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Bohren bis der Arzt kommt: Die EU-Kommission gibt sich zahnlos beim Fracking

Die Beweise sind erbracht: Die Förderung von Gas durch hydraulic fracturing, auch als „Fracking“ bekannt, bringt für die Menschen, die nahe den Bohrgebieten leben, erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich. Unabhängige Studien aus den USA, wo die Technik seit vielen Jahren eingesetzt wird, zeigen: Atemwegserkrankungen, erhöhte Krebsraten, Migräne werden mit Fracking in Verbindung gebracht. Aufwändige Untersuchungen der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) gehen von erheblichen Beeinträchtigungen des Trinkwassers aus.

Deutschland und die Europäische Union werden sich doch gegenüber diesen Argumenten nicht verschließen können? Doch, sie können. Deutschland hat im vergangenen Sommer ein Fracking-Erlaubnisgesetz auf den Weg gebracht, wir haben berichtet.

Die Generaldirektion Umwelt, die bei der Europäischen Kommission für Umweltfragen zuständig ist, hat sich in einem Workshop mit der Frage befasst und bleibt, so berichtet die Organisation Food and Water Europe dennoch weitgehend passiv:

DG Environment from the EU-Commission seems to have its hands bound and is largely unable to protect Europeans from health hazards caused by fracking.

In einem Blogpost von Anfang Februar beschreiben sie die Hilflosigkeit der EU-Behörden angesichts einer nach ihrer Meinung unklaren Faktenlage:

However, authorities still think that there is a lack of data. This is mainly due to the public’s dependency on industry to obtain information about fracking chemicals, injection mixtures, amounts, and due to the absence of much needed baseline studies, measuring indicators before hydrocarbon production.

Eine nicht verbindliche Empfehlung der EU-Kommission aus dem Jahre 2014 zur Minimierung von Risiken bei der unkonventionellen Erschließung von Gas hat – so hat es die Kommission selbst in einem Bericht zwei Jahre später fest gestellt – wenig Fortschritt gebracht.

Das Europäische Parlament wiederum hat die Mitgliedstaaten 2015 in einer Resolution aufgefordert, keine weiteren neuen Fracking-Projekte zuzulassen.

Und dann ist da noch der Klimaschutz. Viel wird über Gas als „Brückentechnologie“ gejubelt. Tatsächlich, in Sachen CO2-Emissionen mag Fracking ja noch überzeugen. Im Prozess von Erschließung, Lagerung und Transport des durch Fracking gewonnenen Gases werden hohe Mengen Methan frei. Die enorme Klimaschädlichkeit dieses Gases ist nachgewiesen.

Das oben schon erwähnte Gesetz tritt übrigens am 11. Februar 2017 in Kraft, eine Reihe von deutschen Umweltorganisationen und –verbänden hat in einer Pressemitteilung klare Worte zur Klimaschädlichkeit gefunden.

Klingt alles kompliziert. Wirklich? Food and Water Europe sehen das anders:

We can only support the Parliament with regard to this very clear stand. The only way to guarantee the ‘highest climate, environmental and public health standards’ and to implement the obligations of the Paris Climate Agreement is by not authorising any new hydraulic fracturing operations in the EU.

It’s as simple, as logical and as urgently necessary as that.

Dem ist nichts hinzu zu fügen.

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Diskussion

  1. Wenn man von etwa 7% Gasverlusten bei der Förderung und beim Transport von Shalegas ausgeht (Schätzungen liegen etwa in diesem Bereich) und die Klimawirksamkeit von Methan gegenüber CO2 mit dem Faktor 20 in Rechnung stellt, dazu dann noch die CO2-Emissionen bei der Verbrennung addiert, dann liegt Shalegas in der Klimabilanz weit abgeschlagen sogar hinter der Braunkohle.
    Und selbst konventionelles Gas mit Verlusten von 3% ist dann keinesfalls besser als Steinkohle.
    Das „saubere Gas“ ist, wie so Vieles, ein greenwashing-Märchen. Und diese diversen Märchen bilden die Basis der Emissionsberechnungen von Staaten und Konzernen. So lange es an Ehrlichkeit bei der Emissionserfassung fehlt, wird der Klimaschutz zur schöngerechneten Luftnummer.
    Nur die Feinstaubbilanz sieht bei Gas besser aus als bei Kohle oder auch z.B. bei der Holzverbrennung Nur ist das nicht klimarelevant.

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