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Nach der Rede: Klimaschützer optimistisch trotz Obamas Unterstützung der Frackingindustrie

SOTUCloudEs war eine von Klimaschϋtzern lang ersehnte Rede. Die Weichen hatte Präsident Obama bereits bei seiner Antrittsrede im Januar gestellt, in der er den Klimaschutz als Priorität seiner zweiten Amtszeit skizzierte. „You’re going to like what you hear“ hatten Obamas Energieberater in den Tagen vor der großen Rede aus dem Weißen Haus verlauten lassen. Die Umwelt-Community hatte sogar mit der Ankündigung von konkreten CO2- Regulierungsmaßnahmen des gesamten amerikanischen Kraftwerkparks gerechnet. Obwohl die erste Rede zur Lage der Nation in der zweiten Amtszeit eines US-Präsidenten immer die ambitionierteste ist, kam es soweit dann doch nicht.

von Rebecca Bertram, HBS Washington DC

Trotzdem war die Rede für amerikanische Klima- und Energiepolitik bedeutend. Obama nutzt das politische Momentum im Nachgang der Verwüstungen durch Jahrhundertsturm Sandy und der schlimmsten Dürre seit über 50 Jahren, um den Klimawandel als nationales Sicherheitsdilemma darzustellen. Er spricht das Thema bereits an zweiter Stelle nach der umstrittenen Steuerreform und noch vor seinen anderen innenpolitischen Prioritäten, wie die Verschärfung der Waffengesetze und die Einwanderungsreform, an. Er verkündet, er wolle die Energieeffizienz in Gebäuden in den nächsten zwanzig Jahren verdoppeln. Außerdem will er mit einem Teil der Einnahmen der Öl- und Gasindustrie einen Energy Security Trust ins Leben rufen, der den Übergang in einen Transportsektor, der nicht mehr vom Öl abhängig ist, erleichtern soll.

Enttäuschend kam dann allerdings Obamas klare Position für – und nicht gegen – das Fracking. Manch hoffnungsvoller Umweltschützer hatte vor der Rede immerhin mit verschärften Regulierungen der Schiefergasbohrungen durch Obamas Umweltbehörde EPA gerechnet. Stattdessen stützt sich der Präsident weiter auf seine Wahlkampfaussage All of the Above, um die amerikanische Energieunabhängigkeit durch einen abgewogenen Energiemix sicherzustellen.

Wie sieht also der Ausblick aus? Der Präsident weiß, dass sein Kongress auch in den kommenden Jahren im Hinblick auf das Energie- und Klimathema gespalten bleibt, und es kein föderales Energie- und Klimagesetzespaket geben wird. Schlau ist er, denn er schiebt dem Kongress zunächst trotzdem den Ball zu: „If Congress won’t act soon to protect future generations, I will.“ Lasst uns also hoffen, dass Obama hier lieber früher als später die Geduld ausläuft, und er die Rolle seiner Exekutive neu erfindet und dazu nutzt, den Klimawandel und den Ausbau der Erneuerbaren Energien in den USA aktiv voranzutreiben.

Foto von  KJGarbutt unter CC BY-ND 2.0

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Diskussion

  1. Auf der einen Seite verbal sich für EE und CO2-Regulierung aussprechen und auf der anderen Seite zu befürworten, auch noch das letzte bisschen an konventinellen und unkonventionellen Gas- und Ölvorkommen aus dem Boden zu holen und zu Verbrennen passt ganz prinzpiell nicht zusammen.

    Insofern sind die Passagen in Obamas Rede, die man als Schritt nach vorne interpretiren könnte, leider wertlos.

    Nur eines entscheidet über die zukünftige Klimaentwicklung: wieviel Öl, Gas und Kohle wird aus dem Boden geholt und verbrannt.
    Nur das Öl und Gas und die Kohle bleibt klimaneutral, die in der Erde verbleibt.
    Und da die USA wie besessen drillen und fracken, sind alle klimapolitischen Statements nur Lippenbekenntnisse.

  2. Wer einen Zeitaufwand von 1 Stunde 45 Min nicht scheut, um einige Details über das Fracking zu erfahren, sollte sich den folgenden Vortrag ansehen:

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=mSWmXpEkEPg

    Von den vielen interessanten Zahlen sei nur eine hervorgehoben: bei der Gasförderung plus Gastransport/Distribution entweichen zwischen 2 und 6% des geförderten Gases (als vor allem Methan). Egal, ob bei der konventionellen oder unkonventionellen Förderung. Bei der konventionellen Förderung vermutlich eher 2…4%, bei der unkonventionellen Förderung 4…6%.
    Gehen wir also von durchschnittlich 4% Gasverlust aus.
    Die Klimarelevanz des Methans liegt um den Faktor 20…25 höher als die des CO2.
    4% multipliziert mit dem Faktor 25 bedeutet, dass schon VOR dem Verbrennen des Gases die Klimarelevanz des unkontrolliert entweichenden Gases etwa genau so hoch ist wie die des CO2, das beim Verbrennen entsteht.
    Die Klimabilanz des Erdgases fällt also doppelt so schlecht aus, wie die einseitige Betrachtung der CO2-Emissionen durch die Verbrennung suggeriert.
    Somit hat also Erdgas, das für die Produktion einer KWh Energie bereitgestellt und verbrannt wird etwa die gleiche Klimabilanz wie Braunkohle für die Produktion ebendieser Energiemenge und eine schlechtere Bilanz wie Steinkohle oder Erdöl.

    Aber überall wird die Ode auf das „klimafreundliche Gas“ gesungen. Leider sogar in Kreisen sogenannter Klimaschützer (Steigerungsform: Klimaretter).

    Wir bauen uns potemkinsche Dörfer auf, um das Gewissen zu beruhigen.

  3. Hier eine deutsche Zusammenfassung des Vortrags von Dr. Ingraffea zum Fracking:

    http://www.peak-oil.com/2013/03/facts-on-fracking-eine-deutsche-zusammenfassung/

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