Wenn die Rechnung nicht aufgeht und die Chemie nicht stimmt

Dem Methan-Experten und Fracking-Gegner Bob Howarth von der Cornell University in New York bin ich beim ersten internationalen Anti-Fracking-Gipfel am 10. Dezember in Paris begegnet und er hat mich nachhaltig beeindruckt. Jetzt hat er nachgelegt und mit seiner aktuellen Recherche sogar einen Bill McKibben zu einem neuen und sehr lesenswerten Beitrag in The Nation inspiriert (Global Warming’s Terrifying New Chemistry).

Die unbequeme Wahrheit, die Bob Howarth zum Thema Fracking erläutert, ist folgende: Die Methanemissionen in den USA sind im Zeitraum 2002-2014 mehr als 30 % angestiegen. Und das führt er vor allem auf den Fracking-Boom zurück. Denn beim Fracking entweichen große Mengen dieses hochpotenten Treibhausgases.

Die amerikanische Umweltbehörfe EPA behauptet allerdings weiterhin, dass die Methanemissionen ebenso sinken wie die CO2-Emissionen. Stimmt nicht, sagt Bob Howarth. Und noch viel schlimmer, sagt Bill McKibben: In der Obama-Zeit könnten die gesamten Treibhausgasemissionen in den USA gewachsen sein statt zu fallen (wie alle immer wieder behaupten):

The EPA insisted this wasn’t happening, that methane was on the decline just like CO2. But it turns out, as some scientists have been insisting for years, the EPA was wrong. Really wrong. This error is the rough equivalent of the New York Stock Exchange announcing tomorrow that the Dow Jones isn’t really at 17,000: Its computer program has been making a mistake, and your index fund actually stands at 11,000.“

Die unterschiedlichen Einschätzungen bzgl. der Schädlichkeit von Methan für das Klima kommen aufgrund unterschiedlicher Berechnungsgrundlagen zustande: Die EPA legt einen Zeitraum von 100 Jahren zu Grunde (in dem Methan etwa 28-36 Mal so stark auf die Temperatur wirkt wie CO2). Bob Howarth aber sagt, dass wir von einem 86 bis 105 Mal so hohen Treibhausgaspotenzial ausgehen müssen, weil es beim globalen Klimawandel nicht auf die nächsten 100 Jahre, sondern auf die nächsten ein bis zwei Dekaden ankommt – und Methan ist eben vor allem kurzlebig und in dieser kurzen Zeit wahnsinnig effektiv…

Noch einmal Bill McKibben:

The global-warming fight can’t just be about carbon dioxide any longer. Those local environmentalists, from New York State to Tasmania, who have managed to enforce fracking bans are doing as much for the climate as they are for their own clean water. That’s because fossil fuels are the problem in global warming—and fossil fuels don’t come in good and bad flavors. Coal and oil and natural gas have to be left in the ground. All of them.“

Genau! Und warum eine enge Fokussierung der Klimadebatte auf CO2 und carbon metrics mögliche Alternativen und echte Lösungen undenkbar macht, erläutern wir in unserem heute erschienenen Beitrag auf Project Syndicate.

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