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Schnitzel oder CCS?

Es kommt eher selten vor, dass ich mich ernsthaft über einen Kommentar der taz aufrege. Und noch seltener, wenn es dabei um Klimathemen geht. Aber am Freitag schrieb Bernhard Pötters, Redakteur für Wirtschaft und Umwelt, doch tatsächlich auf der Titelseite der taz: „Der Klimawandel zwingt uns, lieb gewordene Gewohnheiten über Bord zu werfen, sei es das Schnitzel oder den Urlaubsflug. Da können wir bei unserem Widerwillen gegen CCS gleich anfangen.“ Der Kommentar war mit der Überschrift „Pyrrhussieg der Umweltschützer“ überschrieben.

Der Autor argumentiert aus 3 Gründen für die Erforschung der umstrittenen Technologie. Und alle 3 halte ich für grundlegend falsch:

1. Argument: Wir werden weiterhin Produktionsprozesse haben, bei denen CO2 emittiert wird. Daher brauchen wir die Technologie.

2. Argument: Der Klimawandel schreitet immer schneller voran und ist kaum noch zu stoppen. Da müssen wir nach jedem Strohhalm greifen.

3. Argument: China und Indien bauen munter weiter Kohlekraftwerke. Außerdem planen wir große Biomassekraftwerke. Auch die werden emittieren.

Selbst konservativen Schätzungen zufolge ließe sich unser globales Co2-Budget unter Anwendung von CCS nur um knapp mehr als 10 % erhöhen. Das Investitionsbudget, das für die Erforschung und Verbreitung erneuerbarer Energie zur Verfügung steht, würde allerdings massiv geringer ausfallen, wenn die teure Technologie weiter erprobt wird.

Und Energiewende heißt eben nicht einfach ein Beibehalten großer Kraftwerksstrukturen und ein Austausch von Kohle durch Biomasse. Von der extrem teuren CCS Technologie könnten höchstens die Großkonzerne profitieren.

Zudem klingt das Argument von Bernhard Pötters doch stark wie das der Geoengineering-Befürworter: Aufgrund der Dringlichkeit des Klimawandels ist jedes Mittel recht. Und vor allem auch jede Technologie. Das bietet extrem bequeme Schlupflöcher für diejenigen, die an einem ernsthaften Wandel kein Interesse haben und die Politik mit fadenscheinigen Zukunftsaussichten in falscher Sicherheit wiegen wollen.

Ein Ausspielen von globalen Klimaschutzzielen gegen lokale Umweltbelange halte ich ebenfalls für keine geeignete Strategie. Mir ist es definitiv lieber, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger in Norddeutschland bewusst gegen eine falsche, riskante und teure Technologie entscheiden und damit wichtige politische Weichenstellungen ermöglichen, als wenn sie sich ein paar Schnitzel verkneifen. Da hätte ich mir auch von der taz in jedem Fall mehr erwartet!

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