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Warum Plastikverpackungen NICHT zur Reduktion von Lebensmittelabfällen beitragen

Es nervt ungemein und wird immer mehr: Unsere Lebensmittel in den Supermärkten ersticken in Plastik – und wir ersticken im Verpackungsabfall. Und die Industrie will uns glauben machen: die gigantischen Plastikmengen sind notwenig, um Lebensmittelabfälle zu vermeiden.

Friends of the Earth Europe, Zero Waste Europe und die Rethink Plastic Alliance haben nun einen Bericht vorgelegt, der klar macht: Diese Behauptung ist eine Lüge. Das Gegenteil ist der Fall!

Es zeigte sich nämlich, dass Plastikverpackungsabfälle gemeinsam mit den Lebensmittelabfällen steigen: Europa verbraucht heute 49 Mio. Tonnen Plastik im Jahr, wovon etwa 40 Prozent für Verpackungen verwendet werden. Europäer/innen werfen pro Jahr durchschnittlich mehr als 30 kg an Verpackungsplastik weg. Das landet dann hauptsächlich auf Mülldeponien und in Müllverbrennungsanlagen. Weniger als 30 Prozent der europäischen Plastikabfälle werden recycelt. Der Großteil der Plastikverpackungen wird nur einmal verwendet.

Im Plastik stecken zudem gefährliche Chemikalien, wie Endokrindisruptoren. Diese können von Plastikverpackungen und anderen Verpackungsmaterialien (wie etwa Recycling-Karton) auf Lebensmittel übertragen werden. Das ist aber zum einen kaum erforscht und zum anderen nicht reguliert.

Manche Verpackungen schützen Nahrungsmittel und erhöhen damit ihre Lagerfähigkeit. Aber es gibt viele Gründe, warum es zu Lebensmittelabfällen kommt. Eine Ursache ist jedoch auf jeden Fall das Überangebot an Lebensmitteln – und dieses wird durch schön in Plastik verpackte und eingeschweißter Produkte noch erhöht.

Im unseren industrialisierten und globalisierten Lieferketten können optische Vorgaben und Verpackungsstandards dazu führen, dass noch essbare Nahrungsmittel weggeworfen werden. Viele Verpackungen, die von  Nahrungsmittelindustrie und Einzelhandel verwendet werden, dienen vor allem Marketing- und Markenzielen und nicht der Konservierung der Lebensmittel. Durch solche Verpackungen nimmt nicht nur die Menge an Müll, sondern auch die Menge an Lebensmittelabfällen zu.

Unwrapped: how throwaway plastic is failing to solve Europe’s food waste problem (and what we need to do instead)

ist quasi ein ganzes Informationspaket mit einem umfassenden Report, verschiedenen Factsheets und einer Analyse, die die Methodik der Industrie auseinandernimmt und auch über Lösungen spricht.

Global2000 in Österreich hat den Report dankenswerterweise auch gleich ins Deutsche übersetzt: Ausgepackt – über den Zusammenhang von Plastikverpackungen und Lebensmittelabfällen.

Der Bericht gibt vier klare Handlungsempfehlungen:

  1. Der Umgang mit Lebensmittelverpackungen muss sich die gesamte Lieferketten und den gesamten Lebenszyklus von Produkten anschauen sowie bei den Ursachen von Lebensmittelabfällen ansetzen.
  2. Einsatz von ökonomischen Instrumenten: z.B. umweltbewusste öffentliche Beschaffung, Programme zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), Pfandsysteme und die progressive Besteuerung von fabriksneuem Plastik.
  3. Eine Überprüfung der Gesetzeslage, um etwaige Lücken zu schließen. Dabei müssen Ziele zur Reduktion von Einwegplastikverpackungen und  Ziele zur vermehrter Nutzung von Mehrwegverpackungen definiert werden. Außerdem geht es um Ökodesign-Kriterien, optische Standards und Etikettierungsregelungen.
  4. Mehr Geld / Investitionen für Abfallvermeidung (z.B. durch Fokus auf kurze Lieferketten und Fokus auf Einzelhändler/innen und KMUs).

„Das hohe Pro-Kopf-Müllaufkommen in Europa sollte nicht als ein unvermeidbares Nebenprodukt der wirtschaftlichen Entwicklung und eines bequemen Lebensstils betrachtet werden: Die heutigen ökologischen Gegebenheiten zwingen uns dazu, Nahrungsmittel, Kunststoffe und sämtliche Ressourcen so zu verwenden, dass ein gutes Leben für alle möglich ist. Europa braucht außerdem ein Nahrungsmittelsystem, das landwirtschaftliche Erzeugnisse wertschätzt und deren ProduzentInnen unterstützt. Lieferketten sollten zur Förderung der Regionalentwicklung genutzt werden. Wir brauchen ein Lebensmittelsystem, in dem Materialien einschließlich Verpackungen reduziert, wiederverwendet und recycelt werden.“

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Diskussion

  1. Wenn jemand über “soziale Gerechtigkeit” spricht, ohne die Ursache der Ungerechtigkeit zu kennen, die schon vor 3200 Jahren aus dem Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit ausgeblendet wurde, trägt das immer wieder zur Belustigung der Wissenden bei:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2015/09/die-idiotie-vom-unverzichtbaren-zins.html

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