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Nein zum Raubbau an der Tiefsee!

Unser steigender Rohstoffkonsum treibt die Suche nach neuen Rohstoffquellen an und gibt zudem der Industrie eine willkommene Ausrede, immer riskantere Abbautechniken für immer entlegenere Gebieten zu entwickeln – zum Beispiel für die Tiefsee!

Das Interesse am kommerziellen Tiefseebergbau in Meeresgebieten jenseits nationaler Hoheit hat dabei in den letzten Jahren stark zugenommen. Die zuständige Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) hat bereits 26 Explorationslizenzen vergeben und entwickelt derzeit das gesetzliche Regelwerk für den Abbau mineralischer Ressourcen der Tiefsee („Mining Code“).

Tiefseebergbau wird im Rahmen des UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) geregelt. Dieses Abkommen unterscheidet zwischen Hoher See (mehr als 200 Seemeilen, ca. 370 Kilometer Entfernung von einer Küste) und den Ausschließenden Wirtschaftszonen (AWZ, innerhalb der 200 Seemeilen-Grenze). Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz in Jamaica vergibt Lizenzen für die Exploration und die Förderung von mineralischen Ressourcen auf und im Meeresboden der Hohen See.

Im Fokus des Interesses beim Tiefseebergbau stehen die folgenden Rohstoffe:

  • Manganknollen auf den Tiefseeebenen in 3.500 bis 6.500m Tiefe,
  • Sulfiderze in 1.000 bis 4.000m Tiefe rund um die Schwarzen Raucher,
  • Erzkrusten an den Seebergen in 1.000 bis 2.500m Tiefe.

Warum das Ganze? Über 90 Millionen Tonnen Metalle werden laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jährlich zur Produktion von Maschinen, elektrischer Ausrüstung oder Automobilen importiert. Hinzu kommen die vielen Rohstoffe aus verarbeiteten und aus Vorprodukten. Für die Industrie und die Bundesregierung heißt das: Wir brauchen mehr Rohstoffe, um den steigenden Bedarf zu decken!

Dabei übersteigen diese Konsum- und Produktionsmuster bereits jetzt die planetaren Grenzen und laufen konträr zu globaler Ressourcengerechtigkeit. Denn der Abbau von Rohstoffen ist global mit großen sozialen und ökologischen Kosten verbunden, die sich nicht in den Rohstoff- und Produktpreisen wiederfinden und vor allem in Ländern des globalen Südens anfallen. Auch geht er häufig mit Menschenrechtsverletzungen einher.

Mit den weltweit weiterhin hohen Begehrlichkeiten nach neuen Rohstoffquellen und den geringen Erträgen aus terrestrischen Lagerstätten rücken die marinen mineralischen Rohstoffe der Ozeane und Meere zunehmend in den Fokus. Mittlerweile gibt es zahlreiche Explorations- und Forschungsprojekte für Bergbau in der Tiefsee.

Auch die Bundesregierung unterstützt politisch und finanziell eine Reihe von Industrie- und Forschungsinitiativen, die den Tiefseebergbau massiv vorantreiben. Im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wird Tiefseebergbau in den Kapiteln zu Rohstoffpolitik und Internationaler Meeresschutz erwähnt und damit konkret die Absicht bekundet, Tiefseebergbauprojekte verstärkt voranzutreiben.

Deutschland ist aktuell an zwei Forschungsprojekten zum Tiefseebergbau beteiligt.

  1. „Long-term Impacts of Deep-Sea Mining: Results of the Mining Impact Project“. Läuft seit 2015 und wird u.a. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das Projekt wird u.a. die Auswirkungen von Eingriffen in das Ökosystem der Tiefsee anhand von Sedimentverwirbelungen in der Wassersäule im Pazifik und im Indischen Ozean untersuchen.
  2. Ein weiteres Projekt ist ein Test von sog.  „Nodule Collector Components“ durch die belgische Firma DEME, das im deutschen und belgischen Lizenzgebiet im April 2019 stattfinden soll.

Die in der AG Tierseebergbau zusammengeschlossenen Umwelt-, Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen* fordern dagegen ein rasches Umdenken und Umlenken der Politik. Der absolute Rohstoffverbrauch in Deutschland und Europa muss massiv reduziert werden. Die Tiefsee muss als gemeinsames Erbe der Menschheit geschützt werden. Das schließt den Tiefseebergbau aus, da dieser in jedem Fall mit gravierenden Störungen der marinen Ökosysteme, mit Artensterben und unkalkulierbaren Folgewirkungen für die Meereswelt wie auch für die Menschen an ihren Küsten einhergeht und einer nachhaltigen Ressourcenpolitik entgegensteht.

Die unterzeichnenden Organisationen fordern deswegen von der Bundesregierung ein entschiedenes politisches Umsteuern weg vom Raubbau an der Tiefsee!

Hier geht’s zum Download des Positionspapiers

Das Papier wurde letzte Woche an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geschickt…

*Die AG Tiefseebergbau setzt sich zusammen aus Mitgliedsorganisationen der AG Meere im Forum Umwelt und Entwicklung sowie dem AK Rohstoffe.

Übrigens sehr sehenswert – Das Video von Seas At Risk zum Thema Tiefseebergbau:

Deep sea mining!? Leave my down below alone!

YouTube Preview Image

Und auch die anderen Materialien und Positionierungen von Seas At Risk zum Thema sind lesenswert!

infographic deep sea mining SAR

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