--> -->

COP 18 Präsident: „Make love, not war“

„Ein Erfolg in Doha ist der Schlüssel zur Zukunft, der Schlüssel zur Welt, zum 21. Jahrhundert. Es geht nicht nur um ‚eine‘ Lösung, sondern um ‚die‘ Lösung.“ Mit diesen Worten wandte sich heute der Präsident der COP 18, His Excellency Abdullah Bin Hamad Al-Attiyah, Dirkctor der Qatar Administrative Control and Transparency Authority, an die Beobachterorganisationen (also die Umwelt-NGOs, Gewerkschaften, Frauen- und Gender-Gruppen usw.).

In einer 90 minütigen Session stellte er sich gemeinsam mit zwei Beratern den Fragen und Antworten aus dem Publikum. Und die waren zwar alle diplomatisch formuliert, aber teilweise doch sehr direkt und unangenehm: Wie sieht es mit Arbeitsrechten im Land aus, wollten die Gewerkschaften wisse. Wird das gute Bus- und Recyclingsystem der Konferenz anschließend in der Stadt weitergenutzt, fragten die lokalen NGOs. Tatsächlich in Bedrängnis brachten die Kataris aber nur die Fragen, die darauf abzielten, ob ihre Regierung bereit sei, hier in Doha konkrete nationale Klimaschutzziele auf den Tisch zu legen.

Die Antwort blieb etwas ausweichend: Im Prinzip ja, der Prozess sei unterwegs und bis Ende 2013 sei man auf jeden Fall bereit. Klar ist aber auch, dass sich Katar in dieser Hinsicht nicht ohne die anderen Golfstaaten bewegen wird und Saudi Arabien dabei ein großes Problem darstellt. Das ist einer der Punkte, die in den kommenden Tagen hier in Doha noch spannend bleiben werden. Unglaublich aber ist es doch, dass er darauf pochte, dass Katar unmöglich hinter den Entwicklungsstandard von 1950 zurückfallen könne, als das hier noch ein „armes Entwicklungsland“ war und es ihnen durchaus bewusst sei, dass das Öl (und Gas) vielleicht in 200 (!) Jahren ausgehen könne und man sich langsam (!) auf den Übergang vorbereiten müsse…

Die Lacher auf seiner Seite hatte His Excellency in jedem Fall aber dann wieder als er auf die Frage der Youngos (Vertretung der Jugend) darauf verwies, dass wir doch alle mal jung waren und Hoffnungen hatten („Make love, not war“), aber ja auch irgendwann alt (und weise) werden.

Die COP 18 Präsidentschaft hat hier in Doha in der ersten Woche jedenfalls bisher wenig Weisheit gezeigt und wirkt alles in allem doch ziemlich überrascht von der Ernsthaftigkeit des Anliegens und den Aufgaben einer Präsidentschaft. Geradezu bizarr wirkte dabei der Aufruf des Präsidenten der COP, wir mögen uns doch alle an der Demonstration morgen früh von 8 bis 10 Uhr beteiligen!

Diese Demonstration ist übrigens mühsam errungen und keineswegs selbstverständlich… Während hier die UN Klimakonferenz tagt, wurde gerade der Dichter und Autor des im Arabischen Frühling berühmt gewordenen „Jasmine Poems“, Mohammed ibn al-Dheeb al-Ajami, zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt (AI, HRW, BBC). Er wurde bereits letztes Jahr im November verhaftet.  Und das UN Folterkommitte mahnt die Regierung eindringlich, Inhaftierte nicht zu foltern – eine Warnung, die nicht ohne Grund kommt.

Das Gedicht gilt als Beleidung des Emirs von Katar, vor allem wegen der berühmten Zeile: „We are all Tunisia in the face of the repressive elite” (leider habe ich weder das gesamte Gedicht im Original noch eine Deutsche Übersetzung online gefunden…). Und wenn wir His Excellency nun doch beim Wort nehmen: „I am today here not representing Qatar, but the whole world.“?

 

Dieser Artikel wurde unter Allgemein kategorisiert und ist mit verschlagwortet.

Diskussion

  1. Die unangenehmste Frage wurde „seiner Exzellenz“ bestimmt nicht gestellt:
    „Wie würde wohl die Erde aussehen, wenn alle 7 Milliarden Menschen ein matereilles Lebensniveau hätten, wie Sie, Euer Exzellenz?“

    Die Antwort könnte man auch gleich hinterherschieben: sie wäre innerhalb weniger Jahrzehnte für Menschen annähernd unbewohnbar.

    Aber so ist das: je reicher die Sprücheklopfer (sprich: je größer der jeweilige energetische/ökologische Fußabdruck) desto flammender deren Appelle hinsichtlich Klimaschutz und Gerechtigkeit.

    Kognitive Dissonanz zum Quadrat.

Kommentieren