--> -->

Leere Versprechen, die keine Hoffnung machen

Kurz vor dem Rio+20 Gipfel der Regierungen haben sich verschiedene Unternehmen im Kontext des UN Global Compact zu ihrem Rio-Gipfel getroffen. NGOs waren leider nur auf explizite Einladung zugelassen. Aber die hohen Teilnahmegebühren hätten sich die meisten auch eh nicht leisten können. Jedenfalls haben viele Unternehmen nun hier in Rio ganz wundervolle „Commitments“ abgegeben. Die Botschaft: Egal was unsere Regierungen machen, wir schreiten voran.

Fragt sich eben nur, in welche Richtung wir da eigentlich voranschreiten. Angesichts der Tatsache, dass die großen Konzerne bereits alles aus dem Gipfel herausgeholt haben, was möglich war und auch alles bekommen haben, was sie wollten (nämlich z.B. keine verbindlichen Regeln für Unternehmen, ganz viel Zusagen für Public Private Partnerships und keine strengen Umweltziele), wirken ihre „Commitments“ geradezu zynisch. Die gesamte Liste der freiwilligen Selbstverpflichtungen gibt es hier und eine kleine Auswahl ist hier beschrieben.

Beispiel Microsoft: Das Unternehmen will seine Emissionen bis Ende 2013 auf Null senken – vor allem durch Offsets. Das bedeutet: Microsoft muss seine Produktions- und Arbeitsweise nicht umstellen, sondern kauft sich dadurch frei, dass sie freiwillig Projekte für erneuerbare Energien oder CO2-Senken (also vermutlich so etwas wie REDD) finanzieren. Das ist nicht nur bequem und macht ein gutes Gewissen. Es behindert auch den tatsächlichen Umbau an den Emissionsquellen selber. Business as Usual for Microsoft also.

Anderes Beispiel Nike: Nike verpflichtet sich, bis 2020 entlang der gesamten Wertschöpfungskette für alle Produkte den Abfall von giftigen chemischen Stoffen komplett zu unterbinden. Klingt gut. Aber sollte doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass Nike unsere Umwelt nicht verseucht und dies auch bei seinen Zulieferern kontrolliert.

 

Du Pont: Du Pont ist das sechstgrößte Chemieunternehmen der Welt. Heute ist es außerdem das zweitgrößte Saatgut- und das sechstgrößte Agrochemieunternehmen. Nun verspricht das Unternehmen, bis 2020 4,000 neue Produkte auf den Markt zu bringen, um die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern. Angesichts der Tatsache, dass die Abhängigkeit von externen Düngemittelinputs und patentiertem Saatgut bereits jetzt viele Kleinbäuerinnen und -bauern in den Selbstmord treibt und es erwiesen ist, dass wir mit einer Produktivitätssteigerung nicht das Hungeproblem in der Welt lösen, macht mir dieses Versprechen eher Angst als Hoffnung.

 

Dieser Artikel wurde unter Allgemein kategorisiert und ist mit verschlagwortet.

Diskussion

  1. Welche Alternativen zur Farce der unternehmerischen Selbstverpflichtungen gibt es?
    Welche politische Instanz kann und soll in welchem Maße Rahmen setzen oder diktieren?

Kommentieren