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Geoengineering im Talanoa-Dialogue?! (Oder: wie retten wir die Arktis?)

Dass Geoengineering – also großmaßstäbliche technologische Eingriffe ins Klimasystem – zwar weitestgehend fiktive Technologien meint, aber dennoch bereits zahlreiche Feldexperimente stattgefunden haben und weitere geplant sind, zeigt eindrucksvoll die interaktive Geoengineering-Weltkarte.

Und während die einen versuchen, ihre Projekte über CO2-Kompensationszertifikate zu finanzieren (siehe meinen Beitrag zum Direct Air Capture Projekt von Climeworks), bemühen sich andere um offizielle Anerkennung im Rahmen des Talanoa-Dialogs der UNFCCC.

Der wichtigste auf der COP 23 in Bonn gefasste Beschluss – als „Fiji Momentum for Implementation“ bezeichnet – umfasst drei Elemente: eine Aufforderung zur verstärkten Umsetzung und zu erweiterten Ambitionen für die Zeit vor 2020 („Pre-2020 Implementation and Ambition“), eine Bekräftigung des Arbeitsprogramms des Pariser Abkommens sowie die Konzeption des Facilitative Dialogue, den Fidschi in Talanoa-Dialog umbenannt hat. (Hier gibt es unserer ausführliche Analyse zu den Ergebnissen der COP 23.)

Der Talanoa-Dialogue soll im Jahr 2018 und in Vorbereitung auf die COP 24 im Dezember 2018 eine Art erste globale Bestandsaufnahme sein und dazu führen, dass noch einmal alle Länder ihre Ambitionen anheben und mehr tun. Dabei muss es klar darum gehen, alle Optionen für ambitionierten Klimaschutz auf den Tisch zu legen.

Das „alles auf den Tisch legen“ verstehen dann aber einige im Sinne von „anything goes“. So z.B. das Projekt „IceAid 911„. Der Plan:

„We preserve Arctic ice by spreading our eco-friendly reflective sand on top of ice in strategic locations. The sand is low-cost, scalable, and safe for all. Applied in specific locations of the Arctic, it can restore the Earth’s natural heat shield, rebuild wildlife habitat, and help stabilize global climate. Like a white shirt on a hot summer day, our material reflects heat, protecting the ice below.“

In einer Email an potentielle Unterstützer/innen und Spender/innen schreibt die Organisation, die hinter IceAid911 steht, vor wenigen Wochen:

„In March, we are heading back to the Arctic for another deployment, and we are applying to be a part of the UN’s Talahoa Dialogue, which opens up the discussion for solutions like ours to get implemented as soon as possible. However, in order to be able to act fast, we need the power of your network. Please consider referring at least one friend to donate to Ice911 by March 7. If they donate, we will send you both a limited edition „Make The Arctic Great Again“ t-shirt […]. The person who refers the most donors, and the person who makes the single largest gift by March 7, will also get to sign their name on our monitoring buoy, set to be deployed in the Arctic this March!

Klingt ja erstmal harmlos. Oder nicht?

In unserem großen Geoengineering-Report The Big Bad Fix beschreiben wir das Vorhaben so:

„Similar to desert covering, coatings – perhaps a nanotech film or small glass beads – would be applied to Arctic ice as a “reflective band aid” to insulate rapidly melting snowpack and glaciers. An experimental project championed by Leslie Field, an engineer at University of California, Berkeley, with a resumé that includes work for Chevron and Hewlett Packard, has used regular plastic garbage bags, among other materials, to do this in Canada and California, and she has set up a crowd-funding site to expand the project. Possible negative effects – including to weather, water temperature and biodiversity, and the environmental impact of the covering material itself – appears not to have been considered.“

Ein Clean-Up Plan ist quasi nicht vorhanden („Wir sammeln das Zeug dann nachher einfach wieder ein“). Und genau weil das Einbringen von fremden Stoffen in komplexe marine Ökosysteme (und hier geht es ja um ein Gebiet von Eis auf dem Wasser) so riskant ist und zu zahlreichen negativen Nebeneffekten und Folgen führen kann, gibt es mit dem London Protocol der London Convention ein internationales Abkommen, das marines Geoengineering reguliert und letztlich alle Vorhaben (bis auf ganz wenige strenge Ausnahmen für reine Forschungszwecke) verbietet.

Da nützt es auch nicht, dass die Macherinnen und Macher hinter IceAid911 meinen, ihr Vorhaben sei ja gar kein Geoengineering. Ist es doch – es fällt ganz genau in die Definition, auf die sich sowohl das London Protocol als auch das Moratorium der Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen (CBD) beziehen.

Da kann man nur hoffen, dass es den für den Talanoa-Dialogue Zuständigen noch rechtzeitig auffallen wird, wer hier mit äußerst fragwürdigen Methoden versucht, riskante Geoengineering-Technologien hoffähig (und damit auch UNFCCC-fähig) zu machen. Da wird IceAid911 vermutlich nicht das einzige Vorhaben bleiben. Da heißt es also: Augen auf!

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