sich jetzt die nationalen Regierungen verhalten.

Der Antrag der Grünen wäre eine schöne und klare Botschaft an die Bundesregierung gewesen, ihrer Verantwortung als Vorreiterrin in Sachen Klimaschutz und Energiewende gerecht zu werden. Und die Anzeichen auf Zustimmung auch von Teilen der Regierungskoalition im Vorfeld waren deutlich. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung. Aber zugleich ist das Ergebnis der Abstimmung, dass es – sichtbar an einigen Enthaltungen (u.a. der  – auch im Regierungslager inzwischen kritische Stimmen und Zweifel an der Glaubwürdigkeit des aktuellen energiepolitischen Kurses von Merkel gibt. Das ist doch ein Grund zur Hoffnung, oder?

In einem Brief an die Abgeordneten des Umweltausschusses schrieb die kanadische Regierung übrigens im Vorfeld:

„Kanada hat keinerlei Einwände gegen das Vorhaben der EU, Treibhausgase zu reduzieren. Ganz im Gegenteil, die Regierung von Kanada setzt sich dafür ein, die gesamten Treibhausgasemissionen Kanadas auf der Basis der Werte von 2005  bis zum Jahr 2020 um 17 % zu reduzieren und hat bereits maßgebliche Schritte eingeleitet, um dieses die Ziel zu erreichen. […] Kanada ist weiterhin besorgt über die Benachteiligung von Rohöl aus Ölsanden im Vergleich zu anderen Rohölen, die nach Europa importiert und dort verbraucht werden, und von denen einige vergleichbare oder sogar höhere THG Emissionen aufweisen. Wir sind der Ansicht, dass die Herangehensweise der Europäischen Kommission bei der Umsetzung der Richtlinie nicht auf wissenschaftlichen Fakten basiert und einen ungerechtfertigten Präzedenzfall schafft.“

 

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Diskussion

  1. Da kann man mal sehen, wie illusorisch die Emissionsverpflichtungen mancher Länder sind.
    Kanada will also seine Emissionen 2020 gegenüber 2005 um 17% reduzieren.
    Gleichzeitig soll aber die sehr emissionsträchtige Teersandförderung von ca. 1,4 mb/d auf über 3 mb/d gesteigert werden.
    Außerdem steigt die Bevölkerungszahl in Kanada etwa um 1% pro Jahr an, im Gegensatz zu den meisten OECD-Ländern.
    Da dürfte generell jede Emissionsreduzierung der Quadratur des Kreises nahekommen.
    Aber ganau wie in der Wirtschaft und dem Finanzwesen gibt es ja glücklicherweise die kreative Statistik, mit der man die Realität bestens umformen kann.
    So wird natürlich das dreckige Öl aus dem Bitumensänden an dem Ort des Verbrauchs in die Emissionen eingerechnet. So kann man das weniger emissionsträchtige Crude Oil aus eigener Förderung in seine Emissionen einrechnen und das Bitumensand-Öl für den Export deklarieren.

    Ich vermute jedenfalls, dass man sich solche Kunstgriffe einfallen lässt. Denn wie sollte Kanada sonst zu Emissionreduzierungen kommen, dazu noch um ganze 17% ?

    Übrigens: nicht nur Bitumensand-Öl sollte boykottiert werden, sondern auch z.B. Palmöl aus Indonesien, Kolumbien, Malaysia usw.
    Das dortige Regenwaldmassaker (teilweise sogar mit Brandrodung), die Trockenlegung der tropischen Moore und die Monokulturen, die nur eine Palmengeneration (ca. 30 Jahre) Bestand haben, bevor der ausgelaugte Boden unkultivierbar geworden ist, kann man als Maximum klimapolitischer Geisterfahrt bezeichnen.

  2. Kleine Ergänzung zum obigen Link: eine sachliche Ungenauigkeit ist darin enthalten.
    Zwar erstrecken sich die kanadischen Teersandvorkommen tatsächlich über eine Fläche, die etwa der Fläche Englands entspricht.
    Aber gut 75% der Vorkommen liegen in Tiefen unter 70 Metern (Oberkante der Bitumensandschicht) und sind für einen Abbau im Tagebau nicht zu erreichen.
    Um diese tieferliegenden Vorkommen zu nutzen, bedarf es des in-situ-Verfahrens. Dabei wird heißer Dampf über ummantelte Bohrungen in die Bitumenschichten eingeleitet und der Bitumen dünnflüssig gemacht. So kann er über eine separate Förderbohrung an die Oberfläche gefördert werden.
    Vorteil ist natürlich, dass weniger entwaldet werden muss.
    Dafür ist die in-situ-Technik aber mit einem gewaltigen Input an Energie und Wasser behaftet, so dass die Abwasserproblematik und die Inputenergieproblematik sogar größer ist, als bei der Tagebauförderung.
    Und da mehr Inputenergie mit den dazugehörigen Emissionen auf die Emissionen der Ölverbrennung aus dem Bitumensand hinzugerechnet werden muss, ist das in-situ-geförderte Öl klimapolitisch ähnlich negativ, wie das im Tagebau gewonnene Öl.
    Und natürlich ist in-situ teurer, sonst hätte man es ja auch bei oberflächennäheren Vorkommen eingesetzt.

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