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Bopha und Doha: von Klimawandelopfern und -tätern

Kurz vor Beginn der Klimakonferenz in Doha hat Walden Bello, Gründer von Focus on the Global South und Abgeordneter im philippinischen Parlament, gemeinsam mit Richard Javad Heydarian einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel (übersetzt): „Warum die Philippinen es sich nicht leisten können, in Doha zu den ‚Like-minded‘ Ländern zu gehören.“ Der Inhalt gewinnt vor dem Hintergrund der Verwüstungen des Taifuns Bopha nochmal eine ganz besondere Bedeutung…

Die „Group of like-minded Countries“ ist ein loser Zusammenschluss von circa einem Dutzend Entwicklungsländern, die ihre Positionen in den Klimaverhandlungen abstimmen. Warum nun findet Walden Bello es schlimm, dass die Philippinen kurz vor Doha an einem Treffen dieser Gruppe in Peking teilgenommen haben?

Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die G77 in den Klimaverhandlungen schon lange kein einheitlicher Block mehr ist. Zuletzt wurde das in Durban deutlich. Länder wie China und Saudi Arabien sind heutzutage große Verschmutzer und vertreten hier nicht unbedingt die gleichen Interessen wie beispielsweise Mali oder Vanuatu. Oder die der Philippinen…

Folgende Aussagen aus dem Artikel von Walden Bello finde ich besonders interessant – und das auch im Kontext des Endspurts hier in den Klimaverhandlungen im Qatar National Convention Center…

It is this massive gap between the planetary emergency and the frustrating realpolitik of climate negotiations that inflames global public opinion, especially against the two top carbon emitters, the United States and China. The Philippine negotiating team in Doha must articulate the interests of developing countries vis a vis these two economic superpowers.  It cannot allow itself to be instrumentalized by either of these intransigent parties, whose carbon waste is a major contributor to the increased frequency of extreme weather events.  The Philippine negotiators, who have not been known for staking out independent positions in the climate negotiations, must be especially wary of China, which is the dominant voice in the core of so-called “Like-minded Countries” in the Group of 77 and China bloc to which our country belong

[…] But few among the Annex 1 countries are likely to buy Beijing’s line. Indeed, while not placing Beijing at the same level as a climate outlaw like the United States—and although they are hesitant to say so publicly—a number of developing countries see China as an opportunist hiding behind the skirts of the Group of 77 and are upset at its hardline stance against making mandatory commitments. It is clear that despite their seemingly antagonistic positions, the United States and China actually complement each other, since their intransigent stands prevent the achievement of a tough global agreement that would finally put a stop to their uncontrolled emissions.

[…] The Philippines could take a leadership role in promoting the Grand Compromise.  By departing from the bankrupt “like minded” approach of defending super carbon busters like China from making any commitments for greenhouse gas reductions, it could bring a critical mass of other countries along with it, leading perhaps to breaking the stalemate in the climate talks.

Ich nehme an, dass die Opfer des Taifuns ihm nur zustimmen können! Auf einmal ist der Klimawandel keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern mitten drin in den Verhandlungen. Einige Mitglieder der philippinischen Delegation hier warten immer noch auf Nachricht von ihren Familien in Mindanao… (hier kann man die bewegende Rede im Abschluss-Plenum der Kyoto-Arbeitsgruppe in Doha sehen).

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Diskussion

  1. Es ist ja zu begrüßen, wenn Vetreter bestimmer Länder aktuelle WETTERerscheinungen in Form Unwettern mit drastischen Auswirkungen auf die örtliche Bevölkerung zum Umdenken in KLIMAfragen bringt.
    Aber Vorsicht! Bei allen Betrachtungen zum ganz offensichtlich stattfindenden Klimawandel sollten sich diejenigen, die vor den unkalkulierbaren Folgen eines weiteren und sich womöglich beschleunigenden globalen Klimawandels warnen, nicht der gleichen unseriösen Mittel bedienen, wie die Klimawandelnegierer das in ihrem Sinne tun: nämlich Wettererscheinungen oder Witterungsauffälligkeiten mit KLIMAentwicklungen gleichzusetzen.
    Natürlich hat es im Taifun-/Hurrikangürtel der Erde auch schon in früherer Zeit (z.B. in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts) vereinzelt Taifune bzw Hurrikans der Stärke 4 und 5 gegeben, also stärker, wie der auf den Philippinen. Heute sind die Auswirkungen deshalb dramatischer, weil auf Grund der Bevölkerungsdichte, der Urbanisierung und des Umfangs der Infrastruktur die Schäden heute deutlich größer sind.
    Der Zyklon, der 2008 über das Irrawaddy-Delta hinwegzog, kostete vor allem deshalb zigtausende Menschen das Leben, weil die knapp über dem Meeresspiegel liegenden Uferzonen heute vielfach dichter besiedelt sind, als z.B. vor 100 Jahren.

    Aber diese extremen Unwetter sind keineswegs klar dem Klimawandel zuzuordnen.
    Da müssen wir uns um größtmögliche Seriosität bemühen, um nicht durch die Leugnerfraktion angreifbar zu werden.

    Wenn jedoch ein Umdenken auf Grund auch von Wetterphäomenen erfolgt, sollte man den Erkenntnisprozess trotzdem begrüßen.

  2. Im Fall von Sandy ist die Zuordnung ziemlich eindeutig, siehe z.B. http://blogs.scientificamerican.com/observations/2012/10/30/did-climate-change-cause-hurricane-sandy/ Für Bopha habe ich dazu noch nichts gelesen, kommt aber bestimmt auch bald.

  3. In der Tat.
    Bei Sandy war sowohl die Jahreszeit – nach dem üblichen Ende der Hurrikanhauptsaison – als auch die Höhe der Flut und die Beibehaltung einer großen Intensität auf dem langen Weg nach Norden schon bemerkenswert.
    Davon jedoch abgesehen waren die letzten 5 Hurrikan-Seasons eher unterdurchschnittlich.
    Was in den letzten Jahren jedoch eindeutig zugenommen hat, ist die Zahl und durchschnittliche Intensität der Tornados in den USA – und nicht nur in den USA.
    Das scheint ein fester Trend zu werden.

    Aber der Klimawandel macht sich meist eher unspektakulär und eher schleichend bemerkbar:
    z.B.
    -Austrocknung größerer Regionen im westlichen Corn-Belt der USA, in Argentinien und dem südlichen Teil Brasiliens, größeren Teilen Ost- und Südafrikas, dem nördlichen China,
    -sich langsam verstetigende Tendenz anderer Monsun-Muster in Indien (späterer Beginn, teils längere trockene Phasen in der Monsunzeit), wobei allerdings zu erwähnen ist, dass im 19. Jahrhundert mehrere Male der Monsun in Indien fast völlig ausblieb, was jedes Mal Hungerkatastrophen zur Folge hatte,
    -die Tendenz zu deutlich wärmeren Sommern in Sibirien und Nordkanada/ Alaska sowie Temperaturrekorde im Sommer z.B. in Lappland in immer stärkerem Ausmaß (was übereinstimmt mit der Aussage von Klimaforschern, dass sich Arktis und Subakrtis deutlich überdurchschnittlich erwärmen werden),
    -die immer stärkeren Abtauprozesse auf Grönland und dem arktischen Ozean…

    Das scheinen heute die hot spots des Klimawandels zu sein, wobei sich regionaler und globaler Klimawandel teilweise überlagern.
    Regionaler Klimawandel tritt verstärkend dann auf, wenn z.B. große Waldflächen gerodet werden oder Oberflächengewässer durch Wasserraubbau verschwinden (extrem z.B. die Klimaänderung im Aralseegebiet, das früher für sein vergleichsweise mildes Klima bekannt war, jetzt aber ein extrem trocken-kontinentales Klima mit extremen Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter aufweist) Hier sind überwiegend lokale Parameteränderungen der Grund für die starke Änderung, wobei es nie Monokausalität gibt.
    Aber der Einfluss von Übernutzung der Biosphäre auf die regionalen Klimabedingungen sollte im Klimadiskurs durchaus mehr Platz haben, ohne freilich die Brisanz des globalen Wandels zu relativieren.

  4. Es ist immer wieder belustigend wie einige über den Klimawandel schreiben. Da kann man auch gleich über die Erddrehung schreiben. Ebenso sinnvoll. Klimawandel hat es schon immer gegeben. Jetzt sind wir grade in einer kleinen Eiszeit, und es wird kälter werden, nicht wärmer wie behauptet. Solange man mit Panikmache Geld verdienen kann, werden Politiker und Medie auf diesen Zug aufspringen.

  5. „Klimawandel hat es schon immer gegeben.“

    Vollkommen richtig! Und zwar heftigst! Von „Schneeballerde“ bis hin zu subtropischem Klima an den Polen inklusive krachsauren Ozeanen – alles schon dagewesen.
    Einziger Unterschied: damals lebten nicht etliche Milliarden unserer Spezies auf der Erde, die existenziell auf ein zunächst halbwegs stabiles Klima angeiwesen sind, so lange sich die Menschheit in der Nähe ihres zahlenmäßigen Maximims befindet.
    Und als Menschenfreund liegt mir doch etwas daran, dass nicht selbstverschuldet einige Milliarden Menschen in existenzielle Nöte kommen, bloß weil wir unsere Gastrolle auf dem Planeten mißbrauchen.

    Nebenbei: solch einen Gast wie uns, der sich aufführt als gäbe es kein Morgen, hätte ich schon längst rausgeschmissen. Unser Planet ist also bisher über die Maßen gastfreundlich zu uns.

    Aber ich vermute, meine Gedankengänge klingen für Dich ziemlich seltsam. Weil Du der Ansicht bist, alles was wir treiben ist völlig normal und stünde uns zu.

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