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Negative Emissionen oder Renaturierung von Ökosystemen?

Das renommierte Stockholm Environment Institute (SEI) hat eine sehr spannende Studie zum Thema negative Emissionen veröffentlicht. Darin untersuchen die beiden Autor/innen, Kate Dooley von der University of Melbourne und Sivan Kartha vom SEI, verschiedene Optionen, die aktuell diskutiert werden, um CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen.

Über die Risiken der breit diskutierten und vom IPCC in den Fokus gestellten Technologie BECCS (Biomasse CCS) habe ich an anderer Stelle schon mehrfach geschrieben. Die Technologie kommt auch beim SEI gar nicht gut weg. Interessanterweise kommen Dooley und Kartha zum Schluss, dass wir BECCS gar nicht brauchen, um das ambitionierte Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen (nämlich die Erderwärmung möglichst auf maximal 1,5°C über vorindustriellem Niveau zu begrenzen) zu erreichen. Auch massive Aufforstung (im Sinne von Monokulturen) lehnen sie explizit ab. Stattdessen schlagen sie vor, dass wir uns auf die Renaturierung von Ökosystemen konzentrieren sollten – was neben Klimaschutz auch andere positive Effekte für Mensch und Umwelt hätte.

Eine Entschuldigung für weniger ambitionierten Klimaschutz und ein Bremsen beim Kohleausstieg ist das aber in keinem Fall! Denn fossile Emissionen lassen sich nicht mit den Emissionen verrechnen oder gar kompensieren, die wir durch sorgsamen und sozial verträglichen Naturschutz (z.B. naturnahe Waldbewirtschaftung à la Stadtwald Lübeck) vermeiden können.

Hier zwei Zitate aus der Studie, die die Essenz ganz gut wiedergeben:

„Extensive ecosystem restoration, sufficient to enhance the natural sinks at an average rate of 1 to 1.5 Gt C/year for 60 years until saturation, would yield a cumulative total of 60 to 90 Gt C (= 220 to 330 Gt CO2)“.

Aber die Autor/innen schließen eben mit einer starken Warnung und verweisen auf die Unsicherheiten, die mit allen Annahmen über mögliche zukünftige Emissionsreduktionsoptionen einhergeht:

„It is a bad strategy to rely on the future large-scale deployment of negative emissions without reasonable confidence that there will be ways to achieve those negative emissions through options that are technically feasible and ecologically and socially acceptable at the required scale, and effective. Such a strategy could leave us – and future generations – stranded with an insufficiently transformed energy economy and a carbon debt that cannot be repaid. […] An inadequate response to the climate crisis, based on the illusion that BECCS or other measures can be used to “undo” emissions at a later date, would be woefully irresponsible and dangerous.“

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