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Kleiner Zwischenstand zu Beginn der zweiten Woche des Klimagipfels in Doha

Es war eine typische erste Woche hier in Doha. Die Delegationen haben viel Zeit damit verbracht, kleinere Probleme zu lösen und die Debatte so vorzubereiten, dass sich nun die anreisenden Ministerinnen und Minister um die wichtigen Fragen kümmern können. Und fast jeder kleine und auch größere Stolperstein hier war vorhersehbar. Aus dem Weg geräumt sind sie damit noch lange nicht. Offene Fragen für das High-Level-Segment sind zum Beispiel rund um das Kyoto Protokoll die Länge der zweiten Verpflichtungsperiode, die Höhe der Ambitionen und die Frage, ob die, die nicht mehr mitmachen (z.B. Russland, Kanada, Japan), trotzdem weiter Zugang zu den flexiblen Mechanismen (also CDM und Joint Implementation) bekommen.

Außerdem machen vor allem diejenigen Länder große Probleme, die eine große Menge an „heißer Luft“ (sozusagen Emissionsrechte, die sie zu viel bekommen und nicht aufgebraucht haben im Zuge der Deindustrialisierung) aufgespart haben und in der zweiten Periode nutzen wollen – was das Klimasystem endgültig sprengen würde. Hier geht es vor allem um Russland und – schlecht für die EU – auch um Polen, die Gastgeber der nächsten Klimakonferenz…

Der Verhandlungstrack, der in Bali 2007 begonnen  wurde und eigentlich in Kopenhagen in ein globales Abkommen münden sollte (LCA – longterm cooperative action) soll hier in Doha geschlossen werden. Allerdings gibt es nach wie vor eine ganze Reihe von Themen, die aus Sicht vieler Entwicklungsländer offen bleiben und kein zukünftiges natürliches Zuhause im neuen Verhandlungstrack ADP finden, der in Durban begonnen hat und bis 2015 zu einem Abkommen führen soll, das 2020 in Kraft tritt.

Und in dem ADP Track wiederum wird hier sowohl über das neue Abkommen verhandelt als auch über die wichtige Frage, was wir eigentlich zwischen jetzt und 2020 tun, wenn doch die globalen Emissionen bis 2015 ihren Peak erreichen sollen? Gute Ideen gibt es dazu in Doha viele. Und es ist vor allem ermutigend zu sehen, dass sehr viele Länder, und auch die EU, das Thema Abbau fossiler Subventionen immer wieder in diesem Kontext nennen. Allerdings sieht es in der Realität so aus, dass fast alle Länder mehr Geld für fossile Subventionen als für Klimafinanzierung ausgeben. Einen Überblick dazu gibt es bei Oilchange International.

Mit großer Spannung warten jedenfalls alle hier darauf, ob die Katarische Regierung morgen alleine oder mit den anderen Regierungen des Gulf Cooperation Councils (GCC) ein freiwilliges Klimaziel (NAMA pledge) auf den Tisch legt. Dagegen hat Saudi Arabien sich bisher erfolgreich gestemmt.

Die große Überraschung der COP 18 könnte aber noch von ganz andere Natur sein: Eine Entscheidung über mehr Geschlechtergerechtigkeit hat es auf die Agenda geschafft und der Entwurf sieht vor, dass mehr Frauen in allen Gremien und Delegationen vertreten sind und es bei der nächsten COP einen Workshop dazu geben soll, wie das Ziel der Gender Balance und gendersensitiven Klimapolitik umgesetzt werden können.

Foto: Stefan Schurig, WFC. Die >2°C Poster wurden inzwischen alle entfernt…

Ein kleines Update (5.12.): Katar hat heute weder Finanzen noch Reduktionsziele auf den Tisch gelegt, sondern die Gründung eines neuen Klimaforschungsinstitut gemeinsam mit dem PIK angekündigt.

 

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Diskussion

  1. Und wie sieht die Realität jenseits der Traumstadt Doha aus?
    Zum Beispiel so:

    „Von den 1,143505 Millionen Total Light Vehicle Sales im November 2012 in den USA, waren 578’791 bzw. 50,6 Light Trucks, also Vans, Minivans, Sport Utility Vehicles (SUVs) und Pick Up’s.“
    Quelle: Querschüsse.de

    Damit ist nicht nur die Anzahl der neu zugelassenen Autos binnen Jahresfrist um 15% in den USA gestiegen, sondern der Anteil der Light Trucks liegt erstmals über 50%, nachdem er schon in der Vergangheit zwischen 47 und 50% pendelte.
    Und diese Light Trucks mit Spritverbräuchen oft jenseits der 10-Liter-Schwelle auf 100 KM werden ja nicht in 3 Jahren wieder ausrangiert, sondern emittieren im Schnitt 15 Jahre lang große Mengen CO2.
    Jedes Kohlekraftwerk, welches jetzt zusätzlich in China, Indien, Indonesien usw. ans Netz geht, sorgt 40 bis 50 Jahre Lang für Emissionen.
    Jede zusätzliche Shopping-Mall, die in vielen Ländern wie Pilze aus dem Boden schießen, sorgt jahrzehntelang für zusätzlichen Verkehr durch die benötigten großen Einzugsgebiete. Das Gleiche gilt für Erlebnisparks, Großflughäfen, Kreuzfahrtschiffe und vieles Andere.
    Man braucht nur darauf zu schauen, was Jahr für Jahr mehr an fossil basierter Infrastruktur und fossilen Eergieerzeugungseinheiten neu installiert wird, was an Hochverbrauchsfahrzeuen neu auf die Straßen und Weltmeere kommt, und schon kann man die Entwicklung der zukünftigen Emissionsmenge vorausberechnen.
    Es ist völlig weltfremd, darauf zu hoffen, in diesem Jahrzehnt würde ein Emissionspeak überschritten werden.
    Und dann ist ja nicht zu vergessen, dass Jahr für Jahr die Einwohnerzahl Deutschlands per Saldo ZUSÄTZLICH auf die Welt kommt.
    Bis zum Jahr 2050 zusätzlich etwa die 30-fache Menge der deutschen Bevölkerung bzw fast so viel, wie China und Indien heute zusammen an Einwohnern haben.

  2. Und auch hier ein Beispiel für den ökologischen Kamikaze-Kurs, auf den sich immer mehr Länder begeben:

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18492

    Merke: nicht alles, was unter „erneuerbarer Energie“ firmiert, ist klimapolitisch oder ökologisch sinnvoll.
    Palmöl ist von der Umweltbilanz her eine der übelsten Arten, Energie zu gewinnen.
    Wobei natürlich immer gilt: die Dosis macht das Gift!

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