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USA: Kohle unter Druck

Die Kohleindustrie steht mit dem Rücken zur Wand. Über das Ende neuer Kohlekraftwerke hatte ich zuletzt geschrieben. Sie werden deshalb nicht mehr gebaut, weil Umweltgruppen die Pläne mit Zähnen und Klauen bekämpfen – und dabei sehr erfolgreich sind. Der Sierra Club hat nach eigenen Angaben 110 neue Kohlekraftwerke mit seiner Beyond-Coal-Kampagne verhindert. Dass die Kampagne Wirkung zeigt, dürfte allerdings auch an den niedrigen Gaspreisen und neuen Umweltstandards liegen, die Investitionen in neue Kohlekraftwerke nicht länger rechtfertigen.

Lange Zeit galten alte Kohlekraftwerke dagegen als sichere Anlage für Investoren, weil sie längst abgeschrieben und die Betriebskosten vergleichsweise niedrig waren. Doch die Weisheit gilt nicht mehr. Dieses Bild macht deutlich, wie rasant die Kohle in der US-Stromerzeugung an Bedeutung verliert:

Quelle: U.S. Energy Information Administration

In nur drei Jahren ist der Anteil der Kohle in der Stromerzeugung von knapp 50% auf 39% gefallen. Zum ersten Mal seit 30 Jahren liegt ihr Anteil unter 40%. Wie ist dieser Rückgang zu erklären?

Die Kohle gerät unter Druck, weil die Umweltagentur EPA per Ordnungsrecht die Grenzwerte für Schadstoffe wie Schwefeldioxid und Quecksilber verschärft. Nach Berechnungen der deutschen Grünen gelten inzwischen in den USA schärfere Standards als in Deutschland. Die Nachrüstung lohnt sich in den meisten Fällen nicht. In Kentucky zum Beispiel hat der Stromversorger einen saftigen Aufschlag der Strompreise beantragt. Genehmigt der staatliche Regulierer die Preiserhöhung, müsste jeder Haushalt pro Jahr rund $470 mehr an Stromkosten berappen – nur, um weiter klimaschädlichen Kohlestrom zu beziehen.

Die Kohle gerät in den USA auch deshalb unter Druck, weil die Preise für Erdgas seit 2009 ins Bodenlose gefallen sind, dass zum Teil sogar bestehende Kohlekraftwerke auf Gas umgerüstet werden. Wären in den USA wie in Deutschland die Gas- an die Ölpreise gekoppelt, wäre Gas viel teurer, die Kohle wettbewerbsfähiger.

Kohle ist jedoch nicht in allen Sektoren ein Auslaufmodell. Während der Anteil der Kohle in der Stromerzeugung weiter zurückgehen dürfte, setzt die Industrie auf den Export. Der Verkauf ins Ausland lohnt sich vor allem deshalb, weil die Nachfrage in Asien steigt. Chinas Kohlehunger wird so zum Strohhalm der geplagten US-Kohleindustrie. Eisenbahnen in den USA profitieren bereits kräftig von den Kohletransporten durchs Land. Das Nadelöhr für den Export sind große Umschlaghäfen an der US-Westküste, in denen die Kohle vom Zug aufs Schiff umgeladen wird.
Klimaschützer rüsten sich deshalb für die nächste Schlacht: der Kampf gegen die Kohle-Exporthäfen.

Foto links oben von rsgranne unter CC BY-SA 2.0.

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Diskussion

  1. Freilich ist das prinzipiell eine positive Tendenz. Und zudem in dieser relativ kurzen Zeitspanne eine erhebliche prozentuale Änderung, die dort stattgefunden hat.
    Wenn man allerdings die Weltkohleförderung anschaut, verflüchtigt sich dieser positive Eindruck. Jahr für Jahr gibt es hier Mengenzuwächse, seit dem Jahr 2000 etwa um 60%.
    Leider ist nur diese Mengenentwicklung klimarelevant und nicht die begrüßenswerte positive Entwicklung in einem einzelnen Land.
    Zumal die methanemissionsträchtige unkonventionelle Gasförderung als Kompensation für die Reduzierung der Kohlestromproduktion dient.
    Aber leider gibt es ja keine transparente Gesamtemissionsbetrachtung für jede Art der Förderung und der Verbrennung fossiler Energieträger. Dann würde wohl Erdgas einiges von seinem RELATIVEN Klimaschonungs-Nimbus verlieren – zumindest was den größer werdenden Anteil des unkonventionellen Anteils angeht.

  2. Guter Punkt, der auch in den USA reflektiert ist. Denn der abnehmende Eigenverbrauch wird durch den Export kompensiert. Deshalb werben manche bereits fuer eine neue Strategie:

    Buy the damn coal and keep it in the ground!
    http://grist.org/coal/new-climate-strategy-buy-the-damn-coal-and-keep-it-in-the-ground/

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