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PwC und das 2°C-Ziel

Ein aktueller Bericht von PricewaterhouseCoopers (PwC) mit dem Titel „Too late for two degrees?“ (Low  carbon economy index 2012) wird gerade heiß diskutiert in der Klimacommunity. Die Debatte dreht sich vor allem um die Frage, ob die klimawissenschaftlichen Daten richtig präsentiert sind und ob die politische Message stimmt. Nachlesen kann man diese Debatte zum Beispiel bei den Klimarettern, bei Grist oder bei Climate Progress. Definitiv alles wichtige Fragen und bestimmt auch belebend für die Diskussion darum, wie wir die Emissionen tatsächlich runter bekommen. Allerdings fällt mir beim Lesen des Reports vor alle folgende Botschaft auf: Atomenergie und CCS seien wichtige Technologien für eine CO2-arme Wirtschaft. Sie werden in einem Satz mit erneuerbaren Energienaufgezählt und gleichermaßen als Lösung angeführt.

Da fragt man sich doch, ob PwC ggf. besondere Interessen hat, was die Verbreitung dieser Technologien angeht. Eine definitive Antwort auf diese Frage würde eine längere Recherche erfordern. Aber bereits ein kurzer Blick ins Internet ergibt zwei interessante Informationen:

– PwC hat gemeinsam mit der Coal Association of Canada einen Bericht herausgegeben, der den ökonomischen und sozialen Mehrwert der Kohleproduktion in Kanada lobt. Diese Studie erschien nur wenige Tage vo dem Low Carbon Economy Index. Klimawandel kommt darin nicht vor.

– PwC UK bietet der Atomindustrie besondere Beratungsdienste an, um mitzuhalten bei den „anderen grünen Technologien“.

Die Botschaft von PwC, dass das 2°C-Ziel angesichts aktueller politischer und ökonomischer Entwicklungen in sehr weiter Ferne liegt und wir uns ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen müssen, was das für unser Handeln heute bedeutet, teile ich voll und ganz. Es ist aber traurig und schaurig zugleich, wie technologieblind sich der Mainstream der Klima-Debatte dabei bewegt. Ich glaube nicht, dass wir es mit reinem Zählen von reduzierten Tonnen CO2 aus der Krise schaffen. Es mag wie eine Verschwörungstheorie klingen, dass es im Interesse von PwC liegen könnte, klimawissenschaftliche Panikmache zu betreiben, um Irrwegen wie Atom und Kohle auf die Beine zu helfen. Der Kampf um die richtigen (und gerechten) Lösungen jedenfalls ist ein politischer. Und wir werden ihn nur führen können, wenn wir uns der normativen und machtpolitischen Waffen unserer Gegner bewusst sind.

 

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Diskussion

  1. Liebe Lili,
    den Vorwurf der „Panikmache“ kann man m.E. nicht erheben. Jedenfalls deckt sich PWC’s Analyse mit vielen anderen ähnlichen Studien in der Grundaussage. Es wird extrem schwierig, die 2°C Grenze noch zu halten.
    Dass PWC an anderer Stelle Berichte pro Kohle schreibt, ist nicht überraschend. Es ist eine Consultancy, die schreibt was der Auftraggeber will. Also wenn der Auftraggeber ein Kohleverband ist, der bestimmte Interessen hat, wird die Analyse so zugeschnitten. Die lassen einfach bestimmte Fakten weg. So funktionieren solche Business-Consultancies, ob das McKinsey, BC, oder BWC ist.
    Den Klimawandel zu dramatisieren, um Kohle zu promoten, macht keinen Sinn. Als Begründung für Atom könnte er im Prinzip schon eher herhalten. Aber auch hier können wir inzwischen beruhigt sein: Die Atomkraft scheitert an ihren enormen Kosten. Das Problem ist klimapolitisch eher, dass falsche Hoffnungen auf die Atomkraft gesetzt werden und sie daher in den energiepolitischen Szenarien eine Platz belegt, den sie dann nicht ausfüllt. Siehe z.B. im UK, das im Prinzip ohne eine belastbare Energiestrategie dasteht.

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