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Berta Cáceres, Umweltaktivistin – ermordet im Kampf gegen ein Staudammprojekt

Dass die Arbeit als Umweltaktivist/in lebensgefährlich sein kann, ist bekannt. So hat Global Witness im Bericht How many more? vor einem knappen Jahr festgestellt:

Each week at least two people are being killed for taking a stand against environmental destruction. Some are shot by police during protests, others gunned down by hired assassins. As companies go in search of new land to exploit, increasingly people are paying the ultimate price for standing in their way. We found that at least 116 environmental activists were murdered in 2014 – that’s almost double the number of journalists killed in the same period. A shocking 40 % of victims were indigenous, with most people dying amid disputes over hydropower, mining and agri-business. Nearly three-quarters of the deaths we found information on were in Central and South America.

Honduras ist dabei mit 101 toten Umweltaktivist/innen zwischen 2010 und 2014 in dieser Hinsicht das gefährlichste Land der Welt. Das hat sich gestern nun auf tragische Weise bestätigt. Die prominente Aktivistin Berta Cáceres wurde gestern in ihrem Haus in der Stadt La Esperanza im Westen des Landes erschossen. Cáceres hatte sich für die Rechte der Indigenen eingesetzt und gegen den Bau von Staudämmen und Bergwerken in deren Siedlungsgebieten gekämpft. Wegen ihres Engagements war sie immer wieder bedroht worden. Im vergangenen Jahr war Cáceres mit dem renommierten Goldman-Umweltpreis ausgezeichnet worden.

Den Preis bekam sie u.a. für ihr Engagement gegen eins der größten Staudammprojekte Zentralamerikas, den Agua Zarca. Berta und ihren Mitstreiter/innen gelang es, das Projekt aufzuhalten, das u.a. von der Weltbank sowie mit Entwicklungsgeldern aus den Niederlanden und Finnland finanziert wird. Zuletzt zog sich China Sinohydro aufgrund der Proteste aus dem Projekt zurück. Siemens ist als deutscher Partner weiterhin dabei. Als Teil des Joint Venture VoithHdyro liefert Siemens nämlich Turbinen an verschiedene kontroverse Staudammprojekte, darunter Agua Zarca in Honduras, aber auch an Belo Monte in Brasilien.

Nicht nur die Trauer bei Kolleg/innen, Freund/innen und Mitstreiter/innen von Berta Cáceres ist nun groß, auch die Wut. Denn sie ist auch nicht das erste Opfer. Viele überlegen nun, sich mit Briefen und Protesten and die Regierungen zu wenden, die das Staudammprojekt mit Geldern und Bürgschaften unterstützen.

Bei dem Attentat wurde zudem auch Gustavo Castro verwundet, Aktivist des bergbaukritischen Netzwerkes REMA und Partner der Heinrich-Böll-Stiftung Mexiko. Er war in Begleitung von Berta Cáceres ebenfalls am Tatort und befindet sich nun in akuter Lebensgefahr: Allerdings nicht aufgrund seiner Verletzungen, sondern weil er als einziger lebender Augenzeuge des Verbrechens eine zentrale Rolle in der polizeilichen und juristischen Aufklärung einnimmt.

Zahlreiche Organisationen, darunter auch die Heinrich-Böll-Stiftung, fordern die Regierung und Behörden von Honduras dringend und in aller Deutlichkeit dazu auf, umgehend alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz von Gustavo Castro zu ergreifen und ihm nach seiner Aussage eine zügige Ausreise zu ermöglichen – für seine Sicherheit und Unversehrtheit sind nun alleine die honduranische Regierung und ihre Sicherheitsbehörden verantwortlich. Ebenso fordern die Organisationen die schnellstmögliche Aufklärung des Verbrechens sowie einen hinreichenden Schutz der Mitglieder im Koordinierungsgremium der Indigenen Organisationen von Honduras COPINH.

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