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Geoengineering und Carbon Offsets

Großtechnologische Lösungen zur Manipulation des Klimasystems, sogenannte Geoengineering-Technologien, sind größtenteils sehr teuer sowie energie- und ressourcenintensiv. Da sind schon in der Vergangenheit Geoengineering-Unternehmer auf die Idee gekommen, ihre riskanten Projekte durch einen freiwilligen Emissionshandel (Carbon Offsets) zu finanzieren.

Meeresdüngung (OF, Ocean Fertilization)
Bei der Meeresdüngung werden Eisen oder andere Nährstoffe (z.B. Harnstoff) in Bereichen des Ozeans ausgebracht, in denen die biologische Produktivität niedrig ist, um hier das Wachstum von Phytoplankton zu stimulieren. Theoretisch soll das hierdurch entstandene Phytoplankton CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, absterben und sich auf dem Meeresboden absetzen, wobei es Kohlenstoff binden und so dem Kreislauf dauerhaft entziehen soll. Die tatsächliche Wirksamkeit der Meeresdüngung ist mehr als zweifelhaft: Freiluftexperimente in der Vergangenheit haben gezeigt, dass der größte Teil des „gebundenen“ Kohlenstoffs über die marine Nahrungskette wieder in den Kreislauf gelangt und freigesetzt wird. Ozeandüngung greift in die komplexe Struktur der empfindlichen marinen Nahrungsnetze ein und stört diese, sie kann toxische Algenblüten verursachen und in manchen Meeresschichten zu Sauerstoffmangel führen.

So hat z.B. einer der prominentesten Befürworter für sog. „Meeres- oder Ozean-Düngung“ (Ocean Fertilization) – eine Technologie, deren Anwendung übrigens durch verschiedene internationale Konventionen verboten wurde -, der US-Businessman Russ George, bereits vor über zehn Jahren das Unternehmen Planktos gegründet, das bereits im 2007 damit begann, CO2-Offsets zu verkaufen.

Russ George und Meeresdüngung – eine kurze Geschichte gescheiterter Projekte (Auszug aus The Big Bad Fix – The Case Against Geoengineering)

The most persistent ocean fertilization advocate has been US businessman Russ George. More than ten years ago, he created a US startup company, Planktos, which by early 2007 was selling carbon offsets on its website. Planktos claimed that its initial ocean fertilization test, conducted off the coast of Hawai’i from singer Neil Young’s private yacht, was taking carbon out of the atmosphere. Soon thereafter, Planktos announced plans to set sail from Florida to dump tens of thousands of pounds of iron particles over 10,000 square kilometres of international waters near the Galapagos Islands, a location chosen because, among other reasons, no government permit or oversight would be required.

In efforts to stop Planktos, civil society groups filed a formal request with the US Environmental Protection Agency to investigate Planktos’s activities and to regulate its actions under the US Ocean Dumping Act. In addition, public interest organizations asked the US Securities Exchange Commission to investigate Planktos’s misleading statements to potential investors regarding the legality and purported environmental benefits of its actions. Hit with negative publicity,
Planktos announced it was indefinitely postponing its plans due to a “highly effective disinformation campaign waged by anti-offset crusaders.”

In April 2008, Planktos declared bankruptcy, sold its vessel and dismissed all employees, and claimed it had “decided to abandon any future ocean fertilization efforts.”

That was not to be. Russ George reappeared a few years later, having persuaded a band council of the Indigenous Haida nation on the archipelago of Haida Gwaii to fund a new project. This time, incorporated as the Haida Salmon Restoration Corporation, he pitched iron fertilization as a way to boost salmon populations, with the added benefit of selling carbon credits based on sequestering CO2 in the ocean. In 2012, news broke that he had orchestrated a dump of
100 tons of iron sulphate in the Pacific Ocean off the west coast of Canada – the largest-ever ocean fertilization dump. An international outcry landed George with the mantle of a “rogue geoengineer” and “geo-vigilante” and made him the target of an investigation by Environment Canada’s enforcement branch (which, five years later, has yet to conclude its efforts).

Many of those involved in this Haida project have again resurfaced, this time as the Vancouver-based Oceaneos Marine Research Foundation. Their sights now are on an experiment off the shores of Chile, where they say they are seeking permits from the Chilean government to release up to ten tonnes of iron particles as early as 2018. They have rebranded, presenting their organization as non-profit rather than for-profit; as engaging in “ocean seeding” rather than iron fertilization; and as a scrupulous project with a code of conduct and a board of scientific advisors. They have continued presenting the technology as a miracle cure to save marine life – with a much savvier online presence of scientific presentations and promotional videos showing the oceans teeming with revitalized salmon and dolphins. The project has been sharply criticized by ocean scientists in Chilean research institutions.

Eine der Geoengineering-Technologien, in die viele heute große Hoffnung setzen, ist Direct Air Capture (DAC):

Direct Air Capture (DAC)
Bei DAC soll CO2 (oder potentiell auch andere Treibhausgase) mit chemischen Mitteln und mechanischen Methoden der Atmosphäre entzogen werden. Dabei werden beispielsweise große Ventilatoren eingesetzt, die die Umgebungsluft durch einen Filter bewegen und mit Hilfe eines chemischen Sorptionsmittels der Luft das CO2 entziehen. Dieses steht dann in Form eines Gasstroms für CCS, Enhanced Oil Recovery oder andere Nutzungen zur Verfügung. Bei DAC handelt es sich um ein kommerzielles Vorhaben mit einem extrem hohen Energiebedarf. Die Energie- und Emissionsbilanz ist daher fragwürdig, insbesondere, wenn DAC mit fossiler Energie betrieben werden würde. Die CCS wird es für Enhanced Oil Recovery an Standorten vorgeschlagen, an denen industrielle CO2-Quellen nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Die CO2-Rückgewinnung aus der Umgebungsluft liegt bei aktuellen DAC-Prototypen auf einem niedrigen Niveau. Wenn DAC eine klimarelevante Wirkung haben soll, muss CO2 in einem Maße unter der Erde gespeichert werden, das gravierende Umweltauswirkungen auf den Boden hätte. Weiterhin würde die Produktion und der Transport der großen Mengen an benötigten Sorptionsmittel ebenfalls bedeutende Mengen an Treibhausgasen und toxischen Abfällen erzeugen, die bisher unbilanziert bleiben.

Die Schweizer Firma Climeworks bietet nun im Rahmen eines neuen freiwilligen Marktmechanismus, den sie aufgelegt haben, CO2-Offsets durch Direct Air Capture an. Ihre Kunden können so z.B. Emissionen kompensieren, die durch Flugreisen, Beschaffung oder Stromnutzung im Betriebsablauf entstehen. Die Offsets seien besser als herkömmliche Zertifikate, so der CEO von Climeworks:

“Unlike compensation schemes, where emissions are offset through the trade of pollution rights, the Climeworks solution involves the direct removal of the same amount of emissions from the atmosphere as the customer is creating. Climeworks offers a metered and permanent approach to Carbon Dioxide Removal.” (Climeworks Co-Founder and Co-CEO Jan Wurzbacher)

Interessant ist, wer bereits zu den Kunden von Climeworks für diese Offsets zählt, nämlich u.a. die Climate Works Foundation, eine in den USA ansässige NGO. Im Vorstand sitzen dort u.a. Ex-UNFCCC-Chefin Christiana Figueres und Caio Koch-Weser von der European Climate Foundation.

Zu den wichtigsten Geldgebern gehören The William and Flora Hewlett Foundation, KR Foundation, John D. and Catherine T. MacArthur Foundation, Oak Foundation, The David and Lucile Packard Foundation.

Ob den allen klar ist, dass sie nun direkt oder indirekt zu den Finanziers von Geoengineering-Projekten gehören…?

Nachtrag (23.02.18): Aufgrund von Nachfragen möchte ich klarstellen, dass ich nicht der Meinung bin, dass die Stiftungen, die die Climate Works Foundation finanzieren, direkte Verantwortung tragen für die Entscheidung dieser NGO, Geoengineering-Offsets zu kaufen. Eine kritische Debatte dieses Themas halte ich jedoch für unbedingt angemessen und hochaktuell. 

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Diskussion

  1. Was ist das für eine Klima-„Wissenschaft“ die nach dem Prinzip Try & Error „forscht“? So arbeitet kein richtiger Wissenschaftler. Wenn es überhaupt so etwas geben kann wie Klimarettung, dann muss unbedingt das Vorsorgeprinzip gelten. Der Nachweis einer absoluten Unbedenklichkeit einer Technologie, das bewerkstelligt ist wegen der Komplexität des Systems Erde und des Unverständnisses über dieses schlicht unmöglich. Wer also Geoengineering betreibt, handelt kriminell unter Inkaufnahme unabsehbarer, katastrophaler Folgen für den Planeten Erde.

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