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Die Meat Majors – Der XXL-Klimafußabdruck der größten Fleisch- und Milchkonzerne

Heute haben die Heinrich-Böll-Stiftung, IATP und GRAIN gemeinsam ein Factsheet mit Infographiken veröffentlicht, das klarmacht, dass nicht nur Big Oil, Gas & Coal einer ambitionierten und gerechten Klimapolitik im Weg stehen…

Für die Bonn laufenden Verhandlungen der COP 23 ist sind das wichtige Botschaften und die Delegationen und Expert/innen dort sollten das vor allem in diese Richtung verstehen:

  1. Die Verhandlungen zum Thema Landwirtschaft im Rahmen des SBSTA (Subsidiary Body for Scientific and Technical Advice = Nebenorgan und Gremium für wissenschaftliche und technische Fragen) müssen sich dringend mit der Reduktion von allen Treibhausgasen befassen, also vor allem für die Landwirtschaft auch mit der Reduktion von Methan (CH4) und Lachgas (N2O), die zwar kürzer in der Atmosphäre verweilen, dafür aber eine viel hähere Klimawirkung haben als CO2.
  2. Wenn wir es ernst meinen mit der Begrenzung der globalen Erwärmung auf weit unter 2°C oder gar auf 1,5°C (siehe Pariser Klimaabkommen), dann genügt es nicht, aus der Produktion und Verbrennung fossiler Rohstoffe auszusteigen. Sondern dann müssen wir auch die industrielle Fleischproduktion drosseln. Undzwar massiv! Wie das geht, beschreibt das Factsheet übrigens auf der letzten Seite – und hier wird auch klar, dass eine solche Transformation nicht nur eine Bürde ist, sondern auch eine große Chance!

3. Die Meat Majors gehören ebenso zu den Big Polluters wie die Carbon Majors und haben damit bei den Klimaverhandlungen nichts zu suchen. Denn ihre Einmischung in die Klimapolitik stellt einen massiven Interessenskonflikt dar. Gut, dass sich die UNFCCC sowieso gerade mit dem Thema befasst. Die aktuellen Daten von IATP und GRAIN machen nochmal klar, dass es dabei eben um weit mehr als die fossile Lobby geht.

Klar ist, dass die Veröffentlichung dieser Daten sicherlich nicht ohne Reaktion bleiben wird. Wir erwarten zum einen heftigen Gegenwind von den Konzernen selber. Aber zum anderen werden sie sich auch – wie bisher – still und heimlich im Rahmen der Climate Action Agenda der UNFCCC selber greenwashen.

Dass das nicht nur auf der Ebene der Unternehmen passiert, sondern auch Staaten und Provinzen aus einer reinen Emissionsminderungs- oder Effizienzlogik die falschen Politikanreize setzen können, zeigt das Beispiel Kalifornien: Ein Gesetzesentwurf dort, genannt SB 100, befindet sich gerade in der Abstimmung. Das Gesetz würde das Renewable Portfolio Standard Program stärken, das das Ziel hat, die Anteil der erneuerbaren Energien in Kalifornien bis 2026 auf 50% anzuheben und bis 2030 gar auf 60%. Soweit so gut. Problematisch wird es da, wo es um die die Definition dessen geht, was als erneuerbare Energie angesehen wird. In diesem Fall wird nämlich Biogas aus Mastfabriken eingeschlossen. Dieses Biogas ist dreckig und verseucht Luft und Wasser. Im Gesetztesentwurf wird es aber als sauber und klimafreundlich dargestellt. Und so könnte ein Gesetz, das erneuerbare Energien fördern soll, letztlich zur Förderung von Massentierhaltung misbraucht werden. Und leider ist Kalifornien kein Einzelfall und es steht zu befürchten, dass viele Ländern diesem Beispiel nacheifern werden.

Aber die Meat Majors und ihre Protegés sollten sich warm anziehen. Denn die bahnbrechende Recherche der Carbon Majors hat letztlich nicht nur eine Welle an juristischen Untersuchungen und Klagen nach sich gezogen, sondern auch die Debatte um die Klimaverantwortung vom Kopf auf die Füße gestellt. Und genau das brauchen wir auch für den Landsektor. Die Meat Majors Recherche ist hierzu ein erster wichtiger Schritt.

Mehr Hintergrundinfos und Fakten gibt es übrigens auch im Konzernatlas und im Fleischatlas. Und die Meat Majors Analyse auf Englisch ist HIER verfügbar. Der Guardian hat schon berichtet.

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Diskussion

  1. Kleine Korrektur:
    die relative Kurzlebigkeit trifft für Methan zu, nicht jedoch für Lachgas. Mit etwa 120 Jahren entspricht die mittlere Verweildauer des Lachgases ungefähr der des CO2.
    Zwar beträgt der atmosphärische Anteil des Lachgases nur etwa 330 ppb (deutsche Zählweise: Teile pro Milliarden), also etwas weniger als ein Tausendstel des Anteils des CO2, aber seine etwa 300-fache Klimarelevanz gegenüber einer gleichen Menge CO2 macht es doch weitaus potenter, als sein geringer Anteil vermuten lässt.
    Immer größere Mengen an Stickstoffdünger werden in den nächsten Jahrzehnten die Lachgasmengen in der Atmosphäre weiter ansteigen lassen. Dazu kommt, dass beim Auftauen des Permafrostes neben CO2 und Methan ebenfalls nicht unerhebliche Mengen an Lachgas freigesetzt werden.

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