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The Sky’s Limit – Norwegen, Erdöl und das Pariser Klimabkommen

Norwegen gilt als Vorzeigeland in Sachen Natur- und Umweltschutz. Außerdem wird es immer wieder als Beispiel dafür angeführt, dass ein rohstoffreiches Land nicht den Ressourcenfluch erleiden muss, sondern seine natürlichen Schätze zum Wohle seiner Bevölkerung nutzen kann. Durch die Produktion und den Export von Erdöl und Erdgas hat Norwegen ein gigantisches Vermögen angehäuft.

Allerdings hat auch Norwegen das Pariser Klimaabkommen ratifiziert und sich somit verpflichtet, die globale Erwärmung auf unter 2°C zu begrenzen und sogar eine Begrenzung von 1.5°C anzustreben.

Die NGO Oil Change International veröffentlicht nun heute ihren Bericht The Sky’s Limit – Norway. Und der Untertitel fasst die wichtigste Botschaft bereits zusammen:

„Why Norway should lead the way in the managed decline of oil and gas extraction“.

Aus dem Report geht klar hervor:

  • Durch seine Öl- und Gasexporte exportiert Norwegen 10 Mal so viele Emissionen wie es zu Hause erzeugt.
  • Damit ist Norwegen der 7. größte Emissionsexporter der Welt.
  • Eine Ausbeutung der geplanten neuen Öl- und Gasfeldern würde zu 150 % mehr Emissionen führen (im Vergleich zu den Emissionen aus den bereits produzierenden Quellen).
  • Und damit ist Norwegens Entwicklungspfad in keinster Weise mit dem Pariser Klimaakommen kompatibel!

Bildlich sieht das dann so aus: Blau = Emissionspfad für 2°C, Rot = Emissionspfad für 1,5°C. Schwarz = Emissionspfad, wenn Norwegen keine weiteren Öl- und Gasfelder eröffnen würdet. Orange = Emissionspfad inklusive der Planungen für neue Öl- und Gasfelder…

Die Regierung in Oslo argumentiert hierzu, dass ein Land ja nur für die Emissionen zuständig sei, die zu Hause produziert würden – also bei der Förderung der fossilen Rohstoffe, nicht bei der Verbrennung. Oil Change International und Partner (Naturvernforbundet, Greenpeace Norwegen, Kirkens Nødhjelp, Natur Og Ungdom, WWF Norwegen) machen jedoch klar: Die Pariser Klimaziele erreichen wir nur, wenn die Produzenten von Kohle, Öl und Gas sich nicht nur dazu verpflichten, keine weiteren fossilen Rohstoffe zu suchen (und dafür gar noch massive Subventionen auszugeben!), sondern einen Fahrplan zum Rückbau und letztlich zur Schließung dieses industriellen Sektors und der Unternehmen vorzulegen.

„Managed Decline“ ist hier das Schlagwort – und das ist tatsächlich auch für die klimapolitische Community durchaus eine neue Sichtweise, die sie erstmal verdauen muss.

In Norwegen stehen im September Wahlen an. Die Frage der Öl- und Gasproduktion steht dabei sehr hoch auf der Agenda. Eine der Hotspots der Auseinandersetzungen sind dabei die Lofoten – eine Inselkette nördlich des Polarkreises. Hier wehren sich Fischer/innen und Umweltgruppen seit Jahrzehnten gegen die Offshore-Ölproduktion. Ölförderung vor den Lofoten würde auch die Ausbeutung der arktischen Ölfelder wesentlich einfacher machen.

Vor wenigen Tagen hat die Zivilgesellschaft in Norwegen (allen voran Naturvernforbundet und der Jugendverband Natur Og Ungdom) wieder ein großes Festival (samt Jugendcamp) für öl-freie Lofoten veranstaltet und dabei neben der Artic Sunrise auch Aktivistinnen und Aktivisten aus aller Welt (Nigeria, Philippinen, Schweiz, Russland, Deutschland, USA, Kanada, Argentinien, Großbritannien…) begrüßt.

Spannend ist in diesem Kontext auch die bahnrechende Klage, die Greenpeace Norway gemeinsam mit anderen Verbündeten aus der Zivilgesellschaft gegen die norwegische Regierung eingereicht hat – The People vs. Arctic Oil:

„This case is about holding back the oil industry at this final frontier, it is about protecting the beautiful Arctic, and it is about people stepping up to hold governments to account. If we win, millions of barrels of oil could be kept in the ground. We will argue in court that we must take action to keep the Paris climate agreement on track, and we will invoke Norway’s constitutional right to a healthy and safe environment for future generations.

The largest network of young environmentalists in Norway, appropriately called Nature and Youth, have partnered with Greenpeace, and together we are the co-plaintiffs. The defendants are the Norwegian government who granted 13 oil companies licenses to drill in the Arctic. The case will be heard in Oslo – but the eyes of the world will be watching.“

Nachtrag: Eine schöne Zusammenfassung zum Gesamtthema bezogen auf Norwegen gibt es auch hier aktuell bei Bloomberg!

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