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Schlechte Nachrichten aus Brasilien: Entwaldungsraten steigen

Gastbeitrag von Thomas Fatheuer (live von der COP 19 in Warschau)

Der Zeitpunkt konnte nicht unglücklicher sein. Mitten während der Klimaverhandlungen in Warschau musste die offensichtlich irritierte und frustrierte brasilianische Umweltministerin Izabella Teixeira ein Ansteigen der Entwaldungsraten im brasilianischen Amazonasgebiet verkünden. Aufgrund von Zwischenergebnissen und vorläufigen Zahlen war dies keine wirkliche Überraschung, aber nun ist die bittere Wahrheit offiziell.

Nach vier Jahren ununterbrochener Reduzierung der Entwaldungsraten sind diese nun zum ersten Mal wieder angestiegen, und zwar um 28% auf 5843km². In keinem Land der Welt wird mehr Wald zerstört als in Brasilien. Seit 2005 war die Regierung es gewohnt, jedes Jahr neue Erfolgszahlen zu verkünden – nur 2008 bildete eine Ausnahme. Und auch wenn die aktuellen Zahlen weit entfernt von den Spitzenwerten von 2003 und 2004 (damals bei 25 000km²) liegen, werfen sie doch einige Fragen auf. Brasilianische NGOs verweisen in ersten Stellungnahmen auf das Offensichtliche: Die Entwaldungsraten steigen genau nach der Verabschiedung der Revision des Waldgesetzes (Codigo Florestal) an. Dieses hatte einige Auflagen gelockert und für vergangen Entwaldung eine Quasi- Amnestie erlassen. Wahrscheinlich waren es weniger die konkreten Vorschriften des Waldgesetzes als das politische Signal, das mit den Änderungen ausgesendet wurde, das ein Ansteigen der Entwaldungsraten begünstigte.Brasilien hat in Kopenhagen das freiwillige Ziel verkündet, seine Entwaldungsraten bis 2020 um 80% zu reduzieren. Die bedeutet eine jährliche Entwaldung von 3925km² . Die Frage ist nun, ob die neuen Zahlen eine Trendwende kennzeichnen und die Grenzen der bisherigen Maßnahmen zur Reduzierung von Entwaldung erreicht sind oder, wie die brasilianische Regierung beschwichtigend erklärt, eher ein natürliches Oszillieren darstellen. Dies kann nur die Zukunft entscheiden. Jedenfalls wächst die Skepsis gegenüber der offiziellen Erfolgsstory.

In Warschau sollten die Zahlen dazu dienen, die Dringlichkeit effektiver Maßnahmen zur Reduzierung von Entwaldung nicht zu vergessen. Es ist die Frage, ob die letzten großen tropischen Regenwälder dieser Welt den aktuellen Verhandlungsrhythmus in nennenswerten Ausmaß überleben.

Eine gute graphische Darstellung der neuen Entwaldungsdaten (mit portugiesischem Text) findet sich hier.

 

 

 

 

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Diskussion

  1. http://www.welt.de/wissenschaft/article121935241/Wo-die-Waelder-der-Welt-verschwinden.html

    Die tropischen Regenwälder sind verletzlicher als zum Beispiel die borealen Waldregionen und haben kaum eine Chance auf Erholung, wenn dort einmal der Pflanzenbestand des Primärwaldes entfernt wurde.
    Das liegt einmal daran, dass die Böden der tropischen Regenwälder sehr nährstoffarm sind. Die Nährstoffe befinden sich zum größten Teil in der Pflanzenmasse selbst. Für eine längere landwirtschaftliche Nutzung sind diese Böden nicht gut geeignet.
    Dazu kommt die meist hohe Bodenerosionsrate auf Grund der tropischen Starkniederschläge, wenn das Land brach liegt oder mit meist nicht sehr erosionshemmenden Kulturen bepflanzt wird.
    Weiterhin wird bei Abholzung großer zusdammenhängender Flächen das Regionalklima verändert. Die bodennahen Temperaturen steigen dann durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung sehr stark an und der Boden trocknet aus.
    Insbesondere durch Trockenlegung tropischer Moore (z.B. auf Borneo, für die Bepflanzung mit Ölpalmen) werden Kohlenstoffsenken mit großer Speicherkapazität beseitigt. Die Beseitigung von Kohlenstoffsenken beschränkt sich also nicht nur auf die Biomasse der tropischen Regenwälder.

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